30. Dezember 2018, 06:00 Uhr

Hochwasser

Erinnerungen in Wölfersheim: Als der Waschbach zum Fluss wurde

Schaut man in der Wetterau auf 2018 zurück, muss man auch an das Hochwasser im Mai in Berstadt und Wohnbach denken. Eine Berstädterin erinnert sich noch gut an jene Nacht.
30. Dezember 2018, 06:00 Uhr
Alles voller Wasser: Eine Situation, die viele vorgefunden haben, als sie Ende Mai in ihre Gärten gekommen sind.

Der Waschbach tritt übers Ufer? »Im Leben nicht.« Als Ingrid Weber ihrer Tante von den Überschwemmungen erzählte, wollte die es kaum glauben. Und doch: Im Mai standen sämtliche Gärten unter Wasser, auch der von Ingrid Weber. Nachts um 1 Uhr fing es an – »ich schlafe bei offenem Fenster und habe mich gewundert, warum es draußen so plätschert«. Sie ging in den Garten – und stand knietief im Wasser. Wie so viele, die in dieser Nacht am letzten Mai-Wochenende vor die Tür gegangen waren. Es hatte geregnet und gehagelt – und der Waschbach war den Massen an Wasser nicht gewachsen.

Als wir über die Autobahn drüber waren, hat es geschüttet wie aus Eimern

Gemeindebrandinspektor über die Hochwassernacht

Ingrid Weber wohnt wenige Meter vom Ufer entfernt. Dass dieses kleine Bächlein einmal überläuft und das Wasser mit einer »Wahnsinnskraft« die umliegenden Grundstücke flutet, hätte sie nicht gedacht. Und doch stand ihr Garten in jener Nacht unter Wasser. Die Feuerwehr sei zu diesem Zeitpunkt allerdings nur bei den Nachbarn gewesen. »Dort ist das Wasser in den Keller gelaufen«, habe eine Gefriertruhe umgeworfen. In Webers Keller war noch alles trocken. Die böse Überraschung gab es erst am Montagmorgen, wie sie erzählt: Auch ihr Keller war voller Wasser – Grundwasser, das im Nachhinein ausgetreten war. »Ich habe die Feuerwehr gerufen«, zwei Stunden hätten die Wehrleute gepumpt. Dann sei noch für einige Tage eine eigene Pumpe in Betrieb gewesen.

Eigentlich nur ein kleiner Bach – doch im Mai ist der Waschbach über die Ufer getreten und zu einem Fluss geworden. 	(Foto: sda)
Eigentlich nur ein kleiner Bach – doch im Mai ist der Waschbach über die Ufer getreten und...

Wie Ingrid Weber ging es einigen Anwohnern in Berstadt und Wohnbach. In der Nachbarschaft sei eine ganze Kellerwohnung überschwemmt worden. In Wohnbach gab es vor allem Probleme durch einen Rückstau in der Kanalisation. Die Feuerwehr, die in dieser Nacht an vielen Stellen im Einsatz war, hatte etwa in der Berstädter Straße mit Schlamm zu tun. Die Wehr war außerdem in der Obbornhofener Straße, Im Wiesengrund, An den Kappesgärten, im Wiesenweg und in der Eichendorffstraße.

In den Burggärten östlich von Berstadt sind mindestens 16 Hühner sowie einige Kaninchen und Meerschweinchen ertrunken.

Eigentlich nur ein kleiner Bach – doch im Mai ist der Waschbach über die Ufer getreten und zu einem Fluss geworden. Zahlreiche Gärten in Berstadt standen unter Wasser, manche Anwohner hatten auch überflutete Keller.	(Foto: pv)
Eigentlich nur ein kleiner Bach – doch im Mai ist der Waschbach über die Ufer getreten und...

Gemeindebrandinspektor Roland Bender berichtete damals über die Begrenzung des Unwetters. Über Södel, Melbach und Wölfersheim sei kaum etwas gewesen. »Als wir über die Autobahn drüber waren, hat es geschüttet wie aus Eimern.«

Noch am nächsten Tag habe der Waschbach die Größe eines Flusses gehabt. Heute, mehr als ein halbes Jahr später, ist das schon wieder kaum vorstellbar. Dennoch: Ingrid Weber hat Sorge, dass bei einem erneuten Unwetter eine ähnliche Situation eintreten könnte.

Info

Ärger um Einsatzkosten

Für Ingrid Weber aus Berstadt war die mit dem Hochwasser verbundene Überschwemmung ihres Kellers an sich schon ärgerlich. »Am Allerschlimmsten war aber, was vier Wochen später kam«, sagt sie: eine Rechnung von der Gemeinde für den Feuerwehreinsatz. »478 Euro musste ich zahlen, ich dachte mir, das kann ja wohl nicht sein.« Sie habe den Bürgermeister angeschrieben, der habe jedoch darauf verwiesen, dass es sich um keine Katastrophe gehandelt habe. Bürgermeister Eike See sagt gegenüber der WZ dazu: »Als Gemeinde sind wir verpflichtet, diese Gebühren zu erheben.« Die Gebührenfreiheit eines Einsatzes berufe sich auf das Hessische Brand- und Katas-trophenschutzgesetz: Eine Katastrophe liege erst vor, wenn der Kreis Katastrophenalarm auslöst. Das sei an jenem Wochenende nicht geschehen. »Die Entscheidung, ob Gebühren erhoben werden oder nicht, liegt also nicht in unserem Ermessen. Daher achten wir bei der Berechnung der Gebühren darauf, dass nur die notwendigen Einsatzkräfte und Fahrzeuge berechnet werden und nicht die Zahl der tatsächlich anwesenden Personen, die meist höher liegt.«

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