25. August 2017, 20:42 Uhr

Mahler trifft Elvis

25. August 2017, 20:42 Uhr
Geschafft: Nach einem fulminanten Programm applaudieren die Zuhörer für das Orchester. (Foto: emh)

Ein gewaltiger Ü-Wagen des Deutschlandfunks beherrschte den Platz vor dem Alten Hallenbad in der Haagstraße. Schon am Tag zuvor begannen innen die letzten Proben für die Aufführung Gustav Mahlers Sinfonie »Das Lied von der Erde«. Unter Leitung des international renommierten Dirigenten Christoph Spering studierten »Das Neue Orchester« und die Gesangssolisten Anke Vondung (Mezzosopran) und Tenor Corby Welch bis jeweils in die Nacht hinein das Werk ein. Wie ein so anspruchsvolles und hochkarätig besetztes Konzert nach Friedberg kommt, erklärte der für die »Grundton D«-Reihe zuständige Radio-Redakteur Jochen Hubmacher dem voll besetzten Haus. Der Deutschlandfunk sei mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz – und diese mit dem alten Hallenbad – seit Jahren verbunden. Mit Benefizkonzerten würden Kümmerer und Initiativen zur Erhaltung und Weiterentwicklung von Denkmälern seit 1990 unterstützt. »Bereits in über 270 Grundton D-Konzerten erklang bisher musikalische Hilfe für ungewöhnliche Baudenkmale. Wir wollen mit großartiger Musik die Menschen für solche Klangräume begeistern«. Das D der Konzertreihe stehe für »Dank« an den Deutschlandfunk, die Deutsche Stiftung und die Partner vor Ort.

Friedberg sei im Übrigen der einzige Ort, an dem man gleichzeitig Elvis und Mahler hören« könne, sagte er in Anspielung auf die Elvis-Tribute-Show im Hof des benachbarten Wetteraumuseums. Eine weitere Verbindung bestehe darin, dass Mahler an seinem Werk zur gleichen Zeit »gebaut habe«, wie die Friedberger an ihrem Hallenbad. »Beide Werke aus dem Jahr 1909 atmen den Geist jener Zeit«.

Das Lied von der Erde werde hier, nicht in der Originalbesetzung mit 70 Musikern gespielt, sondern in einer kammermusikalischen Transkription mit 14 Solisten. »Das Neue Orchester« und sein Dirigent seien mit nationalen und europäischen Preisen ausgezeichnet worden, darunter auch mit dem bekannten Echo-Klassik Preis. Dirigent Christoph Spering gab eine Einführung in die Entstehungsgeschichte des Werks.

Traumhaft sicher

Hochkonzentriert und traumhaft sicher zeigten sich Instrumentalisten und der amerikanische Tenor Corby Welch, der seit 2003 zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein gehört und auch bei internationalen Auftritten sein breites Repertoire und die strahlkräftige Stimme zur Geltung bringen konnte. Die geforderte Zartheit in den hohen Passagen und dann wieder konträre Burschikosität meistert er souverän und bleibt gut verständlich.

Im zweiten, langsamen Satz »Der Einsame im Herbst« kommt Anke Vondung erstmals zum Einsatz und kann sogleich ihren großen Tonumfang unter Beweis stellen.

Der finale, fast halbstündige Satz »Der Abschied« zeugt erneut von Hoffnung und Aufgabe. Der ersehnte Freund kommt schließlich, nur, um für immer fortzugehen.

Der zögerlich einsetzende Beifall des voll besetzten Hauses entwickelte sich zu einer euphorischen Begeisterung, die erst nach der vierten Rückkehr von Dirigent und Orchester nachließ. Der Vorsitzende des Hallenbadvereins, Ulrich Lang, sagte danach, mit dieser brillanten Aufführung habe das alte Hallenbad den Ritterschlag als Konzertlocation erhalten.

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