App fürs Parken

Klicks statt Kleingeld-Suche für den Parkplatz

Parkautomaten suchen, nach Kleingeld wühlen, unter Zeitdruck zum Auto hetzen, weil die Parkzeit abgelaufen ist – ein Friedberger IT-Unternehmen will das überflüssig machen.
03. Januar 2018, 14:00 Uhr
Die »park & pay«-App soll Autofahrern das Bezahlen der Parkgebühr und den Kontrolleuren die Arbeit erleichtern. Jörg Gruner (l.) und Martin Zimmermann demonstrieren die Handhabung ihrer App. (Fotos: Klingelhöfer/Rohde)

Gemeinsam mit fünf Mitstreitern haben Dr. Jörg Gruner und Martin Zimmermann in jahrelanger Tüftelei »park&pay« entwickelt, ein EDV-basiertes System zur Bewirtschaftung von Parkraum. Seit Juni 2017 läuft es im baden-württembergischen Ludwigsburg im Echtbetrieb; inzwischen hat es dort einen Marktanteil von zehn Prozent.

 

Parkzeit schnell verlängern? Kein Problem

 

Wer sich in der kostenlosen App von park&pay hat registrieren lassen, für den ist Parken in Ludwigburg in den vergangenen sechs Monaten deutlich komfortabler geworden. Sämtliche Straßen und Parkplätze der Stadt sind im System gelistet. Hat man einen Parkplatz gefunden, loggt man sich über das Smartphone mittels vierstelligem PIN in die App ein, wählt Straße beziehungsweise Parkplatz aus, entscheidet sich für die gewünschte Parkdauer, kauft den Parkschein via Handy und geht entspannt shoppen.

 

 

 

Trifft man dann einen guten Bekannten und möchte spontan mit ihm oder ihr einen Kaffee trinken, ist auch das kein Problem: Einloggen, Vorgang antippen, Option Verlängerung der Parkzeit auswählen, bestätigen – fertig. Charmant ist die einstellbare »Weckfunktion«: Ein akustisches Signal informiert den Autobesitzer über das bevorstehende Ende der Parkzeit.

 

App auch für die Kontrolleure

 

Einfach ist das System nach Darstellung von Jörg Gruner auch für die Stadt beziehungsweise ihre Kontrolleure. »Als erster Anbieter des Ticketbezahlens mittels Smartphone haben wir nicht nur aus der Perspektive der Kunden, sondern auch derjenigen der Kommunen gedacht. Unsere App ist über eine Schnittstelle mit der bereits vorhandenen Software zur Bearbeitung von Ordnungswidrigkeiten kompatibel«, erläutert der Mathematiker, der sich hauptberuflich mit der Kontrolle von elektronischem Zahlungsverkehr befasst.

 

Für jeden Parkplatz eigene Bedingungen möglich

 

Wer als Kontrolleur unterwegs ist, braucht also auch künftig nur ein Gerät mitzuführen. Findet er ein Auto ohne Parkschein, kann er sich ebenfalls ins System einloggen, das Nummernschild fotografieren und umgehend sehen, ob für das Fahrzeug ein gültiges Ticket vorliegt.

Als großen Vorteil werten Gruner und Zimmermann die Flexibilität ihrer Entwicklung. Für jede Straße, jeden Parkplatz, jedes Parkhaus lassen sich im Vorfeld detailliert die Rahmenbedingungen programmieren: maximale Parkdauer, gegebenenfalls nach Tag und Stunde gestaffelte Parkpreise, Ausnahmeregelungen. Änderungen und Anpassungen sind mit wenigen Klicks möglich und in Echtzeit umsetzbar.

 

Geld wird vom Konto abgebucht

 

Gegen ihre Mitbewerber setzt sich »park&pay« auch durch das Bezahlen per SEPA-Lastschrift ab; die Parkgebühren werden vom Bankkonto des Autofahrers eingezogen und an die teilnehmenden Kommunen überwiesen. Das Unternehmen »park&pay« beansprucht sieben Prozent der Einnahmen für sich. In Ludwigsburg trägt die Stadt die Kosten, und sie wird, so die Philosophie, mittelfristig an Kauf und Wartung von Parkscheinautomaten ebenso sparen wie an den Bankgebühren für das Einzahlen von Kleingeld.

Eine Kommune könnte allerdings auch entscheiden, die sieben Prozent auf die Parkgebühren draufzuschlagen. Gruner zeigt sich überzeugt: »Aus Gesprächen wissen wir, dass Autofahrer für die von ›park&pay‹ gebotenen Bequemlichkeiten durchaus bereit wären, sieben Prozent mehr zu zahlen.«

Info

Drei Fragen an den künftigen Bürgermeister

Herr Antkowiak, das Friedberger IT-Unternehmen »park&pay« hat eine App für eine Online-Bezahlung von Parktickets entwickelt. Haben Sie sich schon einmal mit einer solchen Möglichkeit befasst?

 

 

 

Dirk Antkowiak: Ich habe mich bereits mit verschiedenen Bezahlsystemen für unsere Parkscheinautomaten vertraut gemacht. In der heutigen Zeit des bargeldlosen Bezahlens hat nicht jeder, und da nehme ich mich nicht aus, immer das passende Münzgeld zur Hand. Es steht einer modernen bürger- und servicefreundlichen Stadt gut zu Gesicht, auch alternative Bezahlsysteme für den städtischen Parkraum anzubieten. Ich selbst habe solche Systeme bereits in anderen Kommunen genutzt.

Käme ein solches System für Friedberg infrage?

Antkowiak: Die Möglichkeit eines solchen Systems wird seitens der Verwaltung geprüft.

Wenn ja: Welche Vorteile würden Sie sich davon versprechen?

Antkowiak: Der Vorteil liegt auf der Hand. Eine teure Umrüstung der bestehenden Parkscheinautomaten mit Kartenlesegeräten entfällt, und der Schulungsaufwand der Ordnungspolizisten ist überschaubar. (Archivfoto: nic)

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