DRK-Rettungshundestaffel

Neun Spürnasen retten Menschenleben

Radiodurchsagen oder Zeitungsmeldungen bringen ab und an das Problem vermisster Personen ins öffentliche Bewusstsein. Dann schlägt meist die Stunde der DRK-Rettungshundestaffel Wetterau.
02. Januar 2018, 08:00 Uhr
Labrador-Hündin Layla ist schnell erfolgreich. Nach wenigen Minuten haben sie und Sabina Landsiedel die vermisste Person gefunden. (Foto: Nici Merz)

Das Verschwinden des 78-jährigen Bad Nauheimers Viktor Popp ist einer der mysteriösesten Vermisstenfälle in der Wetterau. Er hatte in der Nacht zum 30. Mai 2017 seine Wohnung verlassen, um nie mehr aufzutauchen. Für die Rettungshundestaffel des DRK Friedberg und ähnliche Organisationen war die Suche nach dem Rentner einer der größten Einsätze im letzten Jahr.

»Zwei Mantrailer-Hunde, die mithilfe von Geruchsproben gezielt einen bestimmten Menschen aufspüren, kamen im Stadtgebiet zum Einsatz«, erzählt Anja Klar, stellvertretende Rettungshundestaffel-Leiterin. Ergebnislos. Dann wurde das Gelände an der B 3 durchkämmt. Außerhalb von Ortschaften setzt das DRK auf Flächensuchhunde, die alle Menschen in einem bestimmten Gebiet melden.

Bis zu 25 Einsätze pro Jahr

70 Minuten lang wurde die Bundesstraße gesperrt, um die Tiere nicht zu gefährden. Laut Klar ging der Einsatz an der Wetter weiter, wo auch DLRG-Strömungsretter aktiv waren. Alle Anstrengungen waren erfolglos. Wie ein dementer Senior Monate verschwunden bleiben kann, ist ein Rätsel.

Koordinieren die Übung: Anja Klar (l.) und Andrea Ahrens-Bauer.
Koordinieren die Übung: Anja Klar (l.) und Andrea Ahrens-Bauer.

Für solche Ernstfälle – das DRK-Team wird 15- bis 25-mal im Jahr alarmiert – müssen Hundeführer und Tiere eine zweijährige Ausbildung absolvieren und zweimal die Woche bis zu zwölf Stunden trainieren. Bei den Einsätzen – meist nachts – gehen die Aktiven bis an die Grenze der Belastbarkeit. »Eine Suche dauert sechs bis acht Stunden«, erklärt Hundeführer Christian Koerdt. Dabei durchstöbern die Tiere in 20 Minuten eine Fläche von fünf Fußballfeldern.

Layla wird fündig

Immer zwei, drei Personen gehen mit einem Hund ein genau abgegrenztes Gebiet ab, wobei das Tier nach dem Befehl »Such und hilf« unabhängig durchs Gelände pirscht. »Nachts ist es nicht besonders angenehm, sich allein im Wald aufzuhalten«, sagt Anja Klar. Die Orientierung mit Kompass und Karte ist ein Hauptbestandteil der Ausbildung.

Wie beim Training am Winterstein demonstriert wird, sind Flächensuchhunde in »Verbeller« und »Rückverweiser« unterteilt. Die achtjährige Labradorhündin Layla läuft durch den dichten Wald, reagiert nicht sofort auf den Ruf ihrer Führerin Sabina Landsiedel. Layla hat die Witterung eines Menschen in der Nase und setzt die Suche fort. Sekunden später bellt sie. »Frauchen« eilt zum Fundort, wo ein »vermisstes« DRK-Mitglied im Unterholz liegt. Andere Helfer, darunter Notärztin und Mantrailer-Hundeführerin Dr. Christine Elsner, kümmern sich ebenfalls um die Verletzte.

Leicht autistischer Bluthund

Nicht selten verletzen sich auch Hunde. »Zu Flächensuchhunden werden meist mittelgroße Rassen geschult, wer möchte schon eine verletzte Deutsche Dogge tragen?«, sagt Ausbilderin Daniela Scherber. Ebenso erfolgreich wie Layla ist Beauceron-Hündin Jolie von Esther Leschzyk, ein »Rückverweiser«. Diese Hunde bellen nicht, wenn sie fündig werden, sondern laufen zurück zum Führer, den sie zur gesuchten Person geleiten.

Löst die Leitstelle Alarm aus, wird meist zuerst Bloodhound Rosalie von Elsner angefordert. Demente Senioren, suizidgefährdete Personen oder jugendliche Ausreißer werden in der Regel zuletzt in Wohngebieten gesehen, wo nur der Mantrailer nützlich ist. »Der Bluthund ist leicht autistisch veranlagt, vertieft sich völlig in den Geruch«, erläutert Elsner.

14 Kilometer in vier Stunden

Problem: Ist die Spur frisch oder Tage alt? Manchmal gehen nach Auskunft der Polizei drei Mantrailer in drei verschiedene Richtungen. Wenn Rosalie am Stadtrand angekommen ist, übernehmen Flächensuchhunde, Polizeitrupps oder Hubschrauber. Leichen können Suchhunde nicht aufspüren.

Dr. Christine Elsner hat schon mal in vier Stunden 14 Kilometer zurückgelegt. »Der Hund war nicht kaputt, aber ich brauchte dringend eine Pause.« Besonders unangenehm sind nicht etwa kalte Winter-, sondern warme Sommernächte. »Dann sind Einsätze besonders anstrengend«, sagt Andrea Ahrens-Bauer. Die Vorsitzende des Ortsvereins Friedberg weiß um die physischen und psychischen Anstrengungen, die dieses Ehrenamt mit sich bringt. Nur wenn Familie und Arbeitgeber mitziehen, sei dieser Dienst machbar.

 

Infokasten

Neun geprüfte Hunde

Die Rettungshundestaffel des DRK Friedberg existiert seit fast 20 Jahren. 16 Mitglieder arbeiten mit 19 Hunden, 9 Teams sind geprüft. Ein Rettungshund sollte mittelgroß, gut auf Menschen geprägt und motivierbar sein. Die Hundeführer haben eine Ausbildung als Sanitätshelfer sowie Fortbildungen in Karten- und Kompass-Kunde, Einsatzlehre, Unfallverhütung, Hundeverhalten und Erste Hilfe am Hund. Die Einsätze erfolgen in Absprache mit der Polizei. Gerade im Winterhalbjahr würde sich das DRK wünschen, dass sich Angehörige oder Altenheim-Leitungen schneller melden, weil jede Minute zählt. Nach Schilderung der Lage entscheiden die Staffelführer, ob sie aktiv werden. »Selbst wenn der Gesuchte nicht gefunden wird, können Suchhunde wertvolle Hinweise liefern«, sagt Sylvia Frech, Sprecherin der Polizei Friedberg. Beispiel: Verliert ein Mantrailer die Witterung am Bahnhof, wird der Vermisste mit dem Zug gefahren sein. Bei Einsätzen kommt es oft zum Zusammenspiel von Hunden, Suchtrupps und Hubschrauber. Der mit einer Wärmebildkamera ausgerüstete Helikopter kann bei bestimmten Witterungsverhältnissen nicht fliegen oder keine Resultate liefern. Müssen größere Flächen abgesucht werden, kommen Hunde viel schneller voran als ein Suchtrupp. Die Polizei verfügt nicht über Suchhunde, nur über Spürhunde für Drogen, Waffen und Leichen. Das DRK bittet um Spenden, um die Ausbildung zu finanzieren. Auch geeignete Trainingsgelände werden gesucht. Näheres unter rettungshunde@drk-friedberg.de oder www.rettungshunde-drk-friedberg.de. (bk)

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