07. Februar 2018, 19:23 Uhr

Liebe in Zeiten des Krieges

07. Februar 2018, 19:23 Uhr
GRE
Fritz nennt seine Hedwig »innigstgeliebte Hedimaus«, Hedwig nennt ihren Fritz »mein Bubilein« oder »mein Liebster«. Viele Briefe schreiben beide zwischen 1942 und 1944. Sie lebt in Wiesbaden, er ist in Leningrad an der Front. (Fotos: gre)

Großes Interesse fand die szenische Lesung »Die Kaltmamsell und der Koch« im Theater Altes Hallenbad. Vorwiegend älteres Publikum hatte sich eingefunden, um sich von einer Liebesgeschichte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges berühren zu lassen.

60 Jahre lang ruhten 80 Feldpostbriefe unentdeckt im Haus der verstorbenen Tante Uta Eckhardts, bevor sie im Jahr 2005 von ihr und ihren Cousinen gefunden, gelesen, geordnet und um Fotos sowie künstlerische Skizzen von Marie Gouil ergänzt wurden. Diese Briefe gingen in den Jahren 1942 bis 1944 zwischen Leningrad und Wiesbaden hin und her. Aus diesem Fundus ließen die beiden Schauspieler Uta Eckhardt und Rolf Birkholz von der »Theatercompagnie Die Tagträumer« die Liebesgeschichte der Wiesbadener »Kaltmamsell« Hedwig und des in Leningrad sitzenden Kochs Fritz Winkler auferstehen. Dabei lasen die Schauspieler teils wechselseitig, teils parallel. Das Publikum erlebte auf diese Weise die Stimme des Schreibenden und gleichzeitig den Leser des Briefes. Eine schöne Idee, die für intensive Momente sorgte.

Hedwig ist besorgt

Am Klavier begleitete Georg Klemp. Während der Lesung wurden auf der Leinwand Fotos der Protagonisten sowie eigens gestaltete Skizzen der Künstlerin Marie Gouil (Kaiserslautern) eingeblendet.

Fritz nennt seine Hedwig »innigstgeliebte Hedimaus« oder »meine liebe kleine Hedifrau«, Hedwig nennt ihren Fritz »mein Bubilein« oder »mein Liebster«. Aus den Briefen erfahren die Zuhörer von den Hochzeitsvorbereitungen, von der Freude auf die Hochzeit und die gemeinsame Zeit, die sie für sich allein haben werden.

Aber die Liebenden teilen sich auch ihre Sorgen, Hoffnungen, Sehnsüchte und auch die bangen Zweifel mit, versichern sich ihrer Liebe in dieser schweren Zeit. Beide träumen vom Frieden, den sie doch nie gemeinsam werden erleben dürfen.

Im Herbst 1943 kommt Fritz Winkler auf Heimaturlaub aus Leningrad. Das Paar heiratet am 2. November im Standesamt Wiesbaden. Doch schon zwei Wochen später muss Fritz wieder zurück nach Russland, wo er nach einer langen Reise von vier Wochen wieder bei seinem »Haufen« ankommt. Ende 1943 werden die Briefe von Fritz zusehends bitterer. Die allgemeine Versorgungslage ist schlecht, man schießt auch schon einmal Krähen, die statt Hühnern im Kochgeschirr landen. Schnee und Kälte und die »Stalinhasen« machen den Soldaten zu schaffen, und die schweren Kämpfe rücken immer näher. Auch Angst vor dem bevorstehenden Kriegsende macht sich breit. Hedwig ist sehr besorgt. Sie schreibt Brief um Brief, ohne Antwort zu erhalten. In ihrem letzten Brief, datiert vom 17. Februar 1944, macht sie sich dennoch Mut, glaubt standhaft an einen guten Ausgang in der »Hoffnung im festen Vertrauen dem Schicksal gegenüber.« Ihre Hoffnung sollte sich nicht erfüllen. Ende Februar 1944 kommen zwölf Briefe ungeöffnet aus Leningrad zurück. Fritz hat sie nicht mehr lesen können – sie sind nicht mehr beim Empfänger angekommen. Als seine Frau Hedwig sie verschickte, war er bereits tot – 1944 gefallen an der Front.

Dieses Schicksal ist ein berührendes Zeitzeugnis und steht beispielhaft für unzählige Schicksale in einer unseligen Zeit, die vielen der Zuhörer aus ihren Familien bekannt sein dürfte. Es war ein Rückblick durchs »Schlüssselloch« in eine Vergangenheit, deren Wiederholung sich niemand wünscht.

Wegen des großen Interesses an dieser in Feldpostbriefen festgehaltenen Kriegsliebe wurden diese Briefe mit den Skizzen von Marie Gouil als Buch von Ursula Simgen-Buch im medu-Verlag herausgegeben.

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