05. Februar 2019, 09:15 Uhr

Erneut Lkw-Kontrollen

Lkw-Kontrollen in der Wetterau – Fahrer mit 1,9 Promille

Die Hessische Polizei hat erneut Lkw-Fahrer auf den Wetterauer Raststätten kontrolliert. Nicht alle durften weiterfahren.
05. Februar 2019, 09:15 Uhr
Kontrolle auf der Autobahnraststätte Wetterau: Die Fahrer müssen ins Röhrchen pusten, bei den meisten zeigt der Test nur einen geringen Alkoholwert an. (Fotos: dpa/sax)

Der Kampf gegen Alkohol am Steuer geht weiter. Nach einer groß angelegten sonntäglichen Kontrolle auf Raststätten hat die hessische Polizei eine Woche später erneut Lkw-Fahrer ins Röhrchen blasen lassen. Auf den beiden Wetterauer Raststätten wurden rund 130 Personen überprüft. 15 Fahrer standen unter Alkoholeinfluss, fünf davon hatten über 0,5 Promille. Sie durften nicht weiterfahren. Der Spitzenwert von 1,92 Promille wurde bei einem litauischen Fahrer gemessen. Seine Fahrt endete, bevor sie weitergehen konnte. Sein Lkw wurde mit einer Parkkralle lahmgelegt.

Die Raststätte Wetterau Ost ist bis auf die letzte Ecke zugeparkt. Vor allem Fahrer aus Osteuropa, aber auch Italiener und Portugiesen verbrachten wegen des Sonntagsfahrverbots das Wochenende auf dem Parkplatz. »Die Jungs haben das Pech, dass sie in ihren Fahrerhäusern leben«, erklärt Polizeipressesprecher Guido Rehr, warum deutsche Fahrer bei den Kontrollen weniger auffallen. »Die gucken um die Zeit zu Hause ›Tatort‹, bevor sie sich in den Lkw setzen und losfahren.«

Ab 22 Uhr dürfen die Lkw auf die Autobahn, vorher suchen die Fahrer noch etwas Ruhe. Die Vorhänge an den Führerhäusern sind zugezogen, doch die Fahrer werden durch lautes Klopfen aufgeschreckt. Polizeikontrolle. Beamten verlangen die Papiere. Obwohl sich viele schon hingelegt hatten, reagieren die Fahrer erstaunlich gelassen.

 

Fünf Fahrer mit über 1 Promille

Das seien raue Jungs, aber vor allem normale Arbeiter, sagt ein Polizist. Konflikte gebe es nur selten. »Das einzige Problem ist die Sprachbarriere.« Deutsch verstehen die meisten nur in Grundzügen, sprechen können sie unsere Sprache kaum. Die Englischkenntnisse sind ebenfalls auf wenige Worte beschränkt. Meistens verständige man sich mit Händen und Füßen, sagt Rehr. Die Fahrer seine meist kooperativ und wüssten, was los ist, wenn’s am Führerhaus klopft.

»Prroblemm?«, fragt der Fahrer eines Kleintransporters aus der Ukraine. »Kein Problem«, beruhigt der Polizist. Wie viele vor ihm erklärt der Ukrainer, dass er keinen Alkohol getrunken habe. Das Messgerät bestätigt seine Aussage: 0,0 Promille.

Nur wenige Fahrer fallen in dieser Nacht durch höhere Promillewerte auf. Bei fünfen liegen die Werte über einem Promille. Ein Ungar mit 1,16 Promille hat Fahrzeugteile für ein Automobilwerk geladen. Er behauptet, er wolle erst am Montagabend weiterfahren. Die Zeit reiche aus, um den Alkohol abzubauen. Danach sei er wieder nüchtern. »Ob wir das glauben sollen?«, überlegt Polizeioberkommissar Alexander Schneider und beschließt, mit einer Parkkralle die Weiterfahrt des Lkw zu verhindern. »So wissen wir’s.« Wenn der Fahrer meine, er sei wieder fahrtüchtig, könne er die Parkkralle von der Autobahnpolizei entfernen lassen.

 

Hohe Werte gemessen

Mit den 1,16 Promille hat der Ungar in dieser Nacht die höchste Alkoholkonzentration auf der Raststätte Wetterau Ost. Auf der Gegenseite fallen deutlich mehr Fahrer mit hohen Werten auf. Von 43 auf der Raststätte Wetterau West kontrollierten Fahrern wurden bei einem 1,3, bei zwei Fahrern 1,4 und bei einem Litauer 1,92 Promille gemessen. »Bei solchen Werten muss man davon ausgehen, dass er Alkoholkonsum gewöhnt ist«, sagt Polizeipressesprecherin Sylvia Frech.

»Die Fahrer unterschätzen, wie lange es braucht, bis Alkohol abgebaut ist«, sagt Frech. Um etwa 0,1 bis 0,2 Promille reduziert sich die Blutalkoholkonzentration pro Stunde. Demnach dürfte der Litauer, dessen Lkw ebenfalls mit einer Parkkralle gesichert wurde, erst 14 Stunden nach der Kontrolle wieder am Verkehr teilnehmen.

Wiederholt war in den letzten Monaten bei Lkw-Fahrern nach schweren Unfällen Alkohol im Blut festgestellt worden, erklärt Rehr den Anlass für die Kontrollen. Die Polizei will dies weiter aufmerksam beobachten. Letztlich könne nur eine politische Lösung verhindern, dass Lkw-Fahrer sich alkoholisiert ans Steuer setzen, sagt Frech. Nötig sei dafür eine Sperre, die das Fahren des Lkw erst nach einem Alkoholtest ermöglicht.

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