15. April 2019, 11:00 Uhr

Spitzenfrau

Evelyn Zielke führt Regie im Bad Nauheimer Best Western

Einer TV-Serie hat Evelyn Zielke ihren Traumberuf in der Hotellerie zu verdanken. Seit 2007 leitet sie das Best Western Hotel Rosenau in Bad Nauheim – mit offenen Worten und viel Herzenswärme.
15. April 2019, 11:00 Uhr
Einer Fernsehserie hat Evelyn Zielke ihren Traumberuf in der Hotellerie zu verdanken. Inzwischen leitet sie seit zwölf Jahren das Best Western Hotel Rosenau in Bad Nauheim – mit offenen Worten und viel Herzenswärme. (Foto: Nici Merz)

Spitzenfrauen

In unserer Serie »Spitzenfrauen« stellen wir Wetterauerinnen in Spitzenpositionen vor.

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Das Fernsehen ist schuld: die amerikanische Serie »Hotel«. »Das war eine andere Welt, in der man selbst nicht lebte«, erinnert sich Evelyn Zielke. Eine Welt, in der verschiedene Nationalitäten, aber auch Hierarchien aufeinander trafen. Heute ist sie selbst Teil dieser Welt – im echten Leben. Und sie ist die Regisseurin. Zumindest in Bad Nauheim, im Best Western Hotel Rosenau.

Man muss die Fernsehserie »Hotel« nicht kennen, um zu wissen, dass Evelyn Zielke die Idealbesetzung gewesen wäre. Sobald die Hoteldirektorin über ihre Arbeit spricht, vor allem über ihre Kollegen und die Gäste, strahlen ihre Augen.

 

Gutes Gespür für Menschen

Ihre westfälische Herkunft ist noch leicht zu hören, aber angesichts des Umzugs in Kindertagen nach Nidda darf Evelyn Zielke getrost als Wetterauerin bezeichnet werden. Nach der Ausbildung zur Verkäuferin wechselte sie den Wohnort – und die Branche: In Mannheim lernte sie alles, was eine Hotelfachfrau können muss. Ihre damalige Chefin scheint ein ebenso gutes Gespür für Menschen gehabt zu haben, wie Zielke es heute selbst hat: »Dich muss man ins Wasser schubsen, damit Du Dich freischwimmst.«

Ja, sagt die 52-Jährige, sie liebe neue Aufgaben. Stets hat sie dabei Erfolg. Sagt dann aber lieber: »Erst traut man es sich nicht zu, und dann klappt es ja doch.« Im Mittelpunkt mag sie nicht stehen. Deshalb wäre ihre Rolle bei »Hotel« wahrscheinlich auch nicht vor der Kamera gewesen, sondern auf dem Regie-Stuhl.

 

Nichts Menschliches fremd

Alle zwei, drei Jahre habe es in den Fingerspitzen gekribbelt, die nächste Herausforderung musste her, sie sah sich nach einem neuem Job um. Das sei normal in der Hotellerie – abenteuerlustig sollte man schon sein. Ihre Posten als Sekretärin und Rezeptionistin, später als Direktionsassistentin, führten sie in die Schweiz, nach Stuttgart und an die Bergstraße. Sie arbeitete in Familienhotels, in Ferienhotels, in Tagungshotels. Zweimal bereitete sie Hoteleröffnungen vor und kümmerte sich in Fünf-Sterne-Häusern um die Einrichtung der angeschlossenen Wohnungen. »Dann der große Moment, nachdem man in zig Möbelhäusern eingekauft hat und alles fertig war: Passt es?« Das tat es immer.

Wer in Evelyn Zielkes Augen schaut, erkennt darin nicht nur pure Freude am Beruf, sondern ahnt auch, dass diesen Augen nichts Menschliches fremd ist. Darüber tratschen kommt aber nicht in Frage. »Die Gäste bringen uns großes Vertrauen entgegen. Ich würde nie wagen, über Privates zu sprechen.«

 

Gerne alleinerziehende Frauen

Auch Firmengeheimnisse bekam sie mit, wusste von anstehenden Übernahmen oft früher als die Vorstände oder die Presse. Doch auch aus manch geschäftlichen Verbindungen, die sie zwischen ihren Gästen knüpfte, zog sie keinen Vorteil. »Mir wurde häufiger gesagt, dass ich dafür viele, viele Tausend Euro hätte verlangen können. Aber ich mache es aus dem Herzen heraus.« Und – das nimmt man ihr wirklich ab.

Evelyn Zielke bezeichnet ihre Kollegen und Gäste als Familie. Tatsächlich wäre es als Chefin in dieser Branche, mit Arbeitszeiten rund um die Uhr, wohl schwierig, sich auch noch um Kinder zu kümmern. »Mein Beruf füllt mich sehr aus, das hat mich nie traurig gemacht.« Bei Männern sei das immer noch etwas anderes; mit einer starken Frau im Hintergrund sei vieles möglich. Oft habe sie hingegen miterlebt, wie für Frauen der Weg auf der Karriereleiter mit Bekanntgabe der Schwangerschaft endete. Jetzt, als Chefin, hat sie die Chance, es anders zu machen. Sie stelle zum Beispiel bewusst auch alleinerziehende Frauen ein, weil sie wisse, dass sie es nicht einfach haben.

 

Ruf des Hauses wiederhergestellt

Mit offenen Worten und viel Herzenswärme leitet Zielke ihr 21-köpfiges Team im Best Western Hotel Rosenau in Bad Nauheim. Eine Headhunterin brachte sie 2007 zurück in die Wetterau. »Hätte ich damals um die ganzen Probleme hier gewusst, hätte ich den Job nicht angenommen«, sagt sie lachend. Dass das Hotel heruntergewirtschaftet war, sah sie. Dass es zehn Jahre zuvor in der Insolvenz war, erfuhr sie erst später. Wieder Lieferanten zu finden, die Brandschutz-Bestimmungen zu erfüllen, die Räume zu modernisieren, »das war sehr, sehr viel Arbeit«. Doch nicht sie allein habe das geschafft, sondern alle zusammen im Team.

Inzwischen hat Zielke den Ruf des Hauses mehr als wiederhergestellt – und sich dadurch viele Freiheiten beim Leiten des Hotels mit 54 Zimmern und sieben Veranstaltungsräumen erarbeitet. »Früher habe ich für jeden Kugelschreiber einen Bestellzettel ausgefüllt. Heute freut der Eigentümer sich über alles, was ich vorhabe.«

Kribbelt es allmählich wieder in den Fingerspitzen? »Nein! Hier gibt es so viele neue Herausforderungen. Nachdem ich das ganze Haus renoviert habe, kann ich gerade wieder von vorne anfangen.« – Fortsetzung folgt.

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