17. Oktober 2018, 17:00 Uhr

Ausschuss sagt Nein

Früheres Raiffeisen-Gelände: Investor scheitert mit Konzept

Der Plan der Firma Depant, auf dem früheren Raiffeisen-Gelände in Reichelsheim neben dem Netto-Markt Wohn- und Geschäftshäuser zu bauen, ist wohl gescheitert.
17. Oktober 2018, 17:00 Uhr
Ein Investor will in Reichelsheim drei vierstöckige Häuser mit Wohnungen, Arztpraxis und Geschäften auf den Brachflächen neben und gegenüber dem Netto-Markt bauen. Der Ausschuss ist skeptisch; das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung. (Fotos: sax)

Im Ausschuss für Infrastruktur, Stadtentwicklung Landwirtschaft und Umwelt hatte Uwe Hess, geschäftsführender Gesellschafter des Gießener Bauträgers Depant, die Pläne für das Projekt in der Raiffeisenstraße nochmals auch den zahlreichen Besuchern vorgestellt. Dabei zeigten sich bedeutende Abweichungen zu der Präsentation in der Stadtverordnetenversammlung. Hess räumte ein, dass die in der Stadtmitte bereits bestehende Apotheke nicht ins Erdgeschoss eines der drei Häuser ziehen werde. Es gebe aber Gespräche mit anderen Apotheken.

Er wies darauf hin, dass die Anforderung der Stadt, im Erdgeschoss Ladengeschäfte zu errichten, »eine ziemliche Herausforderung« sei. Ausführlich erläuterte er das Konzept der Häuser, die in dieser Ausführung bereits in anderen Kommunen gebaut worden seien, was den Planungsaufwand verringere. Dabei betonte Hess: »Die Wohnungen sollen eine gewisse Größe nicht überschreiten, damit sich das jeder leisten kann.«

Das sind wunderschöne Häuser, nur leider an der falschen Stelle

Holger Strebert

»Das sind wunderschöne Häuser, nur leider an der falschen Stelle«, eröffnete Holger Strebert (SPD-Fraktion) die Diskussion. »Als ich die Höhe gesehen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen.« Auch dass Hess plant, eine weitere Apotheke in einem der drei Häuser unterzubringen, lehnte Strebert ab. »Muss man einer Firma, die 200 Meter entfernt ansässig ist, das Leben schwer machen?« Hess erwiderte, die Stadt habe mit dem Netto-Markt auch Konkurrenz zu Rewe zugelassen. Er werde an den Planungen für die drei Häuser, insbesondere an der Höhe, keine Änderungen akzeptieren. »Wenn Sie sagen, es ist zu hoch, heißt das, man muss eine Etage weglassen. Dann ist das Objekt wirtschaftlich tot.«

Obwohl die Ausschussmitglieder engagiert diskutieren, können sie sich nicht für eine Unterstützung des Projekts entscheiden.
Obwohl die Ausschussmitglieder engagiert diskutieren, können sie sich nicht für eine Unter...

Bürgermeister Bertin Bischofsberger relativierte die Kritik an den zwölf Meter hohen Häusern. Das erste Gebäude in der Florstädter Straße sei auch über elf Meter hoch. Zudem erinnerte er daran, dass die Stadt für das frühere Raiffeisengelände eine Innenverdichtung, eine »Neue Mitte«, vorgesehen habe. Um die Kosten für die Erschließung zu decken, sei ein Quadratmeterpreis von 300 Euro nötig. »Es wird schwierig, jemanden zu finden, der das ganze Gelände nimmt und alles aus einem Guss entwickelt.« Ein weiteres Argument sei den Mangel an Mietwohnungen.

Stadtverordnetenvorsteherin Lena Herget (SPD) hakte nach, ob wirklich jeder sich, wie Hess gesagt hatte, die Wohnungen leisten könne. Hess rechnete vor, dass, wenn die Käufer der Eigentumswohnungen diese vermieteten, ein Quadratmeterpreis von rund zehn Euro und damit bei einer 55-Quadratmeter-Wohnung eine Kaltmiete von 550 Euro zu erwarten sei. »Es wird sich nicht jeder leisten können«, korrigierte er seine vorherige Aussage. Dennoch rechne er mit einem schnellen Verkauf der Wohnungen und dadurch mit einer Entlastung des Wohnungsmarkts.

 

HLG sieht mehr Chancen als Risiken

Um sicherzustellen, dass sich auch tatsächlich Ärzte ansiedelten, könne in den Kaufvertrag dies als aufschiebende Bedingung aufgenommen werden, schlug Hess vor. Wenn kein Mietvertrag für eine Arztpraxis geschlossen werde, könne der Kaufvertrag für die Grundstücke wieder aufgelöst werden. Günther Thias, Projektleiter der HLG, die das Gelände für die Stadt erschlossen hat, sagte, er sehe in dem Projekt mehr Chancen als Risiken für die Stadt.

Auch Arne Appel (CDU) konnte dem Projekt positive Seiten abgewinnen. Die Gestaltung der Wohnungen sei durchdacht. Uwe Priebe (FW-Fraktion) hingegen kritisierte es als »gewinnorientiert«. Dr. Erich Sehrt (CDU) empfahl entschieden, das Projekt zu ermöglichen. Zwar räumte auch er Nachteile ein, warnte aber davor, den Investor ziehen zu lassen: Er sei bereit, den Grundstückspreis zu zahlen und Vorstellungen der Stadt umzusetzen. Sein Appell blieb wirkungslos: Nach einer Sitzungsunterbrechung entschieden sich die Ausschussmitglieder, keine Beschlussempfehlung abzugeben. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung.

Info

Pflegeheim in Weckesheim

Der in Gießen ansässige Investor Depant Bauträger GmbH errichtet derzeit das Altenwohn- und -pflegeheim im Weckesheimer Neubaugebiet. Die Vermarktung der Immobilie mit zwölf betreuten Wohnungen und 69 Appartements läuft nach Aussagen des Investors auf Hochtouren. (dab)

 

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