23. Januar 2018, 18:56 Uhr

Theater-Slam

Künstler sagen ab: Slam ist trotzdem ein Erfolg

Was tun, wenn zwei Stunden vor der Veranstaltung die Hälfte der Künstler absagt? Keine Panik und improvisieren. Das war ohnehin die Idee des Theaters-Slams im Badehaus 2. Mit Erfolg.
23. Januar 2018, 18:56 Uhr
»Musenkuss nach Ladenschluss«: Diese Kombo überzeugt mit einer besonderen Performance. (Foto: piz)

Was tun, wenn man eine Veranstaltung plant und zwei Stunden vor Beginn sagt die Hälfte der fest eingeplanten Künstler ab? Nicht im Panik verfallen wäre hierbei ganz wichtig. Und improvisieren. Da letzteres ohnehin zum Konzept des Abends gehören sollte, gab es daher jüngst aus dem Badehaus 2 eigentlich kein Problem. Bereits zum zweiten Mal veranstaltete der Förderverein für Jugendkultur und Jugendarbeit »Juka« einen Theater-Slam. Wem der bereits seit Jahren stärker etablierte Begriff Poetry-Slam etwas sagt, kann erschließen, was Ziel einer solchen Veranstaltung ist: Unterschiedliche kurze Bühneninszenierungen treten gegeneinander an, das Publikum entscheidet mit Applaus über den Gewinner.

 

Drei Gruppen sagen ab

 

Um dem einen zusätzlichen Reiz zu bieten, erhalten die Bühnenkünstler erst zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn eine Liste bestimmter Attribute, die in ihrer Performance untergebracht werden müssen. Improvisation ist also gefragt.

Dass das nötig war, zeigte sich für die Veranstalter um Nils Hasport und Tobias Sofke vom JUKA, als am späten Nachmittag plötzlich drei von fünf angemeldeten Gruppen absagten. Dieser unglückliche Rahmen wurde allerdings toll gelöst! Es war folglich direkt ein finales Duell, welches die beiden Kontrahenten des Theater-Slams ausfichten.

Da war zum einen Niklas Fiedler, Künstler und Philosoph aus Frankfurt. Seine Performance ließ das Publikum in eine Welt blicken, deren reale Vertreter es selten freiwillig in eine Kulturstätte schaffen. Denn als sei der glatte Ledermantel nicht schon Hinweis genug, ließen spätestens Rhetorik, Gestik und Mimik keine Zweifel mehr daran, dass »der letzte Nazi«, den Fiedler mimte, eine allgemeine Kulturkritik in Zeiten von NPD, Trump und AfD bieten sollte.

Dass der Seelen-Striptease auf der Bühne jedoch auch die unter dem Ledermantel versteckte Trachtenhose offenbaren würde, war ein durchaus einfallsreicher Kniff, ebenso wie die herrlich bescheuerten Ernst Jandel Respekt zollenden Dada-Gedichte.

Gegen Fiedler trat die Kombo »Musenkuss nach Ladenschluss« an, vier junge Männer in Begleitung eines weiteren solchen am Klavier. Wer sich selbst als erstes und einziges Mainzer Impro-Theater bewirbt, präsentiert konkret das – Improvisieren auf voller Linie. Vielleicht mag die stringente Handlung gefehlt haben, vielleicht das tiefergehende Hochkultur-Moment. Andererseits konnten sich die Darsteller mit ihren kurzen Episoden und allerlei Charme schnell beim Publikum beliebt machen. Intelligenter Humor, keine Grenzen und hochwertiger Klamauk zeichneten die Performance aus.

Das Publikum zeigte sich sehr beeindruckt und folgte demnach dem Votum des Moderators, der einen rechtmäßigen Gewinner durch die Messung der Lautstärke beim Applaus nicht feststellen wollte. Beide teilten sich also den ersten Platz.

Arnold präsentierte noch einen Text über eine selbst durchgeführte Absinth-Testreihe nach dem Abitur. Man darf sich auf den nächsten Theater-Slam freuen.

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