10. Januar 2018, 11:00 Uhr

Polizeidirektor im Interview

Marktplatz Bad Nauheim: Videoüberwachung kommt im Frühjahr

24 Stunden, sieben Tage die Woche soll der Bad Nauheimer Marktplatz videoüberwacht werden. Ralph-Dieter Brede, Direktor der Wetterauer Polizei, verspricht sich viel davon.
10. Januar 2018, 11:00 Uhr
Der Bad Nauheimer Marktplatz soll videoüberwacht werden. Laut Ralph-Dieter Brede, Direktor der Wetterauer Polizei, sollen sogenannte Dome-Kameras genutzt werden. Brede rechnet mit einem Start der Videoüberwachung im Frühjahr. (Symbolfoto: dpa)

Vor Monaten wurde beschlossen, dass der Bad Nauheimer Marktplatz videoüberwacht werden soll. Wann geht es los?

Ralph-Dieter Brede : Meines Wissens nach liegen alle Genehmigungen vor, jetzt müssen noch DSL-Leitungen gezogen werden. Dafür ist die Stadt zuständig. Geplant sind sechs Kameras, die den Marktplatz komplett erfassen sollen. Wir werden wahrscheinlich im Frühjahr starten können.

Werden die Kameras etwas bringen?

Brede : Ich verspreche mir einen deutlichen Sicherheitsgewinn. Wir bekommen häufig Anrufe, etwa wenn es zu Lärmbelästigungen auf dem Marktplatz kommt. Ich bin davon überzeugt, dass wir den Einsatz der Polizeikräfte sinnvoller gestalten können, wenn die Videoüberwachung da ist. Das wird ausgeschildert, bekommt so auch einen präventiven Charakter.

Ich verspreche mir einen deutlichen Sicherheitsgewinn

Polizeidirektor Brede

Werden die Kameras 24 Stunden pro Tag laufen?

Brede : Ja. Die Qualität der Bilder ist hervorragend, und es gibt zudem eine Reihe technischer Möglichkeiten. Die Kameras lassen sich schwenken und man kann mit ihnen zoomen. Die Kamerabilder werden auf Monitore in der Polizeiwache in Friedberg übertragen, die rund um die Uhr besetzt ist.

Die Friedberger Altstadt gilt als sozialer Brennpunkt. Was tut die Polizei dort für die Sicherheit?

Brede : Die Fallzahlen in der Altstadt sind rückläufig, aus polizeilicher Sicht ist dort kein Brennpunkt. Wir bestreifen das Gebiet regelmäßig und arbeiten eng mit der Stadt zusammen.

Ralph-Dieter Brede ist seit Mai 2016 Direktor der Wetterauer Polizei.
Ralph-Dieter Brede ist seit Mai 2016 Direktor der Wetterauer Polizei.

Vor der Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Büdingen haben viele Bürger Bedenken geäußert. Der Ruf nach einer Verstärkung der Polizeidienststelle wurde laut. War das nötig?

Brede : Die Anzahl der Menschen, die in der Einrichtung leben, hat sich deutlich reduziert. Zu Hochzeiten waren 800 Flüchtlinge dort untergebracht, jetzt sind es etwa 200. Wir haben bei der Eröffnung eine kleinere Personalzuweisung bekommen. Diese hat sich inzwischen relativiert, der befürchtete Brennpunkt hat sich nicht abgezeichnet. Wir haben vor Ort noch immer Verstärkung aus Gießen. Die Streife der Wachpolizei ist rund um die Einrichtung im Einsatz, kann sofort reagieren. Das trägt zur Sicherheit bei und kommt bei der Bevölkerung sehr gut an.

“ Mein Appell: Lieber einmal mehr bei der Polizei anrufen, als einmal zu wenig

Polizeidirektor Brede

Die Wetterau gerät immer wieder ins Visier von Einbrechern. Kürzlich meldete die Polizei elf Einbrüche an einem Wochenende. Was unternimmt die Polizei dagegen?

Brede : Der Anteil der gescheiterten Wohnungseinbrüche lag 2017 bei 44 Prozent. Unsere Präventionsarbeit scheint zu fruchten. Der Wohnungseinbruch ist ein besonderes Delikt. Die Täter legen es darauf an, dem Opfer nicht zu begegnen. Dadurch hat die Polizei weniger Ermittlungsansätze und die Aufklärungsquote kann daher nie so hoch sein wie etwa bei Kapitaldelikten. Nach einem Einbruch leiten wir sofort die Fahndung ein. Eine Streife fährt los, wir befragen die Nachbarn. Es wird einiges getan.

Die hessische Polizei geht neue Wege, arbeitet seit Kurzem hinsichtlich der Einbruchsbekämpfung mit einem speziellen Computerprogramm. Wie funktioniert das?

Brede : Das Programm zeigt uns auf einer Karte einbruchsgefährdete Gebiete. Zurückliegende Taten, Tatorte, Häufigkeiten, Infrastruktur und Verkehrsanbindung werden dabei in Bezug gesetzt. Ziel ist, dieses Programm als Prognoseinstrument nutzen zu können, um Wohnungseinbrüche durch einen gezielten Einsatz der Kollegen zu verhindern und Täter auf frischer Tat zu ertappen – ein bisschen wie beim Blick in die Kristallkugel.

Wo sind in der Wetterau Einbruchsschwerpunkte?

Brede : Entlang der Autobahn und Bundesstraßen und dort, wo die S-Bahn hält, sind Häufungen festzustellen. In Neubaugebieten gibt es mehr Einbrüche als in gewachsenen Wohngebieten. Das liegt daran, dass die Menschen, die in den Neubaugebieten leben, in der Regel arbeiten – denn das Haus muss ja abbezahlt werden. Auch sind dort die nachbarschaftlichen Verbindungen noch nicht so gewachsen. Wir leben aber davon, dass wir von Zeugen angerufen werden, etwa wenn ein Fremder auf einem Grundstück herumläuft. Daher mein Appell: Lieber einmal mehr bei der Polizei anrufen, als einmal zu wenig.

Schockanrufe, Enkeltrick, falsche Spendensammler – Betrüger sind erfinderisch. Vor welcher Masche müssen sich die Wetterauer aktuell besonders in Acht nehmen?

Brede : Zum Jahresende hatten wir eine auffällige Häufung von Anrufen falscher Polizeibeamter (Anm. d. Red.: Trickbetrüger geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus, die Schmuck und Geld des Angerufenen verwahren wollen, da angeblich Einbrecher ihr Unwesen treiben). Die meisten Anrufer sind allerdings abgewimmelt worden.

Die Polizei in Bund und Land soll massiv aufgestockt werden. Wird die Wetterauer Polizei davon profitieren?

Brede : Ja, wir werden eine spürbare Verstärkung des Personals bekommen. Ich begrüße das natürlich, weil ich dadurch den Bürgern einen besseren Service bieten kann.

Polizeibeamte werden immer öfter angegriffen. Auch in der Wetterau?

Brede: In der Vergangenheit ist es immer wieder zu Respektlosigkeiten gekommen. Es gibt vermehrt Anzeigen von den Kollegen, die Opfer von Beleidigungen oder Körperverletzungen geworden sind. Das Thema steht sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Es ist gut, dass es eine Gesetzesinitiative gab, die eine höhere Strafe in Aussicht stellt. Das ist ein klares Signal an die Bevölkerung.

Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Ersthelfer, müssen sich Polizisten schützend vor Ärzte und Feuerwehrleute stellen. Gab es so etwas schon hierzulande?

Brede: Mir ist zum Glück bislang kein solcher Fall bekannt.

Info

Ralph-Dieter Brede

Ralph-Dieter Brede ist seit Mai 2016 Direktor der Wetterauer Polizei. Zuvor war er viereinhalb Jahre Chef der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf. Auch leitete er kommissarisch für ein Jahr die Polizeidirektion Lahn-Dill. Gebürtig stammt der 59-Jährige aus Fulda, dort hat er auch Abitur gemacht. Danach ging er zur Polizei. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er im Mittleren Dienst in Bad Homburg, war dort als Ermittler im Einsatz. Brede lebt in Friedrichsdorf, er ist verheiratet. (lk)

 

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