18. März 2019, 11:11 Uhr

Hospiz

Nachbarn wollen geplantes Hospiz an der Bad Nauheimer Johanneskirche verhindern

Es kam, wie es kommen musste: Gegen die Pläne, an der Bad Nauheimer Johanneskirche ein stationäres Hospiz zu gründen, regt sich Widerstand der Anlieger. Eine BI soll gebildet werden.
18. März 2019, 11:11 Uhr

Von Bernd Klühs , 3 Kommentare
Anwohner wehren sich dagegen, die 1899 erbaute Johanneskirche durch zwei Hospiz-Neubauten zu »verunstalten«. Sie planen eine BI.

Seit Anfang März kursiert im Wohnviertel rund um die Bad Nauheimer Johanneskirche (Ecke Mondorfstraße/Auguste-Viktoria-Straße) ein Schreiben. Die Anwohner Christoph Ott und Dr. Alexander Kuhn wenden sich darin an die »lieben Nachbarn« und rufen zum Protest gegen das geplante stationäre Hospiz am Gotteshaus auf.

Das Konzept, das von Kreis, Stadt, evangelischer Kirchengemeinde und Gesellschaft für diakonische Einrichtungen (Darmstadt) entwickelt wurde, sieht vor, das Gotteshaus im Osten und Süden mit zwei zweigeschossigen, 20 und 30 Meter langen Neubauten einzurahmen. Das Ensemble soll Standort für ein Wetterauer Hospiz mit zwölf Pflegezimmern und allen notwendigen Nebenräumen werden.

 

Kritiker: Historisches Gotteshaus werde "verunstaltet"

Die beiden Männer aus der Mondorfstraße erhalten nach eigenen Angaben viel Unterstützung. Etwa eine Woche nach dem Start der Aktion, die in einer BI-Gründung münden soll, hätten 40 Familien aus der näheren Umgebung unterschrieben. »Damit leisten bereits jetzt etwa 100 Leute Widerstand. Viele haben uns dafür gedankt, die Initiative in dieser heiklen Sache ergriffen zu haben«, berichtet Christoph Ott. Er möchte auch in anderen Teilen der Kernstadt Unterschriften sammeln. Schließlich handele es sich bei der Kirche um ein denkmalgeschütztes, stadtbildprägendes Gebäude.

Damit nennt Ott einen von mehreren Punkten, die nach Auffassung der Anwohner gegen das Hospiz sprechen: Ein historisch wertvolles Gotteshaus werde »zugebaut« und »verunstaltet«. Doch in erster Linie geht es den Kritikern um den Verkehr, der deutlich zunehmen werde. »Unser Quartier wirkt ruhig und beschaulich, durch die tägliche Pendler-Parkplatzsuche sind wir aber schon sehr stark belastet«, sagt Ott.

 

Höhere Verkehrsbelastung befürchtet

Ein Hospiz werde von Beschäftigten, Krankenwagen, Ärzten, Besuchern und vielen anderen Personen angesteuert, die dort zu tun hätten. Weitere Argumente der Projektgegner: Die Parkplätze an der Kirche stünden der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung, Bäume müssten gefällt werden oder würden beschädigt (darunter die gut 100 Jahre alte »Friedenseiche«), die Neubauten seien zu groß geplant für das kleine Grundstück.

Grundsätzlich sei gegen ein Hospiz nichts einzuwenden, mitten in einem Wohngebiet sei es aber fehl am Platz – vor allem in dieser Größe. Er und seine Mitstreiter möchten die Einrichtung nicht an den Stadtrand verbannen, wollen sie vielmehr an eine Klinik oder ein Seniorenheim anbinden. »Dadurch ergäben sich Synergieeffekte.« Wie Ott vermutet, sei der Standort Johanneskirche auch gewählt worden, um die evangelische Kirche zu entlasten. »Die Kirchengemeinde will sich von einem unliebsamen Gebäude trennen, das hohe Unterhaltungskosten verursacht.«

 

Kreß sieht "Verhinderungskultur"

Nach ihrer Gründung wird die BI laut Ott alle denkbaren Wege nutzen, um das Hospiz an dieser Stelle zu verhindern oder den Bau zu verzögern. Einige Anwohner, die ihre Unterstützung zugesagt haben, dürften kampferprobt sein. Vor einigen Jahren wurde nämlich ganz in der Nähe, am Kaiserberg, ein Alten- und Pflegeheim verhindert. Investor Domus Real hatte dort zunächst vor, nicht nur Wohngebäude, sondern auch das Heim zu errichten. Sofort machten die Nachbarn dagegen Front, weshalb sich der Bauherr schließlich auf Wohnhäuser beschränkte.

Ob die BI das Hospiz stoppen kann, wird sich zeigen. Bürgermeister Klaus Kreß, der selbst Nachbar der Kirche ist und mit dem Ott und Kuhn gesprochen haben, hält nichts von der Kritik. »Ich habe Verständnis, wenn man sich gegen bestimmte Projekte wehrt, beim Hospiz ist das etwas beschämend.« Endlich habe die Stadt einen geeigneten Standort identifiziert.

Die Argumente der Anlieger teilt Kreß nicht, weder aus städtebaulicher Sicht noch in Sachen Verkehr oder Baumschutz. »Bei uns gibt es eine Verhinderungskultur ohne Hemmschwellen. Jedes mögliche Gegenargument wird zurate gezogen, um etwas zu blockieren«, meint der Bürgermeister. Offenbar möchte er dem Druck diesmal nicht weichen.

 

Info

Seit 20 Jahren wird geplant

In der Wetterau gibt es seit 20 Jahren Überlegungen, ein stationäres Hospiz zu gründen, in dem Schwerstkranke und Sterbende ihre letzten Lebenstage verbringen können. Bad Nauheim wird aufgrund seines Status als »Gesundheitsstadt« und seiner zentralen Lage als Standort favorisiert. Ein erster Ernst zu nehmender Versuch, in einem städtischen Gebäude ein Hospiz zu schaffen, war vor zehn Jahren an Finanzierungsfragen gescheitert. Seit geraumer Zeit unternehmen Stadt, Kreis, evangelische Gemeinde und Diakonie einen neuen Anlauf. Eine Entwurfsplanung für die Neubauten an der Johanneskirche liegt seit November 2017 vor. Die Finanzierung des fünfprozentigen Eigenanteils – rund 70 000 Euro pro Jahr – soll ein Förderverein übernehmen, der sich heute gründet.

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