14. Dezember 2018, 20:38 Uhr

Legende vom heiligen Trinker

14. Dezember 2018, 20:38 Uhr
Die Mitglieder des Literaturtreffs haben sich in vielfältiger Weise mit innerer und äußerer Emigration auseinandergesetzt. (Foto: pv)

Mit einem anrührenden und bewegenden Literaturabend beendete der Karbener Literaturtreff sein diesjähriges Literaturprogramm. Der Abend stand unter dem Thema »Innere und äußere Emigration: Ernst Wiechert und Joseph Roth«. Die musikalische Begleitung hatten Nicola Piesch, Gesang, und Dieter Wierz, Piano, übernommen. Der neue 1. Vorsitzende Dieter Körber, der seine Wahl in humorvoller Weise kolportiert hatte, begrüßte die Gäste und führte in das Thema ein.

Körber führte aus, dass der Begriff »innere Emigration« bereits 1930 gebräuchlich war und keinesfalls ein nach 1945 aufgekommener Rechtfertigungsbegriff.

Die Akteure des Abends hatten als aussagekräftige Beispiele für die beiden Emigrationsformen den österreichischen Autor Joseph Roth fürs Exil und Ernst Wiechert für die innere Emigration gewählt. Das Abendprogramm war in zwei Teilen gestaltet der erste Programmteil vor der Pause behandelte Joseph Roth den Dieter Körber vorstellte. Der zweite Programmteil nach der Pause war Ernst Wiechert gewidmet, den Robert Axt vorstellte. Joseph Roth war ein kompromissloser Hasser der Nazis und sah bereits 1933 fast seherisch den großen Krieg und den Untergang Europas voraus.

Ganz anders Ernst Wiechert, der vor 1933 eine kurze Phase der Bejahung von Blut-und-Boden-Ideologien und nationalistischem Gedankengut durchlebte, hat nach 1933 eine, die Nazi-Ideologie kritisch sehende, Haltung eingenommen und mit seiner »Rede an die Deutsche Jugend« 1935 hat er sich deutlich distanziert und wurde bald von den Machthabern mit Misstrauen beobachtet. Er versuchte sich in eine Innerlichkeit zurückzuziehen. Fiel in Ungnade und landete 1938 im Konzentrationslager Buchenwald, was er überlebte. 1947 übersiedelte er als freier Schriftsteller in die Schweiz.

Am 24. August 1950 erlag er im Alter von 63 Jahren einem Krebsleiden, wie Robert Axt erläuterte.

Nach einer kurzen Einführung in Roths Biografie von Dieter Körber widmet sich Hans-Martin Thomas Roths früher Erzählung »Der Vorzugsschüler« von 1916.

Sechs Jahre nach der Veröffentlichung des Radetzkymarsch setzte Roth mit der »Kapuzinergruft« die Geschichte des neuzeitlichen Österreich in der Form eines Familienromans fort. Das Ergreifendste und Wahrste am Roman sind die letzten paar Seiten, die die Reaktion des »Helden« auf die Kunde des Anschlusses an das Deutsche Reich wiedergeben.

Beeindruckendes Werk

Hier glänzte Karin Schrey durch ihren Vortrag. Anrührend und brillant Nicola Piesch mit Saxofon und Dieter Wierz am Piano – sie spielten C-Jam Blues. Almut Rose stellt die »Die Legende vom heiligen Trinker« vor. Obgleich schwer alkoholkrank verfasste Roth dieses Werk in einer kristallklaren Sprache, mit luzider Ausdruckskraft. Dieses Werk dürfte eines seiner besten, wenn nicht das beste Werk überhaupt sein. Robert Axt, Ingrid Axt und Manfred Mattner widmeten sich alternierend in einer steten Wechselrede der Biografie und Werken Ernst Wiecherts. Beispielhaft: Wiechert als Vertreter der inneren Emigration. Die drei Akteure legten die künstlerische Entwicklung Wiecherts kompetent dar. Sie lasen Originaltextzitate aus Wiecherts Rede an die Jugend 1935. Sehr anrührend tragen die Akteure Ingrid und Robert Axt und Manfred Mattner Textpassagen aus Wiecherts Roman »Der Totenwald« vor. »Der Totenwald«, Wiecherts Bericht über die Zeit im KZ, geschrieben 1939, veröffentlicht 1945, ist erstaunlich und lesenswert.

Tief bewegend sang Piesch den berühmten Song »Sag mir wo die Blumen sind. Mit diesem wunderschönen Lied klang ein niveauvoller Literaturabend aus.

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