13. März 2018, 05:00 Uhr

Rätsel um Kippen

Feuer in Ranstadt: 35-Jähriger bestreitet Brandstiftung am Haus seiner Ex-Freundin

Ein 35-Jähriger wird beschuldigt, Feuer vor dem Haus seiner Ex-Freundin in Ranstadt gelegt zu haben. Der Mann bestreitet das. Doch ein Zeuge will ihn beobachtet haben.
13. März 2018, 05:00 Uhr
Der 43-jährige Angeklagte – hier mit Verteidiger Frank Richtberg – bestreitet, ein Brandstifter zu sein. (sha)

Die Haustür brannte schon. Da war sich der Zeuge sicher. »Die ganzen Zimmer waren verraucht«, sagte der Nachbar am Montag vor der Schwurgerichtskammer des Gießener Landgerichts. Wer der Täter war, stand für den Ranstädter auch fest: der 35 Jahre alte Angeklagte. »Der hat hier doch immer Theater gemacht.«

Was »Theater« heißt, erklärte der Mann den Richtern ebenfalls. »Der stand hier häufiger vor der Haustür, hat gedroht und öfter auch randaliert.« Gesehen hat der Nachbar das aber nicht, sondern nur von dem Opfer gehört. Er ist eigenen Worten zufolge mit der 28-Jährigen befreundet. Die Frau wohnt in seiner Nachbarschaft. Sie habe ihn immer wieder angerufen, wenn sie sich von ihrem Ex-Freund – dem Angeklagten – belästigt und bedroht gefühlt habe. Einmal habe er den Beschuldigten auch tatsächlich vor der Haustür gesehen und angesprochen, aber der 35-Jährige sei »abgehauen«.

 

Nur vor dem Haus gesessen?

Der mutmaßliche Täter bestreitet, das Feuer vor der Haustür seiner früheren Lebensgefährtin gelegt zu haben. Eigener Aussage zufolge hat er am Tattag, dem 8. August vergangenen Jahres, nur auf einer Holzbank vor dem Haus gesessen und Zigaretten geraucht. Die Kippen will er einfach weggeschnippt haben. Weil seine Ex nicht da war, gab er an, das Sitzmöbel hochkant vor die Haustür gestellt zu haben – »als Zeichen, dass ich da war«.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem anderen Sachverhalt aus: Demnach hat der kleingewachsene Mann die Bank absichtlich angesteckt, weil er nicht überwunden habe, dass die Ranstädterin sich von ihm getrennt hatte. Versuchter Mord und schwere Brandstiftung lauten die Vorwürfe. Zum Glück wurde niemand verletzt. Zwar hielt sich das Opfer an jenem Augustabend nicht zu Hause auf, aber die Mutter und mehrere Geschwister waren in dem Gebäude. Weil der 43-jährige Zeuge aber rechtzeitig Alarm schlug, konnten diese das Haus unversehrt über einen anderen Eingang verlassen.

Am Montag wies Verteidiger Frank Richtberg auf einen Aspekt hin, der Rätsel aufgibt: In dem Brandschutt wurden Zigarettenkippen gefunden, die nicht verbrannt waren. Handelt es sich womöglich um Kippen des Angeklagten, die ein anderer später absichtlich am Tatort platziert hatte?

 

Annäherungsverbot verhängt

Auf Nachfrage erläuterte Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze, dass die Zigaretten tatsächlich in dem Bauschutt gefunden worden waren. Das habe ein Polizeibeamter mitgeteilt. Möglicherweise wird die Kammer einen Sachverständigen für Brandgutachten hinzuziehen, um zu klären, ob diese Stummel sich auch zum Zeitpunkt der Brandlegung am Tatort befinden konnten, ohne selbst Feuer zu fangen.

Wie auch immer dieser Prozess am Freitag ausgehen wird – das Opfer sollte von dem mutmaßlichen Täter nicht mehr belästigt werden. Bereits im September verfügte ein Richter des Büdinger Amtsgerichts nach dem Gewaltschutzgesetz, dass der mehrfach vorbestrafte Mann sich ihrer Wohnung nicht mehr bis auf weniger als 20 Meter nähern darf.

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