18. Januar 2019, 05:00 Uhr

Jahresbilanz

Handwerk freut sich über prall gefüllte Auftragsbücher

Im Zeichen des Baubooms stand der Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Wetterau. Angesichts übervoller Auftragsbücher herrscht in der Branche eitel Sonnenschein – mit kleinen Wolken.
18. Januar 2019, 05:00 Uhr
Harte Arbeit in schwindelerregender Höhe, die sich bezahlt macht. Auch im Dachdeckerhandwerk sind die Auftragsbücher für das neue Jahr bereits prall gefüllt. (Fotos: dpa/cor)

Im Wetteraukreis gibt es aktuell 4016 Handwerks- und handwerksähnliche Betriebe mit etwa 18 000 Beschäftigten. Wie im Vorjahr blicken die Unternehmer aus dem Kreisgebiet zufrieden auf die letzten zwölf Monate zurück. »2018 war ein auftragsreiches und erfolgreiches Jahr für das Handwerk«, sagte Kreishandwerksmeister Werner Ulowetz beim Neujahrsempfang im Spiegelsaal des Bad Nauheimer Hotels Dolce, wo sich zahlreiche Gäste aus Politik, Verbänden, Schulen und Betrieben eingefunden hatten.

Die wirtschaftliche Situation im Land bewertete Ulowetz in seiner Ansprache als äußerst positiv, das Handwerk sei gut ausgelastet. Auch in der Wetterau habe es 2018 erneut einen deutlichen Zuwachs an Aufträgen für das Handwerk gegeben. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage habe sich stark zugunsten der Betriebe verschoben.

Fragen nach Preiserhöhungen

Ähnliche Rahmenbedingungen erwartet der Kreishandwerksmeister auch für 2019. Die Auftragsbücher seien über Wochen und Monate gefüllt. »Oft werde ich gefragt, ob es dadurch Preiserhöhungen gibt«, sagte Ulowetz. Das Handwerk mache »gerechte Preise«. Steigende Ausgaben, unter anderem durch höhere Löhne oder Energiekosten sowie die Investitionen in die Zukunft, müssten dabei berücksichtigt werden. »Das Handwerk bekommt für eine solide Leistung die entsprechende Wertschätzung«, unterstrich Ulowetz. Seiner Ansicht nach hat sich das Image der Branche deutlich verbessert.

Ulowetz ging zudem auf die aktuelle Diskussion über eine Rückkehr zur Meisterpflicht in bestimmten Handwerksberufen ein. Entsprechende Überlegungen gibt es in der Bundesregierung. Vor 15 Jahren hatte Rot-Grün in Berlin eine grundlegende Reform durchgesetzt. Seitdem können sich Handwerker in 53 der 94 Berufe auch ohne bestandene Meisterprüfung selbstständig machen. Die Veränderung in der Branche, die seitdem eingetreten sind, lassen vor allem CDU-Politiker über eine Rückkehr zur Meisterpflicht nachdenken.

Für die Meisterpflicht

Auch Ulowetz schwärmt diesbezüglich von den alten Zeiten, hält Betriebe, die von einem Meister geführt werden, für einen wichtigen Faktor der Qualitätssicherung im Handwerk. »Ohne Meister gibt es keine Ausbildung«, betonte der Kreishandwerksmeister. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müsse die Branche um Nachwuchs werben und junge Leute ausbilden. »Mit knapp 20 Jahren bereits auf eigenen Füßen zu stehen und eigenes Geld zu verdienen, ist eine tolle Sache.« Mit dem Meisterbrief in der Tasche einen eigenen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen, sei ein weiterer Schritt zur Selbstverwirklichung.

Einen kritischen Blick warf Ulowetz auf die drohenden Diesel-Fahrverbote in Hessen. Das Wetterauer Handwerk lehne jede Art von Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge und die Einführung einer »blauen Plakette« ab. »Handwerksbetriebe dürfen nicht für die Fehler von Herstellern und Politik haftbar gemacht werden«, sagte der Kreishandwerksmeister. Vielmehr müssten die Autokonzerne technische Nachrüstungen anbieten und die Kosten dafür tragen. »Wenn saubere Fahrzeuge zur Verfügung stehen, muss der Austausch mit bezahlbaren und ausreichend langen Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen umsetzbar gemacht werden.«

 

Info

Stimmen aus den Innungen

Trotz der derzeitigen stabilen Auftragslage sei es langfristig nicht vorhersehbar, wie es weitergehe, erklärt Obermeister Harald Schnierle (Tischler-Innung) aus Schotten. Für eine Prognose müssten viele Faktoren berücksichtigt werden, auch die Folgen des Brexit. Wie würden Industrie und Zuliefererfirmen reagieren? Wie wirkten sich diese Entscheidungen auf die Handwerksbetriebe aus? »Ein überdurchschnittliches Jahr, generell positiv für das Handwerk«, bewertet Obermeister Patric Pfannmüller aus Assenheim (Dachdecker-Innung) 2018. »Wenn es so weitergeht, können wir zufrieden sein.« Auch wenn sich die Auftragslage irgendwann wieder normalisiere, müssten sich Fachkräfte keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen. Auf dieses Personal könnten Handwerksfirmen nicht verzichten. »Sie sind ein Qualitätsmerkmal für jeden Betrieb.« Die Zahl der Auszubildenden in der Wetterauer Dachdecker- branche sind laut Pfannmüller derzeit konstant. »Es ist aber schon schwer, motivierte Lehrlinge zu bekommen.« Eine intensivere Kommunikation zwischen Schulen, Schulamt, Innungen und Ausbildungsbetrieben sei diesbezüglich wünschenswert. In welchen Betrieben werden Praktika und Ausbildungsplätze angeboten? Wo liegen die Interessen der Schüler? Über solche Fragen müsse ein intensiver Austausch erfolgen. (cor)

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