12. Oktober 2018, 11:00 Uhr

Musik-Legende

Heinz Rudolf Kunze: »Es war wie im Rausch«

»Dein ist mein ganzes Herz«, »Lisa«, »Finden Sie Mabel« oder »Aller Herren Länder«. Mit diesen Ohrwürmern wurde Heinz Rudolf Kunze berühmt. Jetzt ist er solo unterwegs und tritt am Samstag in der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach auf.
12. Oktober 2018, 11:00 Uhr
»Ich dachte ›Alter Schwede, was für ein tolles Wort: Herzschlagfinale‹«, erinnert sich Heinz Rudolf Kunze. Dieses Lied will er am Samstag spielen. (Foto: Martin Huch)

Unzählige Lieder hat Heinz Rudolf Kunze in seiner Karriere geschrieben und gesungen, viele Preise gewonnen, unter anderem für sein Lebenswerk. Am Samstag um 20 Uhr tritt er in der Adolf-Reichwein-Halle in Rosbach auf. Musikalisch hat er bei seinem Programm »Einstimmig« viele Klassiker und Hits seiner Karriere im Gepäck. Er wird aber auch Stücke aus seinem neu erschienenen Album »Schöne Grüße vom Schicksal« spielen. Die Aufnahmen dazu waren nicht immer einfach, wie er erzählt.

Beim »Deutschland«-Album gab es eine recht aufwendige Vorproduktion, bevor es ins Studio ging. Wie war das diesmal?

Heinz Rudolf Kunze: Ich habe mich mit Ingo Schmidt getroffen, unserem Mischer der Solokonzerte. Die Songs, die die Jungs geschrieben haben, waren natürlich schon fast fertig entwickelt. Die Atmosphäre in dieser Band ist einfach außergewöhnlich harmonisch und konstruktiv. Es gibt in dieser Kapelle keinen Streit.

Dann ist Harmonie aber auch zwingend erforderlich, weil der enge Zeitplan keinerlei oder gar keine Konflikte zulässt?

Kunze: Mal ein Beispiel, das für mich in die Ewigkeit eingeht. Matthias Ulmer hatte für »Schäme dich nicht deiner Tränen« etwas mit Streichern vorbereitet. Und es fiel mir unendlich schwer, ihm zu sagen, dass das ungeeignet war. Das ging in eine Richtung, die ich mir wirklich gar nicht vorstellen konnte. Ich bin ja belehrbar und wenn ein Kollege gute Arbeit macht, auch leicht beeinflussbar. Aber ich habe ihm gesagt, es tut mir leid, ich weiß, dass du tagelang daran geschraubt hast, aber das ist hier einfach falsch. Das geht nicht. Matthias hat sich eine halbe Stunde zurückgezogen, Mund abgeputzt, und dann hat Jens gesagt, »Ok, jetzt machen wir das mal als Bandnummer und hat angefangen zu trommeln. Und Matthias war wieder da, setzt sich an die Orgel und gibt wieder Vollgas. Das ist einfach extrem professionell und zeigt eine große menschliche Qualität. Ich glaube, ich hätte gekündigt.

Aufgenommen wurde im Studio Nord in Bremen. Im Internet kann man sehen, was für ein breites und teilweise auch historisches Equipment dort verfügbar ist.

Kunze: Das ist richtig. Bei »Wie tut man denn sowas« hört man ein ganz flach klingendes, aber auch total niedliches Keyboard. Die hatten da wirklich diese alte Dampforgel, die Hanns Dieter Hüsch immer hatte. Dieses kleine Teil, auf dem er immer so rumgejazzt hatte, sodass seine Zettel immer davon heruntergefallen sind. Das klang so süß. Und in »Zitadelle« haben wir den verrücktesten Sound auf dem ganzen Album, ein Solo auf einem verstimmten Westernklavier mit Nägeln an den Hämmerchen. Da musste mich die Band überzeugen, mal irgendwas ganz anderes auszuprobieren.

Dann ist es auch noch nicht so weit, dass der heimische PC das Studio schon komplett ersetzen kann, wie es bei den Kollegen von der Elektronik oft behauptet wird?

Kunze: Machen wir uns nichts vor, wenn das amtlich klingen soll, kommt man ohne richtiges Studio nicht aus. Das ist eine Utopie. Und wenn es irgendwann eine Einbildung ist, dann halte ich an dieser Einbildung fest. Ein Schlagzeug, das im Gaga-Studio in diesem wunderbaren Raum aufgenommen wird, klingt einfach völlig anders.

»Schöne Grüße vom Schicksal« ist wirklich sehr abwechslungsreich, vor allem die Songs der ersten Hälfte unterscheiden sich stark voneinander.

Kunze: Ja, mit »Komm mit mir« habe ich wohl einen der lustigsten Songs meines Lebens geschrieben und hatte einen Sauspaß dabei.

Ein besonderer Song ist »Herzschlagfinale«, mit sehr viel Text und Tiefgang. War es schwer, ihn aufs Album zu bekommen?

Kunze: Der Song war für mich gesetzt. Ich habe ihn im Dezember auf Sylt bei Sturm geschrieben. Im Hotelzimmer vor dem Auftritt abends. Es war wie im Rausch. Ich habe eine Sport-Reportage gesehen und es ging es um einen Zieleinlauf. Ich dachte »Alter Schwede, was für ein tolles Wort: Herzschlagfinale«. Und dann habe ich erst mal alle Wörter aufgeschrieben, die sich auf Finale reimen.

Wird es der Song auch live auf die Bühne schaffen?

Kunze: Ja, das wird er ganz bestimmt. Es ist so eine schöne Liebesbeziehung mit blauen Flecken. Noch existent, aber mit vielen Blessuren. Der Kunsthöhepunkt des Albums ist jedoch »Der Vogel, der nach Süden zieht«. Das ist ein Lied wie ganz früher, mit diesem ganz opaken, undeutlichen Text, den auch ich nur bedingt erklären kann.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aufnahmen
  • Heinz Rudolf Kunze
  • Karriere und beruflicher Werdegang
  • Schicksal
  • Rosbach
  • Redaktion
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.