29. November 2018, 11:00 Uhr

Nach dem Hitzesommer

Kreisbrandinspektor: »Wetterauer Wehren gut gerüstet«

Der Sommer ist vorbei, die feuchte Jahreszeit hat begonnen. Kreisbrandinspektor Lars Henrich spricht im Interview über den Jahrhundertsommer und die Herausforderungen für die Wetterauer Feuerwehren.
29. November 2018, 11:00 Uhr
Im Hitzesommer 2018 hatte die Feuerwehr in der Wetterau oft mit Flächenbränden auf Äckern und Feldern zu kämpfen. Laut Brandinspektor Lars Henrich könnten solche Brände in Zukunft häufiger vorkommen. (Fotos: einsatzfotos.tv/prw)

Herr Henrich, aus Sicht der Feuerwehr: Sind Sie froh, dass der Sommer 2018 vorbei ist?

Lars Henrich: Der diesjährige Sommer war für die Feuerwehren im Wetteraukreis eine Herausforderung und vergleichbar mit dem Sommer im Jahr 2003. Durch die lange anhaltende Trockenheit und die erhöhten Temperaturen wurden die Feuerwehren, neben dem Tagesgeschäft, zusätzlich gefordert. Es traten vermehrt Brände auf landwirtschaftlichen Flächen und in Waldgebieten auf. Hinzu kamen die trockene Bach- und Flussläufe, was Auswirkungen auf die Löschwasserverfügbarkeit hatte. Aus meiner Sicht ist jedoch hier zu sagen, dass die Feuerwehren die besonderen Anforderungen gut gemeistert haben.

In Griechenland, in Schweden, in Portugal, ja sogar in Grönland gab es zum Teil riesige Flächenbrände. Dann hat die Bundeswehr auch noch ein Moor in Brand geschossen. Können solche Katastrophen auch die Wetterau treffen?

Henrich: In der Wetterau gibt es keine Moore, auch veranstaltet die Bundeswehr hier keine Schießübungen. Aber im Ernst: In diesem Jahr wurden die Feuerwehren übermäßig von Bränden von landwirtschaftlichen Flächen und zum Teil auch von Waldbränden herausgefordert. Die größte betroffene Fläche im Waldbereich war ca. 1000 m² groß. Durch den fehlenden Niederschlag und die landwirtschaftlich geprägte Wetterau sind Flächenbrände bei solchen Wetterlagen auch zukünftig nicht auszuschließen.

Klimaforscher sagen, dass lange Trockenperioden zunehmen werden. Das wird sich auch auf Brandszenarien auswirken. Sind die Wetterauer Wehren darauf vorbereitet und wenn ja, wie?

Kreisbrandinspektor Lars Henrich
Kreisbrandinspektor Lars Henrich

Henrich: Ja, die kommunalen Feuerwehren sind hierfür gewappnet. Die meisten kommunalen Feuerwehren verfügen über Löschfahrzeuge mit einem integrierten Wassertank, was die Brandbekämpfung erleichtert. Weiterhin haben wir in der Wetterau flächendeckend ausreichend Tanklöschfahrzeuge mit einem Fassungsvermögen zwischen 3000-4000 Liter. Neben der technischen Ausstattung werden solche Einsatzszenarienin der Alarm- und Ausrückeordnung (Alarmierungspläne) vorgeplant. Bei einem Notruf werden dann frühzeitig die Tanklöschfahrzeuge mitalarmiert.

Die Wetterau besteht zu 29 Prozent aus Wald. Mehr als 50 Prozent der Flächen werden landwirtschaftlich genutzt. Wie kann das nötige Know-how erworben werden, um auch große Flächen oder Waldbrände souverän löschen zu können?

Henrich: Die Einsatzkräfte der Feuerwehren werden im Bereich der taktischen Ausbildung auch auf solche Szenarien vorbereitet. Weiterhin wird die Ausstattung daran angepasst. Die Landesfeuerwehrschule in Kassel, die als zentrale Ausbildungsstätte fungiert, bietet seit Jahren Seminare und Ausbildungen an. Aktuell wurden durch das Land Hessen die vorhandenen Katastrophen-Löschzüge mit Ausrüstung zur Waldbrandbekämpfung ausgestattet.

Experten sehen trotzdem Defizite in der Ausrüstung der Feuerwehren. Leichte Schutzanzüge, mit denen man längere Zeit am Brandherd arbeiten kann oder leichtere, kleinere und geländegängigere Fahrzeuge sind nur zwei Beispiele, mit denen man schnell zum Brandherd in der Fläche kommt. Wie steht es um die Ausrüstung der Wetterauer Wehren?

Henrich: Die Ausrüstungen der Wetterauer Feuerwehren entsprechen im Wesentlichen flächendeckend den Anforderungen. Neben den Feuerschutzkleidungen für die Einsatzkräfte, die den Kameradinnen und Kameraden den höchstmöglichen Schutz für die Brandbekämpfung innerhalb Gebäuden bietet, verfügen die Kommunen ebenfalls über Einsatzkleidung, die das Arbeiten im Freien ermöglicht. Die körperliche Beanspruchung und Beeinträchtigung ist hier geringer, da die Schutzkleidung dünner ist. Im Land Hessen gibt es eine Herstellungs- und Prüfungsbeschreibungen für eine universelle Feuerwehrschutzkleidung (HUPF), die den jeweiligen Anforderungen gerecht wird. Die Kommunen orientieren sich an dieser Leistungsbeschreibung und statten ihre ehrenamtlichen Einsatzkräfte danach aus.

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