30. November 2018, 12:00 Uhr

Mein Lieblingsplatz

Kleine Auszeit nehmen

Hektik und Stress hinter sich lassen, das geht im Alltag. Diese Erfahrung hat Annette Zindel-Strauß, Mitarbeiterin im Kulturamt der Stadt Bad Vilbel, gemacht. In einem Telefonat mit Margarethe Hinterlang vom Dottenfelderhof sagte diese zu ihr: »Annette, du hörst dich gestresst an. Geh mal mit mir zu den Schäfchen.« Prompt hatte sie einen Lieblingsplatz.
30. November 2018, 12:00 Uhr
Streicheleinheiten: Annette Zindel-Strauß sammelt Kraft bei den Eseln und im Café des Dottenfelderhofes. (Foto: cf)

I ch habe mich über die Einladung von Margarethe Hinterlang gefreut, hatte aber erst keine Zeit«, erinnert sich Annette Zindel-Strauß. »Ich bin dann später doch mit ihr auf hochhackigen Stiefeletten über aufgeweichtes Erdreich zu den Schafen gegangen. Und habe ihr geholfen, die Herde von der Weide in den Stall zu bringen. Dabei habe ich mich voll auf das Einholen der Tiere konzentriert, abgeschaltet und war plötzlich in einer anderen Welt. Nachdem alle Schafe sicher im Stall waren, bin ich erholt zurück ins Büro gefahren. So leicht kann das mit dem Entspannen gehen – vor allem an Tagen, an denen ich bis zu zwölf Stunden konzentriert arbeite«, sagt die 55-Jährige.

Seither gönnt sich die Kulturpädagogin mit Zusatzausbildung zur Biblio- und Poesietherapeutin in den Mittagspausen immer einmal wieder solche schönen kleinen Auszeiten mitten im Trubel, um aus der ewigen Spirale des »Noch-schnell-dringend-etwas-erledigen-Müssen« auszubrechen. Dann fährt sie zum Dottenfelderhof, schaut bei den Tieren vorbei, verteilt Streicheleinheiten, schaltet ab, atmet durch und kommt zur Ruhe. »Meine Lieblingstiere sind Enten und Esel«, verrät Strauß. Erlaubt es ihre Zeit, dann genießt sie im Café noch eine Kleinigkeit, bevor sie voller Elan wieder ins Büro zurückkehrt.

»Ein ähnlicher Ort für Erholung mitten in der Stadt sind für mich die Niddastufen in der neuen Mitte. Sitze ich dort, schaue auf den Fluss, sehe den Bewegungen des Wassers zu, vergesse alles um mich herum. Sehe ich auf die Stadtbibliothek, dann kommt mir meine Lieblingsliteratur in den Sinn. Dazu gehören der neue Roman von Daniel Kehlmann, »Tyll«, und Gedichte von Erich Fried wie »Ohne Arche«.

Ich finde, an beiden Orten kann man für sich sein und ist trotzdem nicht allein, weil rundum reges Treiben herrscht.« Am Dottenfelderhof schätzt sie das Ländliche, an den Niddastufen das Urbane. »Beide Orte entsprechen meinem Charakter, sprechen in mir die Stadt, Land und Fluss an. Die scheinbaren Gegensätze sind mir seit frühester Kindheit vertraut.« Geboren ist Zindel-Strauß in Baden-Baden. Aufgewachsen ist sie in Maintal-Bischofsheim in dörflicher Umgebung. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in Frankfurt-Bockenheim, weil dieser Stadtteil viel Natur zu bieten hat. »Ich habe immer in Orten gelebt, die an einem Fluss liegen. In Baden-Baden ist es die Oos, in Hanau die Kinzig, in Straßburg die Ill, in Frankfurt der Main und in Bad Vilbel, wo ich seit 27 Jahren arbeite, die Nidda. Für mich haben Flüsse eine emotionale Bedeutung als das Meer.« An ihren beiden Lieblingsorten in Vilbel verbringt sie, wenn es ihre Zeit erlaubt, die Mittagspausen, drückt quasi auf die »Stopptaste«, klinkt sich aus Hektik und Termindruck aus, um dann entspannter weiterzuarbeiten. Gerade bereitet sie den Weihnachtsmarkt in der Wasserburg vor.

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