12. Dezember 2018, 20:47 Uhr

Krippen aus aller Welt

12. Dezember 2018, 20:47 Uhr
Erica Kernstock, die Initiatorin des Oberhessischen Weihnachtskrippen-Museums, zeigt ihre allererste, die Jerusalemkrippe. (Fotos: prw)

An Weihnachten feiern die Christen die Menschwerdung Gottes. Die Geburt Jesu in einem Stall zu Bethlehem wird im Lukasevangelium beschrieben. Weihnachtskrippen machen diese biblische Geschichte bildlich nachvollziehbar. Der Advent, wenn Krippen ihre Hochkonjunktur haben, ist auch die Zeit, in der Erica Kernstock ihr privates Weihnachtskrippen-Museum im Niddaer Stadtteil Ulfa öffnet.

»Krippen sind für mich schon immer faszinierend. Als junge Frau habe ich in einem vornehmen Haushalt eine wunderschöne Krippe gesehen und mir gedacht, wenn ich einmal genügend Geld habe, dann kaufe ich mir auch so etwas.« 1981 war es so weit. Die Ur-Krippe, die erste in Kernstocks Sammlung, stammt aus der Bernardi-Werkstatt in Südtirol und ist aus Lindenholz geschnitzt.

»Der Preis war für die damalige Zeit schon ziemlich beachtlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Figuren gar nicht handgeschnitzt waren, sondern mit maschineller Unterstützung. Für den Preis einer einzigen Figur habe ich dann an anderer Stelle eine ganze handgeschnitzte afrikanische Weihnachtskrippe erstehen können.« Das war der Grundstock für die Sammlung, die immer größer wurde und mittlerweile 220 Krippen aus fünf Kontinenten umfasst. 150 werden in der aktuellen Ausstellung gezeigt.

Geradezu spektakulär in ihrer Vielfalt ist die Jerusalem-Krippe, die eine ganz besondere Geschichte hat. In Anlehnung an eine Weihnachtskrippe aus dem Jahr 1676 wurde sie nach dem Ersten Weltkrieg als Bausatz in Deutschland vertrieben. »Ein Nachbar hat die Gebäude als Laubsägearbeit ausgeführt und viele Jahre an Weihnachten aufgestellt. Irgendwann gab es dafür keine Verwendung mehr. Wir haben sie gerne übernommen und dann in eine ganze Landschaft eingebaut mit Treppen und Felsen, sodass daraus die wichtigsten Teile der christlichen Geschichte erzählt werden können: von der Verkündung des Engels über die Geburt Jesu, den Einzug in den Tempel bis hin zur Kreuzigungsszene auf nach Golgatha«, erzählt Kernstock.

Etwas ganz Besonderes ist eine Krippe mit Figuren aus Spanien, deren Kleider nicht aufgemalt, sondern aus echtem Stoff sind und mit ihrem Faltenwurf verblüffend echt wirken. Hier liegt das Jesuskind unter einem antiken Torbogen. Die Darstellung wird ergänzt durch die Andeutung der Situation, in der Herodes zum Kindsmord aufruft.

Aus Blech und Blättern

Ihr Museum hat Erica Kernstock zusammen mit ihrem Mann Friedhelm systematisch aufgebaut. Nach den großen Krippen kommen die verschiedenen Erdteile. Afrika ist präsent mit einer Vielzahl von Krippen ganz unterschiedlicher Kunstfertigkeit und Materialien. Aus Ruanda kommt eine Krippe aus Bananenblättern. In Burkina-Faso wurde eine aus Autoteilen gebaut. Aus Mali stammt eine Figurengruppe, die aus alten Dosen mit Insektenvernichtern hergestellt wurde. Dornholz aus Benin, recycelte Brillengestelle aus Äthiopien und Specksteine aus Kenia – es ist faszinierend, aus welchen Materialien man Weihnachtskrippen herstellen kann.

Aus dem frührevolutionären Frankreich des späten 18. Jahrhunderts kommt die Geschichte, dass Weihnachtskrippen verboten waren und man sie auf dem Land aus Brotteig geformt hat. Wenn ein Revolutionswächter kam, wurden sie einfach verspeist.

Interessant sind auch Krippen aus Nord- und Südamerika. Aus den USA kommt etwa eine Gruppe aus Stoff, aus Alaska die Heilige Familie als Inuit, dick eingepackt mit dem Jesuskind auf dem Schlitten, umrahmt von Rentier, Robbe, Eisbär und Husky.

Jede Krippe im Museum erzählt ihre eigene Geschichte, doch richtig spannend wird es, wenn Erica Kernstock etwa von den Anstrengungen polnischer Kinder spricht, die den ganzen Sommer Bonbons lutschten, damit an Weihnachten genügend Stanniolpapier zusammenkam, um eine prächtige Krippe in Kathedralenform zu basteln.

Das Oberhessische Weihnachtskrippen-Museum in Ulfa ist seit dem 20. November bis Donnerstag, 20. Dezember, dienstags bis sonntags, jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei; außerdem gibt’s Glühwein und Wintertee.

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