10. Juli 2018, 08:00 Uhr

Immer wieder Diebstahl

Interpol fahndet nach Kirschendieb

Ockstadt ist bekannt für seine Kirschen – auch bei Dieben. Die Ernte ist vorbei, und die Anzahl der Diebstähle ist gestiegen. Detektive, Streifen, Interpol-Einsatz – das Verbrechen wird intensiv bekämpft.
10. Juli 2018, 08:00 Uhr
Werner Kipp zeigt verbrannte und von Ameisen und Vögeln beschädigte Kirschen.

Zwei Wochen früher als üblich endet in diesen Tagen die Ernte der beliebten Ockstädter Kirschen, die – dank des guten Wetters – auch zwei Wochen früher begonnen hatte. »Endlich einmal eine normale Ernte, doch dann bekommen wir die Kirschen geklaut«, bilanziert Werner Kipp, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV). »Jetzt ist es zwar etwas zu trocken, was einige Schäden verursacht hat, doch das ist verkraftbar«, erklärt OGV-Mitglied Werner Margraf. Kipp zeigt Kirschen, die unter Sonnenbrand gelitten haben, und andere, die von Ameisen und Vögeln auf der Suche nach Feuchtigkeit angepickt worden sind. »Die Ameisen steigen bei trockenem Wetter auf die Bäume.«

Die Ockstädter Landwirte könnten angesichts der geringen Schäden durch Kirschessigfliege und Kirschfruchtfliege (siehe Info-Kasten) eigentlich zufrieden sein, zumal der Verkauf – sowohl am Straßenrand, als auch über den Handel – sehr gut lief. Wäre da nicht der Diebstahl von Kirschen, der auch in diesem Jahr zugenommen hat, wobei hier nicht Spaziergänger gemeint sind, die einige Früchte vom Baum pflücken.

 

Attacke mit dem Auto

 

»Das ist organisierter Bandendiebstahl im großen Stil«, sagt Privatdetektiv Gerhard Dill (Name geändert), den die Kirschbauern, nach den guten Erfahrungen im Vorjahr, erneut beauftragt haben, abends und nachts Kirschendiebe dingfest zu machen. Zusammen mit einem Kollegen konnte Dill eine ganze Reihe von Dieben stellen. »Wir haben bis jetzt um die 20 Strafanzeigen gestellt, letztes Jahr waren es 15«, sagt OGV-Vorstandsmitglied Christine Dönges, die zusammen mit Steffen Rehde einen Streifendienst organisiert hat. Um die zehn OGV-Mitglieder fahren abends Streife und melden Auffälliges sofort den Privatdetektiven oder der Polizei.

 

Ein Versuch, der allerdings keine Früchte getragen hat: Das Warnschild, das Christine Dönges präsentiert, hat Kirschendiebe nicht abgeschreckt.	(Fotos: lod)
Ein Versuch, der allerdings keine Früchte getragen hat: Das Warnschild, das Christine Döng...

 

Ihre Beobachtungen melden sie auch in einer eigens eingerichteten Facebookgruppe, der zwei Dutzend Obstanbauer angehören. »So können wir schnell Unterstützung erhalten«, sagt Rehde. Dass diese manchmal nötig ist, zeigen zwei besonders krasse Vorfälle entlang der Kreisstraße zwischen Ockstadt und der Einmündung auf die B 455. So bezichtigten zwei Männer einen Verkäufer, gerade die Schlüssel ihres BMW gestohlen zu haben. Sie bedrohten ihn massiv, um an die Kasse zu gelangen. »Wir haben über einen Anwalt Strafanzeige wegen versuchtem Trickdiebstahl, Verleumdung und Hausfriedensbruch gestellt«, sagt Dönges.

Das ist organisierter Bandendiebstahl im großen Stil

Privatdetektiv

Noch schlimmer hätte ein anderer Vorfall für einen Kirschenverkäufer enden können. Auf frischer Tat wurde ein Dieb gestellt. Der sprang in sein von anderen Kirschenbauern mit Fahrzeugen umstelltes Auto mit ungarischem Kennzeichen, rangierte hin und her und nahm schließlich ein OGV-Mitglied auf die Motorhaube, bevor dem Dieb die Flucht gelang. »Inzwischen fahndet Interpol nach dem Verbrecher, der identifiziert wurde und polizeibekannt ist«, sagt der Privatdetektiv, der die Kennzeichen der Fahrzeuge aufzählt: »Frankfurt, Berlin, Rüdesheim, München.«

Manche Diebe trafen sie mehrmals an und wurden von ihnen bedroht. »Wir sehen uns wieder«, sagte einer der Räuber zu Dill, der schlagfertig antwortete: »Aber dann in Ockstadt.« Wenig gebracht haben die erstmals aufgestellten Sperrbänder und Warnschilder gegen Diebstahl.

»Ockstadt ist halt über die Grenzen hinaus für seine Kirschen bekannt, auch bei Verbrechern«, sagt Dill sarkastisch. Doch auch ganz regulär gehen Kirschen ins Ausland – regelmäßig werden sie nach Thailand und Vietnam geliefert. Rehde: »Ich habe gerade Kirschen in die Türkei geschickt.«

Info

Kirschen und Fliegen

Kaum Schäden richtete in diesem Jahr die Kirschessigfliege an. »Der Schädling mag die Hitze nicht«, erläutert OGV-Vorsitzender Werner Kipp. Ganz anders sieht es bei der Kirschfruchtfliege aus. Die flog wie gewohnt, richtete aber nur in unbehandelten Baumbeständen größere Schäden an. OGV-Mitglied Werner Margraf: »Unsere Pflanzenschutzmaßnahmen sind notwendig und sie greifen«. (har)

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