25. August 2017, 05:00 Uhr

Millionen-Betrug

Kreistag fordert Aufklärung von Sparkassen-Vorstand

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Günter Sedlak wird Ende November im Haupt- und Finanzausschuss Rede und Antwort zum Millionen-Betrug stehen.
25. August 2017, 05:00 Uhr
Geld, Geld, Geld: 8,9 Millionen Euro soll ein Mitarbeiter der Sparkasse Oberhessen veruntreut haben. (Foto: dpa)

Wie ist das nur möglich? Das fragt sich nicht nur der FW-Kreistagsfraktionsvorsitzende Erich Spamer. »Das fragen sich auch die Bürger«, sagte der Büdinger Bürgermeister am Mittwoch im Kreistag. Wie konnte ein Sparkassen-Mitarbeiter fast 9 Millionen Euro zur Seite schaffen, ohne dass dies auffiel? Die Freien Wähler hatten Aufklärung durch das Geldinstitut beantragt. Landrat Joachim Arnold (SPD), stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, sagte zu, dass Vorstandsvorsitzender Günter Sedlak Ende November im Haupt- und Finanzausschuss Rede und Antwort steht – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

»Die Skandale häufen sich«, sagte Spamer und erinnerte an den Rechtsstreit der Sparkasse mit einem Unternehmerehepaar aus Büdingen, dessen Firma im Laufe des Streits insolvent ging; die Sparkasse müsse dem Paar 347 000 Euro wieder gutschreiben. Die Unterschlagung von fast 9 Millionen Euro werfe die Frage auf, ob die Kontrollmechanismen nicht eingehalten wurden. Der Wetteraukreis als Anteilseigner müsse über die Vorgänge aufgeklärt werden.

Rouven Kötter (SPD) wies darauf hin, dass der Landrat als Mitglied des Verwaltungsrates keine Auskünfte geben dürfte; dies hatten die Freien Wähler ursprünglich beantragt. Die CDU-SPD-Koalition hatte daher einen Änderungsantrag vorbereitet: Der Vorstand der Sparkasse soll nun berichten.

 

Geldwäschegesetz als Auslöser

 

Arnold sagte, dies sei bereits mit Sedlak vereinbart. Der Vorgang habe die gesamte Bankenbranche aufgerüttelt. »Das hätte in dieser Art und Weise in jeder Bank passieren können, auch unter Einhaltung der Sicherheitsrichtlinien.« Arnold sprach von einer »hohen kriminellen Energie« des Ex-Mitarbeiters. »Er kannte die rechtliche Seite und die Prüfungsvorgänge ganz genau. Deshalb war es auch den unabhängigen Wirtschaftsprüfern nicht möglich, das zu erkennen.« Der Millionenbetrug sei erst durch das Geldwäschegesetz ans Tageslicht gekommen. Der Landrat betonte: »Keine Privatperson und kein Privatunternehmen wurden beschädigt, der Verlust liegt allein bei der Sparkasse.«

Anfang April war bekannt geworden, dass ein 44-jähriger Wetterauer rund zehn Jahre lang Geld abgezweigt hatte. Anfangs war von 4 Millionen Euro die Rede, später von 8,9 Millionen. Der 44-Jährige war Vorsitzender der Gemeindevertretung Limeshain und in der dortigen SPD aktiv. Er zeigte sich geständig, sitzt in Untersuchungshaft.

Anfang Juni zog das Geldinstitut weitere Konsequenzen: Nach der fristlosen Kündigung des Beschuldigten wurde dessen Vorgesetzter, der stellvertretendes Vorstandsmitglied ist, freigestellt. Eine Mitarbeiterin wurde gekündigt, drei weitere versetzt. Zum Fall des beurlaubten stellvertretenden Vorstandsmitglieds teilte ein Sparkassen-Sprecher gestern per Mail mit, man sei »in Gesprächen über eine endgültige Trennung«. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handele, könne man keine Details nennen.

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