16. Februar 2018, 09:45 Uhr

Mobilfunknetz

»Katastrophale Zustände«: Händler bemängelt Ärger mit O2-Netz

Mit Senol Sentürk möchte man derzeit nicht tauschen. Der Inhaber des Handyladens »Telshop« in Bad Nauheim hat täglich mit aufgebrachten O2-Kunden zu tun. Die O2-Netzprobleme dauern an.
16. Februar 2018, 09:45 Uhr

Von Laura Kaufmann , 1 Kommentar
(Foto: nic)

Einen O2-Vertrag anbieten? »Nein, das kann ich zur Zeit nicht machen, da bekomme ich nur Ärger mit den Kunden«, sagt Senol Sentürk. Er führt seit vielen Jahren den »Telshop« in der Bad Nauheimer Innenstadt. Vodafone, O2, 1&1 – Sentürk hat mehrere Standbeine, bietet neben Verträgen verschiedener Anbieter auch Reparaturen sowie An- und Verkauf von Handys an. Sein Glück, würde er nur auf O2 setzen, hätte er inzwischen wohl kaum noch zufriedene Kunden im Geschäft stehen.

 

Immer wieder tauchen Probleme auf

Seit Ende Oktober gibt es in Bad Nauheim und Steinfurth Probleme mit dem Mobilfunknetz von Telefonica Deutschland, wozu auch die Marken O2 und E-Plus gehören. Von Netzschwankungen über eingeschänkte Nutzung der mobilen Daten bis hin zu kompletten Blackouts reicht die Bandbreite. Sentürk spricht von »katastrophalen Zuständen«, die er längst reklamiert habe. »Es gab keine Reaktion uns gegenüber, das finde ich sehr ärgerlich.« Zwar betreibe er keinen Franchise-Shop, sei aber O2-Fachhändler. Mehrfach habe er sich inzwischen an das Unternehmen und an einen Vertreter, der regelmäßig vorbeikomme, gewandt. Ohne Erfolg. Täglich stünden verärgerte Kunden in seinem Geschäft. »Ich weiß nicht, was ich denen sagen soll.« Schließlich habe er selbst keinerlei Kenntnis darüber, ob es noch zwei Tage oder sechs Monate dauere, bis das Netz wieder zuverlässig zur Verfügung stehe.

Die O2-Netzprobleme bestehen derweil weiter. Erneut konnten Kunden in Bad Nauheim am Wochenende und am Mittwoch nicht mit dem Smartphone im Internet surfen. Rund um die Burgallee ließ sich zudem keinerlei Verbindung aufbauen.

Aktuell macht die Telefonica-Pressestelle eine UMTS-Station für die Netzschwankungen verantwortlich. Zwar habe man am 6. Februar bereits Hardware ausgetauscht, die Station habe dennoch nicht wieder ordnungsgemäß in Betrieb genommen werden können, heißt es seitens der Pressestelle auf WZ-Anfrage. »Seien Sie versichert, dass uns die Dringlichkeit bewusst ist und unsere Techniker mit Hochdruck an einer Lösung arbeiten«, teilt das Unternehmen weiter mit.

 

Was können Kunden tun?

»Ich glaube nicht mehr, dass die das bald in den Griff bekommen. Das dauert schon viel zu lange«, sagt Sentürk. Was O2-Kunden tun können? »Bei der Hotline anrufen. Wenn man Glück hat, erwischt man jemanden und bekommt eine Gutschrift.« Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch ein Sonderkündigungsrecht greifen. »Aber ich kenne keinen, der das erreicht hat, da muss man schon über einen Anwalt gehen.« Sentürk nennt noch einen Kniff: »LTE ausschalten, dann funktioniert manchmal 3G.«

Von der Verbraucherzentrale Hessen können Kunden derzeit keine Hilfe erwarten. Zwar sind dort die Probleme mit dem Mobilfunkanbieter bekannt, allerdings sei die entsprechende Fachstelle vakant, weshalb es seitens der Pressestelle keine Infos dazu gibt, wie man sich zur Wehr setzen kann.

 

Im Netz formiert sich Widerstand

Während es auch an der O2-Hotline schwer ist, einen Ansprechpartner zu bekommen, scheint das Social-Media-Team des Konzerns einen Teil der Servicearbeiten zu übernehmen: Auf der O2-Facebook-Seite bekommen verärgerte Kunden immerhin Antworten. Im Netz formiert sich zudem Widerstand: Das »O2-Forum für unzufriedene Kunden« ist inzwischen auf über 3500 Mitglieder gewachsen.

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