06. Dezember 2018, 14:00 Uhr

Bürgerbündnis »WIR«

Fußgängertunnel nach Fauerbach? Vielleicht irgendwann

Das Bürgerbündnis »WIR« fordert die Verlängerung des Fußgängertunnels im Bahnhof bis nach Fauerbach. Das würde teuer, und gleich und sofort wird aus diese Idee wohl nichts.
06. Dezember 2018, 14:00 Uhr
Auf der Fauerbacher Seite des Bahngeländes stößt man an einen mehrere Meter hohen Abhang. Ob hier einmal der Fußgängertunnel des Bahnhofs zum Vorschein kommt? Wünchenswert allemal, aber auch finanziell machbar? (Foto: Nici Merz)

Moderator Dieter Fitsch nahm das (Wunsch-)Resümee des Abends vorweg: »Ja, das Ding wird gebaut. Wir wissen nur noch nicht wann.« Die Rede ist vom Durchstich des Fußgängertunnels im Bahnhof, ein Vorhaben, das die Mitglieder des Bürger-Bündnisses »WIR« mit viel Idealismus verfolgen. Aber ist es auch realistisch? Rund 50 Bürger kamen zum Info-Abend mit Vertretern von Bahn AG und Stadt.

Die Idee ist gut. Davon dürften alle Versammelten im Evangelischen Gemeindehaus in Fauerbach überzeugt gewesen sein. Selbst die Vertreter der Bahn, würde man sie nach ihrer persönlichen Meinung fragen. Die Bahn aber, so formulierte es Bahnhofsmanager Carsten Hoepfner am Dienstagabend, brauche den Tunneldurchstich nicht. Diese Baumaßnahme, die den in Fauerbach lebenden Bahnkunden den Weg zu den Gleisen erheblich verkürzen würde, wäre alleine im Interesse der Stadt. Friedberg müsste das Vorhaben bezahlen. Das könnte teuer werden.

Es gab einen Tunnel

Vielleicht kann man ein solches Vorhaben nur mit grenzenlosem Optimismus angehen. Einen Bahnhofsdurchstich nach Fauerbach habe es einmal gegeben, berichtete Klaus Kissel. In den 1950er-Jahren sei der Tunnel verfüllt worden. Mitte der 1990er-Jahre habe es eine Neuplanung gegeben, die aber verworfen wurde. Bei täglich über 20 000 Bahnnutzern und dem geplanten Ausbau der Main-Weser-Bahn sei ein solcher Tunnel wichtig, fasste Kissel die Position des Bürgerbündnisses zusammen. Die Mitglieder hatten Unterschriften gesammelt und beim Planfeststellungsverfahren Einwendungen gemacht. Ihre Forderung: Wenn die Gleisanlagen des Bahnhofs nun endlich saniert werden (Baubeginn ist Ende 2020), dann müsse auch gleich der Tunnel verlängert werden.

Die "WIR"-Sprecher (v.l.): Horst Weitzel, Klaus Kissel und Dieter Fitsch.	(Foto: Wagner)
Die "WIR"-Sprecher (v.l.): Horst Weitzel, Klaus Kissel und Dieter Fitsch. (Foto: Wagner)

Das wird wohl kaum der Fall sein. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) appellierte ans Bürgerbündnis, die anstehende Sanierung nicht zu verzögern. »Das ist ein wichtiges Projekt für Friedberg. Der Zeitplan darf sich nicht weiter hinausschieben.« Antkowiak stimmte dem Vorhaben zu. 2007 gaben Bahn und Stadt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Als 2013 die Planungsvereinbarung unterzeichnet wurde, war der Tunnel-Durchstich kein Thema mehr. Antkowiak: »Das Projekt ist an der Finanzierung gescheitert.« Die Kosten seien damals auf fast 8 Millionen Euro geschätzt worden.

Die Kosten? Noch unbekannt

Überhaupt die Kosten. Mal war von 8, mal von 9 und mal von nur 3 Millionen die Rede. Bahnhofsmanager Hoepfner steigerte dies: »15, 20 oder 50 Millionen – jede Zahl, die genannt wird, wird falsch sein.« Weil es keine aktuellen Berechnungen gibt. Und seit den Planungen der 1990er-Jahre habe sich vieles geändert, ergänzte Hoepfners Kollege Bernhard Wolf (DB Station und Service AG). Technisch sei die Verlängerung der Fußgängerunterführung möglich. Aber dann müssten Eigentumsverhältnisse zwischen den verschiedenen Bahn-Töchtern geklärt und jede Menge gesetzliche Vorschriften beachtet werden. »Eine ganz neue Planung wäre nötig.«

Kommt das Bürgerbündnis mit seiner Forderung zu spät? Auch das wurde in der Versammlung gefragt. Schließlich sei die bevorstehende Bahnhofssanierung lange bekannt. Horst Weitzel widersprach: »Wenn ein Planfeststellungsverfahren beginnt und die Bürger aufgefordert werden, Einwendungen zu machen, darf man sich hinterher nicht wundern, wenn es tatsächlich Einwendungen gibt.« Man darf sich, merkte nach der Veranstaltung ein Stadtverordneter an, aber auch nicht wundern, wenn diese Einwendungen zurückgewiesen werden – wie es in vielen Planfeststellungsverfahren der Fall sei.

 

Info

Noch ein Ass im Ärmel

Um den Tunnel-Durchstich nach Fauerbach zu realisieren, könne die Stadt Fördermittel beantragen, sagte eine Bürgerin. Der Wetteraukreis solle sich finanziell beteiligen, wurde angeregt: Die Hälfte der Fahrgäste komme aus der Umgebung. »WIR«-Mitglied Klaus Kissel zog am Ende der Veranstaltung noch ein Ass aus dem Ärmel: Er werde den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG kontaktieren. Dr. Richard Lutz sei in Friedberg aufgewachsen und habe sich stets geärgert, dass es keinen Fußgängertunnel nach Fauerbach gibt. (jw)

Es fehlen Parkplätze

Die Stadt hat vor Jahren ein schmales Grundstück am Bahndamm gekauft. Dort wurde ein Parkplatz für den Friedhof eingerichtet. Hier hätte die Unterführung enden sollen, wäre sie gebaut worden. Und heute? Die Parkplätze reichten nicht aus, sagte Antkowiak. »Die benachbarten Lebensmittelmärkte dürften nicht erfreut sein, wenn Bahnkunden dort parken.« In Bad Nauheim würden private Sicherheitsdienste die Parkplätze der Märkte kontrollieren und Knöllchen verteilen.

Muss es überhaupt ein Tunnel sein? Antkowiak schlug eine Brücke nach Fauerbach vor. Die Bürger verfolgten die Diskussion mit skeptischen Blicken. Ein Fauerbacher sprach ein weiteres Ärgernis an: Das Bahngelände gleiche einer Müllhalde, Gebäude seien verfallen, der Anblick erinnere an Kriegsgebiete in der Ukraine. Um das aufzuräumen, benötige man keine langen Planungsverfahren. »Das sollte auch so möglich sein.« Die Bahn-Vertreter gingen darauf nicht näher ein.

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