11. Dezember 2018, 08:00 Uhr

Landwirtschaft

Hofladen bei Nieder-Weisel macht wieder auf

Mit der Direktvermarktung sollte Schluss sein. Das Hoflädchen auf dem Lindenhof am Ortsrand von Nieder-Weisel wurde geschlossen. Nun ist es wieder geöffnet. Jan Winter verrät, warum.
11. Dezember 2018, 08:00 Uhr
Vor einem Jahr schloss Lydia Winter (r.) den Lindenhofladen. Inzwischen ist der Hofladen in Nieder-Weisel renoviert und runderneuert. Landwirt Jan Winter hat seine Liebe zur Direktvermarktung entdeckt. Verkauft werden Wurst und Fleisch der eigenen Schweine und Produkte, die Landwirte aus der Region erzeugen. (Foto: Nici Merz)

700 Schweine stehen bei Jan Winter und Vater Bernd auf dem Lindenhof im Butzbacher Ortsteil Nieder-Weisel im Stall. 1979 wurde der Hof an den jetzigen Standort ausgesiedelt. Seit 1992 ist auch das Wohnhaus von Bernd und Lydia Winter auf dem Lindenhof. Das Besondere am Landwirtschaftsbetrieb der Familie Winter: Von der Aufzucht der Ferkel, über die Mast bis zur Verarbeitung zu eigenen Fleisch- und Wurstwaren wird hier alles im Familienbetrieb bewerkstelligt.

Den eigenen Hofladen, das Lindenhoflädchen, das Lydia Winter über 20 Jahre führte, hat sie im vergangenen Jahr geschlossen. Doch die Entscheidung hatte nicht lange Bestand. Inzwischen ist das Lädchen modernisiert und hat seit Oktober wieder geöffnet. Jan Winter hat seine Begeisterung für die Direktvermarktung entdeckt: »Früher habe ich mich mehr für die Arbeit mit Maschinen interessiert«, sagt er. Für die Landwirte sei die Direktvermarktung eine große Chance. »Was teilweise in Supermärkten als regionale Ware angeboten wird, ist oftmals keine.«

 

Verkauf auch über »Wetterauer Früchtchen«

Inzwischen verkaufen Winters ihre Fleisch- und Wurstwaren auch über die Standorte der »Wetterauer Früchtchen« von Familie Reuhl – beispielsweise in deren Gambacher Hofladen. Und Reuhlsche Erdbeeren reifen in Folientunneln, gewärmt von der Abwärme der Biogasanlage auf dem Lindenhofgelände.

Die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben spielt auf dem Lindenhof eine wichtige Rolle. So auch bei der Biogasanlage, einem 1,8-Millionen-Projekt, das gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben Zimmer und Reitz bewirtschaftet wird. Die hauptsächlich mit Mais und Gülle betriebene Anlage speist so viel Energie ins Netz ein, dass 800 Haushalte mit Strom versorgt werden können. Die Abwärme wird vom Lindenhof genutzt und für die Erdbeeren.

 

Winter betreibt auch ein Lohn- und Baggerunternehmen

Ein weiteres Standbein von Jan Winter ist sein Lohn- und Baggerunternehmen, hier bietet er neben Baggerarbeiten landwirtschaftliche Transporte und organische Düngungen an. Die Wartung der Maschinen betreute über viele Jahre Vater Bernd Winter. Inzwischen hat der Betrieb eine eigene große Werkstatt mit einem angestellten Maschinenbauer und bietet Reparaturen für Land- und Baumaschinen sowie Lastwagen an.

Auf 200 Hektar baut Familie Winter Feldfrüchte und Getreide, wie Mais, Zuckerrüben, Gerste und Weizen an. Das Herzstück des Winterschen Familienbetriebs ist aber die Schweinezucht: »Die Tiere werden hier geboren, bekommen Futter von hier und haben nie einen Transportlaster gesehen«, sagt Jan Winter. 80 Zuchtsauen und meist 600 bis 700 Schweine stehen in den Ställen. Gerade hat der Landwirtschaftsmeister einen Bauantrag für einen neuen Stall gestellt. Geplant ist ein Offenstall mit Stroh, hier bekommen die Schweine Auslauf und frische Luft, für die kalte Jahreszeit soll es eine Wärmebox geben. »Dann können die Tiere selbst entscheiden, ob sie lieber draußen oder drinnen sein wollen und wir können den Kunden zeigen, wie unsere Schweine gehalten werden«, sagt Jan Winter.

 

Ganzes Schwein wird verarbeitet

Für die Kunden werde es immer wichtiger, zu wissen, woher ihr Fleisch komme. »Die Supermärkte erzeugen zwar oft ein Bild von Regionalität und glücklichen Tieren, doch das Schweinefleisch kommt dann aus dem Schlachthof, dabei sind unsere Fleisch- und Wurstwaren nicht teurer als die Supermarktware, wenn man von Lockangeboten absieht. Aus ökonomischen und ethischen Gründen ist es für uns wichtig, das ganze Schwein zu verarbeiten, daher setzen wir auf die Direktvermarktung und das Vertrauen der Kunden in unser Produkt«, erklärt der Landwirt.

Der Metzger kommt direkt auf den Hof. Und es sei nicht immer alles verfügbar. »Der Verbraucher weiß eigentlich, dass die ständige Verfügbarkeit nicht natürlich ist«, sagt Bernd Winter. »Wenn wir zwei Schweine schlachten, gibt es vier Filets.« Vertrauen in ihre Produkte zu schaffen, Transparenz in der Produktion und Verbraucher, die wissen, was auf ihrem Teller landet, ist für Familie Winter wichtig.

Der neue Hofladen auf dem Lindenhof der Familie Winter ist freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet und samstags kann von 9 bis 13 Uhr eingekauft werden.

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