09. September 2018, 18:00 Uhr

Kasernen-Entwicklung

Neues Bürgerbündnis fordert 500 günstige Wohnungen

Die Bebauung der Kaserne lässt auf sich warten. Das neu gegründete Bündnis »WIR« fordert den Bau von mindestens 500 geförderten Wohnungen und die Beteiligung der Bürger an der Planung.
09. September 2018, 18:00 Uhr
Auch nach über zehn Jahren steht die Friedberger Kaserne leer. Die Stadt will hier vor allem Wohnungen bauen. Die müssen, fordert das Bündnis »WIR«, nicht nur auf dem neuesten technischen Stand sein, sondern auch bezahlbar. (Foto: Nici Merz)

Das Bündnis »WIR« fordert für die ehemalige Kaserne ein Planungskonzept, »das auf demokratische Bürger-Beteiligung setzt«. Grundlegende soziale und ökologische Standards sollten dabei berücksichtigt werden. Wie Brigitte Mergner, Horst Weitzel und Klaus Kissel in einer Pressemitteilung schreiben, gehe die Entwicklung der Kaserne in die nächste Runde, doch noch immer habe die Kommunalpolitik »keinerlei Ideen, in welche Richtung es gehen soll«.

Nach dem Willen der Politik soll in der Kaserne ein gemischt genutztes Stadtquartier entstehen. »Mehr Ideen haben die Kommunalpolitiker nicht vorzuweisen«, kommentieren die »WIR«-Sprecher. Nun solle mit der BOH (Bauland Offensive Hessen) zusammengearbeitet werden. Hierzu wird eine Machbarkeitsstudie benötigt. »Soweit war die Stadt Friedberg schon einmal bei der Preisermittlung durch die BIMA.«

Das Bürgerbündnis fordert die Stadt auf, »endlich aktiv zu werden und preisgünstigen Wohnraum zu schaffen«. Zwischenzeitlich sei in Friedberg eine Entwicklung eingetreten, die Wohnen für Geringverdienende, die untere Mittelschicht oder auch für Familien unbezahlbar mache und diese Zielgruppen ausgrenze. Eine Veränderung kann nach Ansicht des Bündnisses ausschließlich dadurch erfolgen, dass die »Verscherbelung« kommunalen Bodens an meistbietende Investoren gestoppt werde. »Der Boden muss in kommunaler Hand verbleiben, um Spekulationen zur Gewinnmaximierung zu verhindern. Die Stadt soll mit weiteren an der Stadtentwicklung Interessierten eine eigene Gesellschaft für die Planung und Gestaltung gründen, unter Beteiligung von Genossenschaften und ausgerichtet an gemeinschaftlichen Wohnformen. Mindestens 500 geförderte Wohnungen sind erforderlich. Dieser Bedarf ist seit Jahren in Friedberg bekannt.«

Modern, ökologisch, sozial

Die gesamte Infrastruktur, die Wohnungen sowie Gewerbe und öffentliche Einrichtungen sollen nach Ansicht von »WIR« unter neuesten ökologischen und sozialen Anforderungen geplant und umgesetzt werden. Das ist – neben der Beteiligung der Bürger – eine zentrale Forderung des Bündnisses. Nur durch eine frühe Beteiligung der Bürger könne verhindert werden, dass eine eigene Stadt am Rande der Stadt entstehe.

Andere Städte hätten Friedberg vorgemacht, wie man Kasernen entwickelt. Das Bündnis nennt hier die Stadt Hanau. Friedberg laufe Gefahr, »von einer modernen, ökologisch und sozial ausgerichteten Stadtentwicklung vollkommen abgehängt zu werden«. Spekulationen könne man nur verhindern, wenn die Kommune Grund und Boden in eigener Hand halte. »Das mag langwierig sein, aber es ist erfolgreich. Nur so kann auch der Wildwuchs beim Flächenverbrauch kontrolliert werden. Selbst in Millionenstädten wie Wien werden durch die öffentliche Förderung von Wohnraum preisgünstige Mieten angeboten.«

Mergner, Weitzel und Kissel sind sich sicher, dass ihre Vorstellungen »jede Menge Kritiker auf den Plan rufen«, dass die Ideen als »völlig unrealistisch« oder »nicht bezahlbar« abgetan würden. »Nur: Wohin haben uns all diese Bedenken gebracht? Viele Menschen werden begeistert sein, wenn sie ernsthaft ihre Stadt mitgestalten dürfen. Ein Weg, der es wert ist, endlich gegangen zu werden.«

Bürgermeister begrüßt Engagement

»Das Bündnis läuft mit seinen Forderungen bei uns in offene Türen«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Die Stadtverordnetenversammlung habe die Teilnahme an der Bauland Offensive Hessen (BOH) zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im Konversionsgelände beschlossen. Antkowiak: »Die Entwicklung selbst wird mit dem Stadtentwicklungskonzept ISEK kombiniert, so dass jeder Bürger in den entsprechenden ISEK-Gruppen mitarbeiten kann.« Eine »Verscherbelung« der Flächen werde es nicht geben, verspricht der Bürgermeister und ergänzt: »Die Stadtspitze hat erst kürzlich die Stadt Hanau und das dortige Konversionsgelände besucht und sich von den beteiligten Akteuren von ihren Erfahrungen berichten lassen.« Soll heißen: Es läuft.

 

Infobox

Bündnis "WIR"

Das neue Bündnis WIR ist ein Zusammenschluss von Bürgern, die bei der Stadtentwicklung nach eigener Aussage für eine neue Politik stehen. »Die Menschen müssen demokratisch an den Planungen beteiligt werden, um die Stadt mitzugestalten«, lautet das Credo. Das gelte für die Kaserne ebenso wie für Bahnhof und Innenstadt. Sprecher von »WIR« sind Brigitte Mergner, Horst Weitzel und Klaus Kissel. (jw)

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