20. März 2018, 15:00 Uhr

Vergewaltigung im Kurpark

Nach Vergewaltigung: »Eine Frau ist nirgendwo sicher«

Die Vergewaltigung am Sonntagmorgen im Bad Nauheimer Kurpark wirft die Frage auf, ob sich eine Frau sicher fühlen kann, wenn selbst mitten in der Stadt so etwas passiert.
20. März 2018, 15:00 Uhr
Im vergangenen Jahr haben sich 283 Frauen vom Frauennotruf Wetterau beraten lassen. Die Einrichtung kümmert sich um Frauen, denen Gewalt widerfahren ist. Schwerpunkte sind häusliche Gewalt und Vergewaltigung außerhalb der Partnerschaft. (Symbolfoto: dpa)

»Eine Frau ist nirgendwo sicher, das ist leider so. Es kann überall passieren. Aber es passiert mehr in den Räumen, wo Frauen denken, dass sie sicherer sind«, sagt Christa Mansky vom Frauennotruf Wetterau. Ob die Frau, die am Sonntagmorgen um 5.15 Uhr durch den Bad Nauheimer Kurpark ging, gedacht hat, dass sie sicher wäre, ist reine Spekulation. Sie war nicht sicher. Ein Mann überfiel sie von hinten, bedrohte die 59-Jährige, vergewaltigte sie.

»Das, was da passiert ist, trifft die Urängste aller Frauen«, sagt Christa Mansky. Im Dunklen und draußen alleine unterwegs gewesen und überfallen worden. Real betrachtet, sei das aber nicht die typische Situation: »Die eigene Wohnung ist gefährlicher als draußen«, das werde beispielsweise in Selbstverteidigungskursen für Frauen vermittelt.

 

Der Mythos vom Minirock

Und es sei tatsächlich so: Zu Hause oder in der Wohnung des späteren Täters sei das Risiko höher. Solche Taten geschähen also eher im privaten als im öffentlichen Raum, stellt Mansky klar und verweist auf eine statistische Auswertung aus den vergangenen zwei Jahren aus dem Hochwaldkrankenhaus.

+++ Lesen Sie auch: Möglichkeiten nach Vergewaltigung - Untersuchung und Spurensicherung

Der Gegensatz von der Unsicherheit da draußen und der Sicherheit hier drinnen scheint also ein Mythos zu sein. Gleiches gilt laut Mansky auch für das Alter der Opfer: »Es ist der Mythos, dass es im wesentlichen junge Frauen trifft,. die Attraktiven, die mit dem Minirock.« Die Realität sei eine andere: »Es sind die Frauen, die ›am leichtesten zu kriegen sind‹.« Sprich Frauen, die alkoholisiert sind, unter Drogen stehen, auch ältere Frauen, die sich nicht mehr wehren können – und eine ganz hohe Rate von Frauen mit Behinderungen. Oft kämen auch K.-o.-Tropfen zum, Einsatz. Nicht unbedingt nur in einer Disco, sondern auch in der Kneipe oder im privaten Rahmen. Seit Jahren ist der Frauennotruf mit einer Kampagne zu diesem Thema in Schulen und bei Vereinen unterwegs, warnt vor den Gefahren. »K.-o.-Tropfen sind im Wetteraukreis massiv unterwegs«, sagt Mansky.

Das, was da passiert ist, trifft die Urängste aller Frauen

Christa Mansky

Im vergangenen Jahr haben sich insgesamt 283 Frauen vom Frauennotruf Wetterau beraten lassen – teils telefonisch, teils persönlich. Die Einrichtung kümmere sich zum, Beispiel um Themen wie sexuelle Nötigung, Stalking, Ehrenmord – »eigentlich die ganze Palette von Gewalt gegen Frauen«, sagt Mansky. Schwerpunkte seien häusliche Gewalt in Form von Körperverletzung, Vergewaltigung und psychischer Gewalt –, außerdem Vergewaltigung außerhalb der Partnerschaft. Die Zahl der Frauen, die sich nach einer Vergewaltigung beim Frauennotruf Wetterau wegen einer Beratung melde, steige. Durch die medizinische Soforthilfe haben Frauen nach einer Vergewaltigung ganz andere Möglichkeiten als früher, sagt Mansky.

 

Schreien als Chance

Neben der Beratung und einer Untersuchung hat Mansky auch einen Rat für Frauen, wie sie in der Situation der Vergewaltigung selbst reagieren sollten: Wenn Frauen in der Lage seien, zu schreien und sich zu wehren, dann gebe es eine reale Chance, dass der Täter die Flucht ergreife. Die Expertin schränkt allerdings ein: Diese Chance gebe es dann, wenn die Vergewaltigung draußen begangen werde,

Was die Täter betrifft, so könne sie aus den Erfahrungen ihrer langjährigen Arbeit nicht bestätigen, dass Männer aus anderen Ländern grundsätzlich gewalttätiger seien als deutsche Männer. »Gewalt gegen Frauen passiert weltweit.« (Archivfoto: prw)

Info

Stand der Ermittlungen

Am Sonntagmorgen um 5.15 Uhr ist eine 59-jährige Frau im Bad Nauheimer Kurpark nahe eines kleinen Brunnens hinter den Kolonnaden vergewaltigt worden. Ein Zeuge wurde auf die Schreie der Frau aufmerksam, verfolgte den mutmaßlichen Täter, bekam ihn zwischenzeitlich zu fassen, konnte ihn aber nicht festhalten. Der flüchtige Mann wird als etwa 1,85 Meter groß, mit schwarzer Lederjacke und vermutlich dunkler Mütze beschrieben. Er soll dunkelhäutig sein und die Frau auf Englisch bedroht haben. Nach Angaben von Polizei-Pressesprecherin Sylvia Frech lagen am Dienstag noch keine weiteren Hinweise zum Täter vor. Ob eine nahe der Kolonnaden angebrachte Kamera die Ermittlungen weiterbringt, bleibt abzuwarten. Die Polizei müsse schauen, ob sie in Betracht komme oder ob sie etwas aufgezeichnet haben könnte. Hinweise an die Polizei unter Tel. 0 60 31/60 10. (agl)

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