12. Oktober 2018, 14:00 Uhr

Glasfaser-Ausbau

Kommt schnelles Internet nach Ober-Mörlen? Bürger entscheiden bis Montag

Am Montag ist Stichtag. Wenn 40 Prozent der Ober-Mörlener dafür stimmen, wird das Glasfasernetz ausgebaut – kostenlos und bis ins Haus. Pros, contras und aktuelle Zahlen.
12. Oktober 2018, 14:00 Uhr
Ein Zeichen der Zustimmung: Viele Ober-Mörlener, die für das Verlegen von Glasfasern sind, zeigen das mit einem blauen Schild im Blumenkasten oder im Garten. (Foto: hau)

Wir sind dabei – das steht auf den blau-weißen Steckschildern, die seit wenigen Wochen in Ober-Mörlens Vorgärten, auf Fensterbänken oder an Regenrohren sprießen. Überall dort haben Bürger bei der Firma Deutsche Glasfaser einen Antrag auf den Anschluss ans Glasfasernetz unterschrieben, sich also für die schnellstmögliche Datenautobahn entschieden.

Wenn bis einschließlich kommendem Montag, 15. Oktober, insgesamt 40 Prozent aller Haushalte in Ober-Mörlen, auf dem Maiberg und in Langenhain-Ziegenberg dabei sind, wird die Deutsche Glasfaser das Netz kostenlos verlegen. Wird die Hürde nicht genommen, werden die Verträge hinfällig, und alles bleibt wie es ist. Daran mögen viele Menschen im Dorf gar nicht denken. »Jetzt haben wir’s schon mal selbst in der Hand. Es wäre fatal, wenn wir das vergeigten«, hört man Stimmen. »Wir brauchen gar kein Internet«, sagen andere, oder: »Uns reicht, was wir haben«.

 

750 Euro Gebühr für Nachzügler

Tatsächlich liegt die Surfgeschwindigkeit dank Breitband streckenweise bei 50-100 MBit/s. Aber längst nicht überall und auch nicht zuverlässig konstant. »Wir hätten die Glasfaser zwar nicht unbedingt gebraucht, weil wir ans große Rechenzentrum angeschlossen sind«, sagt Volksbank-Vorstand Andreas Wagner. »Aber wir sind ja auch Vermieter«. In dieser Funktion habe man einen Antrag gestellt. »Für Online-Kunden gibt es allerdings keine Steckschilder«, erklärt Wagner.

Wenn wir das jetzt nicht machen, haben wir auf Jahre verloren

Bürgermeisterin Kristina Paulenz

Wieder andere brauchen zwar im Moment noch keine schnellere Internetverbindung, wollen aber den Anschluss nicht verpassen und machen mit. Hinzukommt, dass Nachrücker mit mindestens 750 Euro Anschlussgebühr rechnen müssen. »Unser Internet war schon viel zu langsam«, erzählt Helmut Haase. Seine Firma Haase Food gehört zu den bereits mit Glasfasern verkabelten Gebäuden im Gewerbegebiet. »Wir könnten uns gar nicht erlauben, das schnelle Internet nicht zu haben«, unterstreicht Haase und ist froh, an ein Netz mit derzeit maximalen Geschwindigkeiten von 1000 MBit/s angeschlossen zu sein. »Die Digitalisierung wird immer wichtiger – gerade auch im ländlichen Raum.«

Als »essentiellen Standortfaktor« vergleichbar mit der Verkehrsinfrastruktur, der Grundversorgung mit Gas, Wasser und Strom, hatte Bürgermeister Jörg Wetzstein seinerzeit seine hartnäckigen Verhandlungen mit der Deutschen Glasfaser begründet. »Wenn wir das jetzt nicht machen, haben wir auf Jahre verloren«, bekräftigt das seine Nachfolgerin, Ober-Mörlens neue Bürgermeisterin Kristina Paulenz. Auch fürs Home-Office sei das schnelle Internet heute schon kostbar, »also für viele Frauen-Arbeitsplätze«.

 

Alte Telefonnummer mitnehmen

Mieter könnten initiativ werden, empfiehlt die Rathauschefin, »natürlich in Absprache mit dem Hausbesitzer«. Niemand müsse Sorge haben, dass sein Vorgarten durchs Verkabeln auf den Kopf gestellt werde. Dank moderner Technik könnten die Kabel unterirdisch verlegt werden. Ein für beide Seiten verbindliches Begehungsprotokoll werde angefertigt.

»Der Anschluss ist kostenlos und birgt kein Risiko, erklärt Projektmanager Lennart Götte von der Deutschen Glasfaser. Jeder könne seine alte Telefonnummer mitnehmen und brauche sich um den Anbieterwechsel nicht zu kümmern. »Das machen wir.« Für die Übergangszeit garantierten sie ein Jahr lang keine doppelten Kosten, nach zwei Jahren könne man den Anbieter weder wechseln. Kupferkabel stießen heute schon an Grenzen, alle zwei Jahre aber verdopple sich der Anspruch an die Bandbreite. »Dieses Infrastrukturprojekt bietet Ober-Mörlen eine Riesenchance, die Weichen für die digitale Zukunft zu stellen.«

 

Info

Drei Fragen an Lennart Götte von der Deutschen Glasfaser

 

Wie viel Haushalte haben bisher für die  Glasfaserkabel gestimmt?
Lennart Götte: Stand Mittwoch, 10. Oktober, liegen wir bei knapp 30 Prozent. Erfahrungsgemäß gibt es nach einem schnellen Beginn eine Durststrecke und dann einen schnellen Schlussspurt.
 

Gab es schon Orte, in denen weniger als  40 Prozent der Haushalte für das schnelle Internet war?
Götte: Wir agieren aus der Region Hamm und haben noch keine Nachfragebündelung verloren, zuletzt waren wir im Raum Kassel erfolgreich. Bundesweit haben wir knapp 300 Projekte erfolgreich abgeschlossen und sind Marktführer im Bereich FTTH-Anschlüsse, das bedeutet Glasfaser bis ins Haus (englisch: Fiber to the Home). In Hessen haben wir jetzt auch im Landkreis Offenbach erfolgreich gestartet.
 

Bis wann kann man einen Antrag spätestens unterschreiben?
Götte: Die Nachfragebündelung geht noch bis diesen Montag, 15. Oktober. Verträge können bis zum Ende des Tages online, aber auch telefonisch bis (20 Uhr) und postalisch eingereicht werden (Datum des Poststempels). Außerdem ist das möglich an Serviceständen am Rewe in Ober-Mörlen (Freitag 14-19 Uhr, Samstag 10-19 Uhr, Zusatzöffnung am Montag/Stichtag 10-19 Uhr) und an den Drei Eichen in Langenhain-Ziegenberg (Samstag 10-15 Uhr, Zusatzöffnung am Montag/Stichtag 10-19 Uhr). Einen Berater kann man vorher unter der Telefonnummer 0 28 61/8 13 34 20 nach Hause bestellen.

 

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anschlüsse
  • Bürger
  • Daten und Datentechnik
  • Internetzugriff und Internetverbindung
  • Jörg Wetzstein
  • Langenhain-Ziegenberg
  • Rechenzentren
  • Rewe Gruppe
  • Ober-Mörlen
  • Annette Hausmanns
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.