20. Februar 2018, 11:00 Uhr

Ruine Nieder-Mörlen

Harter Rechtsstreit um Ruine in Nieder-Mörlen

Giebel ohne Dach, Löcher ohne Fenster: Eine Ruine an der Ortsdurchfahrt von Nieder-Mörlen dürfte lange unverändert bleiben. Weder Kreisbauamt noch Eigentümer wollen klein beigeben.
20. Februar 2018, 11:00 Uhr
Abriss oder Weiterbau? Der Eigentümer dieser Ruine in Nieder-Mörlen hat in erster Instanz Recht bekommen, doch das Kreisbauamt geht in die Berufung. (Foto: Nici Merz)

Viele Bürger aus Nieder-Mörlen und Auswärtige, die den direkt gegenüberliegenden Kaufland-Markt besuchen, werden sich inzwischen an den Anblick der Bauruine in der Frankfurter Straße 205 gewöhnt haben. Seit dem Frühjahr 2014 existiert das nackte Mauerwerk ohne Dach, weil sich Juristen darüber streiten, ob eine vom Kreisbauamt verfügte Abrissanordnung rechtlich in Ordnung ist.

Bislang heißt es: Vorteil Grundstückseigentümer, denn er hat vor dem Verwaltungsgericht Gießen Recht bekommen, müsste also nicht abreißen, sondern dürfte weiterbauen. Die Kreisverwaltung findet sich mit diesem Urteil vom September 2016 allerdings nicht ab, hat Berufung eingelegt.

Auf dem Grundstück in der Frankfurter Straße war vor Jahrzehnten ein Wohnhaus errichtet worden. Die Erben des verstorbenen Eigentümers verkauften das heruntergekommene Gebäude an Alen Hajdarevic aus Frankfurt, der mit seiner Familie ins beschauliche Nieder-Mörlen ziehen wollte. Für den Käufer war Vorsicht angesagt, weil es für das Areal keinen Bebauungsplan gibt, er musste sich bei der Sanierung mit den Regeln des Bestandsschutzes anfreunden.

Baustopp und Abrissverfügung

Wie ihm das Kreisbauamt erläuterte, müssen sämtliche Umbau- und Instandsetzungsarbeiten behutsam vorgenommen werden, um die Identität des Hauses nicht entscheidend zu verändern. Genau an diese Vorgaben hielt sich Hajdarevic nach Ansicht der Behörde nicht, im April 2014 wurde deshalb ein Baustopp erlassen, wenig später eine Abrissverfügung nachgereicht. »Durch die Vorgehensweise des Bauherren ist der Bestandsschutz erloschen«, hatte Kreispressesprecher Michael Elsaß vor zwei Jahren erklärt.

Wer sich die Ruine als Laie anschaut, würde dem Kreis zunächst Recht geben: Von dem ursprünglichen Gebäude steht so gut wie nichts mehr, fast alle Mauern sind neu. Der Eigentümer begründete diese Arbeitsweise mit der Baufälligkeit des gesamten Hauses – da sei kaum noch etwas zu retten gewesen. Zudem stehe im Gesetz nicht, wie viel Prozent eines Altbaus erhalten bleiben müssten, um den Bestandsschutz zu wahren.

Überraschendes Urteil

Etwas überraschend bekam Hajdarevic, der gegen die Abrissverfügung geklagt hatte, vor dem Verwaltungsgericht Gießen im September 2016 Recht. Die am Haus vorgenommenen Veränderungen seien durch die Baugenehmigungen noch gedeckt. Es sei unverhältnismäßig, den Eigentümer, der nach eigenen Angaben rund 300 000 Euro in Kauf, Sanierung und Umbau investiert hat, zum Abriss zu zwingen. Dieser Richterspruch wird vom Kreis nicht akzeptiert. Wie Pressesprecher Elsaß jetzt mitteilte, wurde Berufung eingelegt. Ein Prozesstermin vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel steht noch aus.

Unterdessen ärgert sich der Hauseigentümer immer wieder mit Vandalen herum, die seinen Zaun beschädigen. »Ich habe Anzeige erstattet, die Polizei hat aber bislang keine Täter ermittelt.« Die Einfriedung ist aus Sicherheitsgründen erforderlich, niemand soll die Ruine betreten können.

 

Infokasten

Warten auf Prozesstermin

Bei einigen Bewohnern von Nieder-Mörlen ist Alen Hajdarevic nicht gerade beliebt. Auch deshalb, weil er Kritiker seines Bauprojekts in der Bürgerschaft und in den Behörden im Gespräch mit der WZ als »Nazis« und »rassistische Leute« bezeichnet hatte. Wie Hajdarevic vor zwei Jahren weiter betont hatte, werde es zu seinen Lebzeiten keinen Abriss geben – und wenn es nur deshalb sei, um die Leute mit der Bauruine zu ärgern. Mit diesen harschen Äußerungen sei sein Mandat über das Ziel hinausgeschossen, räumte der Anwalt des Frankfurters vor dem Verwaltungsgericht Gießen ein. Jüngsten Aussagen zufolge will Hajdarevic auf jeden Fall weiterbauen. »Sollte der Verwaltungsgerichtshof gegen mich entscheiden, werde ich vors Bundesverwaltungsgericht ziehen«, sagte er. Sein Anwalt bemühe sich seit 13 Monaten vergeblich darum, endlich einen Verhandlungstermin in Kassel zu erhalten. (bk)

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