23. Oktober 2018, 15:00 Uhr

Neu: Krimiführung in Friedberg

Friedberg: Wo einst Mörder »gedäumelt« und gefoltert wurden

Mord und Totschlag, Brandstiftung und ein Bombenattentat – Friedberg war zu früheren Zeiten ein heißes Pflaster. Wo wer um die Ecke gebracht wurde, erfährt man bei der Krimi-Führung.
23. Oktober 2018, 15:00 Uhr
Stadtführer Helmut Schilling (l.) mit Kollegen vor dem Roten Turm: Um den Gefangenen Geständnisse zu entlocken, wurde mit Daumenschrauben nachgeholfen. (Foto: Wagner)

In Friedberg gibt es viel zu sehen, mehr als in manch anderer vergleichbar großen Stadt. Doch neben Stadtkirche, Judenbad, Burg mit Adolfsturm und Römerbad, Wetterau-Museum, einem »lachenden Friedberger« in einer Bruchsteinmauer und weiteren Sehenswürdigkeiten gibt es noch viel mehr aus alten Tagen zu erzählen – von Kriminalfällen, furchtbaren Taten, verheerenden Feuersbrünsten, von üblen Beleidigungen und Aufwiegelung zur Revolution.

Der pensionierte Bibliothekar Helmut Schilling ist nicht nur Stadtführer. Er ist auch der »Chef« des Krimi-Treffs im Bibliothekszentrum Klosterbau (das er gerne »Bibliothekszentrum Klosterbräu« nennt). Da lag es nahe, dass er sich die Stadtchronik vornahm und nach spektakulären Verbrechen durchsuchte. Die Stadtverwaltung hat in den letzten Monaten neue Konzepte für den Tourismus entwickelt. Demnächst soll Whiskey-Tasting im Adolfsturm angeboten werden. Ein Testlauf war vielversprechend, alle Tester kamen wieder heil vom Turm runter. Auch die Krimiführung am Freitagabend ist ein Testlauf. Kollegen von Schilling sind dabei, Stadtverordnete, Gewerbetreibende, die in einem Tourismus-Workshop neue Formate ausprobieren, wie Sigrid Bartsch vom Kulturservice der Stadt erläutert.

 

Leiche durch die Stadt gezogen

Wie bei jedem Krimi gilt: Es soll nicht zu viel verraten werden. Die Grausamkeit, mit der die Gefangenen im versteckt hinter der Marienkirche gelegenen Roten Turm behandelt wurden, ist erschreckend. Um Geständnis zu erzwingen, wurde die Delinquenten »gedäumelt«, sprich: Ihnen wurden Daumenschrauben angelegt. Und nicht selten zog der Scharfrichter die Leiche des Verurteilten hinterm Pferd durch die Stadt, als abschreckendes Beispiel.

Betroffenheit vor der Grabplatte der Maria Winkler, versteckt in einer Nische unweit des Fünffingerplatzes: Die zwölfjährige Müllerstochter wurde 1561 vergewaltigt und ermordet. Der Täter wurde nie gefasst. Er wurde zuvor vermutlich im Bordell des Scharfrichters von einer Hure abgewiesen. Schilling erzählt auch von der Feuerbrunst von 1447, die gesamte Altstadt stand in Flammen. Als die Stadt Wetzlar den Brandstifter wegen anderer Delikte fasste und hinrichten ließ, schickte der Friedberger Magistrat ein Dankschreiben nach Wetzlar.

Am Ende der Krimi-Lesung stimmt Helmut Schilling mitten auf der Kaiserstraße das »Heckerlied« an. Verhaftet wird er deshalb nicht, er lässt vorsorglich die zweite Strophe weg (»Fürstenblut muss fließen, knüppelhageldicht«). Ob er das Lied auch vor 170 Jahren gesungen hätte? Damals wurden zwei Studenten des Lehrerseminars verwiesen, nachdem sie den Hochgesang auf den badischen Revolutionär angestimmt hatten. Den Radikalenerlass gab es nicht nur in den 1970er-Jahren, sondern auch schon 1848.

Die erste reguläre Krimi-Führung durch die Friedberger Altstadt beginnt am Donnerstag, 8. November, um 17.30 Uhr am Modell der Stadtkirche. Kosten: 5 Euro. Dauer: etwa eineinhalb Stunden.

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