Pilotprojekt

Leise und messerscharf: Mähroboter soll Bauhof entlasten

»Unser neuer streikfreier Mitarbeiter ist Tag und Nacht unterwegs«, scherzt Echzells Bauhofchef Martin Lösche. Leise surrend nähert sich der Neue über den Fußballplatz an der Horlofftalhalle.
13. Juni 2018, 11:00 Uhr
Der Mähroboter braucht 10 bis 14 Stunden, um das Gras des Echzeller Sportplatzes zu stutzen. (Foto: Nici Merz)

Etwa 10 bis 14 Stunden ist Roboter »Etesia« unterwegs, um den rund 7500 Quadratmeter großen Fußballplatz in Echzell zu mähen. Ein klares Konzept hat er nicht, er fährt hin und her, wie es gerade kommt. Das chaotische System ist gewollt. »So wird das Gras von verschiedenen Seiten geschnitten und bekommt den Impuls zu wachsen«, erklärt Andreas Zeller.

Zeller, der sich selbst als Rasenfachidiot bezeichnet, wurde von der Gemeinde für das Mähroboterprojekt engagiert. Zellers Firma, ein Familienbetrieb mit Sitz in Leun, ist spezialisiert auf die Pflege und Sanierung von Naturrasenplätzen. Noch ist das Geschäft nicht in trockenen Tüchern, ist der rund 15 000 Euro teure Mähroboter – ein französisches Fabrikat – nicht gekauft. »Der Gemeindevorstand hat beschlossen, sich das vorher eine Saison anzugucken«, sagt Bauhofchef Martin Lösche. Läuft es gut, ist die Anschaffung geplant.

 

Angeblich keine Gefahr für Schuhe und Füße

 

Nicht nur das Gerät kostet, sondern auch die Installation: Um den zu mähenden Bereich muss ein Induktionskabel gezogen werden, dadurch bekommt der Roboter Impulse und weiß, wo er fahren darf und wo nicht. Ein Sensor am Mäher erkennt laut Zeller zudem Hindernisse. »Sobald jemand in die Nähe des Roboters kommt, bleiben er und die Messer stehen«, versichert Lösche. Schuhe und Füße sind also nicht gefährdet.

Hintergrund des Pilotprojekts sind laut Lösche Probleme in der Vergangenheit. »Der Bauhof ist mit dem Mähen nicht hinterhergekommen.« Die Folge: Diskrepanzen mit Vereinen. Damit soll nun Schluss sein.

 

Keine Chance für Unkraut

 

Durch das tägliche Mähen und Mulchen – der Roboter schneidet fünf Millimeter Gras ab, lässt es an Ort und Stelle liegen – werden laut Zeller die Düngung und bis zu 25 Prozent Wasser gespart. Ein weiterer Vorteil: »Das Gras wird immer kurzgehalten, Unkraut hat nur wenig Möglichkeit, hochzukommen.« Ein Mähroboter verbrauche etwa 800 Kilowattstunden Strom pro Jahr. »Ein Großflächenmäher bräuchte pro Mähgang etwa 20 Liter Diesel«, vergleicht Zeller.

Laut ihm wird der Bauhof durch den Roboter entlastet. Pro Woche würden rund vier Stunden Arbeitszeit eingespart. Angst, dass die Anschaffung des Roboters zur Abschaffung einer Arbeitsstelle führen könnte, scheinen die Projektbeteiligten nicht zu haben. Lösche sagt: »Wir haben noch genug zu tun«, schließlich müsse auch der Rasen von Kindergärten, auf Spielplätzen, Friedhöfen und mehr gemäht werden.

 

GPS soll Diebstahl verhindern

 

Noch gibt es kleinere Probleme im Handling des Geräts: Der Roboter fährt nicht ganz gerade, der Antrieb muss nachjustiert werden. Außerdem startet die Maschine nicht von alleine. Schuld sei ein Programmier-Fehler. Ein Mitarbeiter der Hersteller-Firma will sich darum kümmern.

Zeller, der auch für die Bewässerung und Pflege des Echzeller Sportplatzes zuständig ist, berichtet, viele seiner Kunden hätten Angst, dass der Mähroboter gestohlen werde. Eine unnötige Sorge: Ein GPS-Tracker sei als Diebstahlschutz integriert. Lösche bekommt außerdem bei Problemen – etwa wenn der Mäher stehen bleibt – eine Nachricht auf das Handy, kann dort auch die Position des Geräts jederzeit nachverfolgen.

 

Verein muss Netze einholen

 

Die Sportler, die den Platz nutzen, müssen künftig die Netze der Tore hochhängen, sonst werden sie von den rasiermesserscharfen Klingen der fünf Teller des Mähroboters zerfetzt, berichtet Zeller. Auch dürfe kein Müll auf dem Rasen liegen gelassen werden. Aktuell finden Gespräche zwischen der Gemeinde und dem SV Echzell hinsichtlich weiterer Pflegemaßnahmen statt, am Ende könnte eine Art Wartungsvertrag stehen.

Zeller rechnet damit, dass noch viele Kommunen in Mähroboter investieren werden. Es gelte, etwas Zeit mitzubringen, denn aktuell sei der Markt so gut wie leergefegt.

Info

Unfälle durch Rasenroboter

Kleinere Mähroboter sind inzwischen in vielen Hausgärten unterwegs. Laut Tierschützern stellen die fast geräuschlos arbeitenden Maschinen für viele Tiere und Insekten jedoch eine Gefahr dar. Etwa, weil Gartenbesitzer die Roboter nachts unbeaufsichtigt laufen lassen. Igel rollen sich bei Gefahr zusammen, statt zu fliehen, und geraten so immer wieder in die Messer der Mäher. Stiftung Warentest hatte 2014 bei einem Mährobotertest die Sicherheit der Geräte bemängelt. Keine der überprüften Maschinen war in dieser Hinsicht besser als befriedigend. Ein Mähroboter reagierte so spät auf ein Hindernis, dass er ein Stück am Bein eines Kindes hochfahren und verletzen könnte. Gefahrenpotenzial für Mensch und Igel sehen die Verantwortlichen in Echzell bei ihrem Mäher nicht, er stoppe rechtzeitig, versichern sie. (lk/bf)

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