17. Dezember 2018, 08:00 Uhr

21 Jahre nach der Tat

Mordfall Adem Bozkurt: BMW wird gesucht

Seit 2014 ermittelt die Kripo im mysteriösesten Mordfall der Nachkriegsgeschichte Bad Nauheims. Adem Bozkurt war 1997 getötet worden, 21 Jahre nach der Tat wird sein BMW gesucht.
17. Dezember 2018, 08:00 Uhr
Staatsanwalt Thomas Hauburger (l.) und Moderator Rudi Cerne stellen den Mordfall Bozkurt am 25. Juli in der Sendung »Aktenzeichen XY« vor. Die Hoffnung, die Täter mithilfe von Zuschauerhinweisen zu überführen, hat sich nicht erfüllt. (Archivfotos: hed/pob)

Der Tod des 45-jährigen Bad Nauheimers Adem Bozkurt war erst 2016 als Mord eingeordnet worden. Ende 2014 hatte die Staatsanwaltschaft einen Hinweis erhalten. Kripobeamte schauten sich daraufhin die dürftige Unfallakte vom April 1997 genau an. Sie entdeckten Ungereimtheiten, zweifelten an der Unfallversion. Der 45-Jährige war in der Nacht zum 8. April 1997 tot in seinem BMW gefunden worden. Das Auto war zwischen Bad Nauheim und Ober-Mörlen an einem Baum gelandet. Offenbar wollte Bozkurt zur Raststätte Wetterau, wo seine Firma die Toiletten reinigte. Die Polizei stufte die Sache als Unfall ein.

2015 stellten sich die Ermittler folgende Fragen: Warum befand sich Blut von Bozkurt auf der Windschutzscheibe, obwohl der Airbag ausgelöst hatte? Wieso war der Beifahrer-Airbag geöffnet, obwohl dort angeblich niemand gesessen hatte? Warum war der Fahrer gestorben, obwohl der BMW kaum Schäden aufwies?

 

Leichnam 2016 exhumiert

Nach langen Verhandlungen mit türkischen Kollegen wurde der in seinem Geburtsland bestattete Leichnam Bozkurts 2016 exhumiert. Eindeutiges Obduktionsergebnis: Er war per Genickschuss aus einer Kleinkaliberwaffe getötet worden. Die Staatsanwaltschaft hatte 1997 zwar keine Obduktion angeordnet, es gab aber eine Leichenschau. Dabei hatte der Arzt das Einschussloch nicht entdeckt.

Nachdem die tatsächliche Todesursache geklärt war, schienen Kripo Friedberg und Staatsanwaltschaft Gießen auf der richtigen Spur zu sein. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen, mussten aber mangels Beweisen wieder entlassen werden. Die These der Polizei: Bozkurt ist Opfer der Toiletten-Mafia geworden. Die Täter hätten mit allen Mitteln versucht, den Konkurrenten auszuschalten.

 

35 Hinweise nach ZDF-Sendung

»Wir gehen aufgrund der vorliegenden Zeugenaussagen aktuell weiterhin fest davon aus, dass hierin das Tatmotiv zu sehen ist. Eine alternative Tatmotivation ist derzeit nicht greifbar«, betont Thomas Hauburger, leitender Staatsanwalt in Sachen Bozkurt und Experte für ungeklärte Altfälle.

In der Nacht zum 8. April 1997 landet der BMW, gesteuert von Adem Bozkurt, an einem Baum. Die Polizei spricht von einem Unfall, von Mord ist erst 17 Jahre später die Rede.
In der Nacht zum 8. April 1997 landet der BMW, gesteuert von Adem Bozkurt, an einem Baum. ...

Große Hoffnung setzten Hauburger und die Familie des Ermordeten auf die ZDF-Sendung »Aktenzeichen XY« Ende Juli. Vor, während und nach der Ausstrahlung gingen 35 Hinweise ein, vier schienen erfolgversprechend. Alle Hinweise sind inzwischen abgearbeitet, es kam zu Vernehmungen. »Es gibt Verdachtsmomente gegen mehrere Personen, die bislang aber keine Festnahme rechtfertigen«, sagt Hauburger.

 

Ermittlungen können noch lange dauern

Die Frage, ob es sich um dieselben drei Männer handelt, die sich schon früher im Fadenkreuz der Ermittler befanden, möchte der Staatsanwalt nicht beantworten. Auch zu einem Bad Nauheimer, der nach WZ-Informationen von türkischstämmigen Bürgern als möglicher Täter genannt wird, äußert sich Hauburger nicht. Tugba Bozkurt, die Tochter des Mordopfers, kennt den Verdacht: »Ja klar, das ist mir bekannt. Der Mann wurde öffentlich als Mörder beschuldigt. Ihm ist aber offenbar nichts nachzuweisen.«

In den Monaten seit der ZDF-Sendung sind keine neuen Hinweise eingegangen. Wird die Akte Bozkurt bald geschlossen? Im Gegenteil, Hauburger zufolge könnten die Ermittlungen lange dauern. Dabei geht es vor allem um zwei Ansätze. Die Suche nach den Tätern ist schwierig, weil Spuren fehlen. Deshalb will die Kripo 21 Jahre nach der Bluttat den BMW Bozkurts oder Reste davon finden.

 

Familie des Mordopfers optimistisch

Der leicht beschädigte Wagen war damals bei einem Bad Nauheimer Abschleppdienst gelandet. Was danach mit dem BMW geschah, möchte die Polizei klären – auch im Ausland. Sollte das Auto tatsächlich noch nicht in einer Schrottpresse gelandet sein? Zudem sind ergänzende Gutachten in Arbeit, um mehr über den Tatwaffen-Typ zu erfahren. Hauburger: »Die Strafverfolgungsbehörden lassen nichts unversucht, diesen schwierigen Altfall doch noch aufzuklären.«

Auch Tugba Bozkurt bleibt optimistisch, dass die Mörder ihres Vaters gefunden werden. »Vonseiten der Staatsanwaltschaft hieß es, sie sei auf einem guten Weg.« Details will sie nicht verraten. Der Anwalt von Tugba Bozkurt wird Akteneinsicht verlangen, sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind. »Ich habe weiter große Hoffnung. Einer der Tatbeteiligten müsste sich melden und für Klarheit sorgen.«

Info

Cold Cases: Regelmäßige Prüfung

Der Mord an Adem Bozkurt gehört zu den Cold Cases, den unaufgeklärten Altfällen. Handelt es sich um ein Kapitaldelikt, wird der Fall laut Staatsanwalt Thomas Hauburger immer mal wieder einer Überprüfung unterzogen. »Die Akten werden nochmals einer kritischen Überprüfung zugeführt, und es wird nach neuen Ermittlungsansätzen geforscht.« Helfen könnten der Polizei neue Hinweise oder neue Untersuchungsmethoden. Im Mordfall Bozkurt laufen die ersten Ermittlungen seit vier Jahren. Eine vorläufige Einstellung ist nicht absehbar. Bekanntester Cold Case in Bad Nauheim ist die Brandstiftung in der Gustav-Kayser-Straße 14. Dem Feuer in dem Mehrfamilienhaus fielen am 24. Mai 1986 neun junge Menschen zum Opfer. Der Täter hatte im Treppenhaus Benzin ausgeschüttet und entzündet. Die Suche nach dem Schuldigen verlief ergebnislos. Immer wieder hat die Kripo versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Medien berichteten alle paar Jahre. So brachte das HR-Fernsehen 2014 zwei Beiträge über den Fall. Anlässlich des 25. Jahrestags 2011 und des 30. Jahrestags 2016 wurde ebenfalls berichtet. (bk)

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