Auf Pattons Spuren

Enkelin des Weltkrieg-Generals zu Besuch

Helen Patton, Enkelin von General George Smith Patton jr. III., war am Freitag in Bad Nauheim. Hier hatte ihr Großvater als Befehlshaber der 15. US-Armee 1945 gelebt.
21. November 2017, 11:00 Uhr
Helen Patton macht am ehemaligen Grand Hotel Station, in dem der General seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. (Foto: pv)

Helen Patton war anlässlich der Vorstellung des zweiten Bandes von »Amerikanische Spuren in Bad Nauheim« auf Einladung der Stadt und der Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« angereist. Auch ihr Großvater wird in dem Buch thematisiert. Bürgermeister Klaus Kreß nahm den Besuch der Enkelin zum Anlass, die engagierte Künstlerin um einen Eintrag in die »prominenteste Unterschriftensammlung Bad Nauheims«, das Goldene Buch der Stadt, zu bitten.

Kreß würdigte den unermüdlichen Einsatz Helen Pattons für die Fortsetzung des Friedens in Europa, den ihr Großvater 1945 mit herzustellen geholfen habe. In Bad Nauheim sollte General Patton historische Daten zu den alliierten Operationen sammeln, taktische Lehren aus dem Krieg dokumentieren.

Als Erinnerungsstück hat Patton einen Militärmantel ihres Großvaters dabei.	(Foto: cor)
Als Erinnerungsstück hat Patton einen Militärmantel ihres Großvaters dabei. (Foto: cor)

Als Mitbegründerin des 101. Airborne Museums im belgischen Bastogne, das eine der bedeutendsten Sammlungen zur Geschichte der Ardennenschlacht besitze, und mit ihren zahlreichen Beiträgen zu Gedenkfeiern und Einweihungen von Weltkrieg-Gedenkstätten leiste sie seit vielen Jahren einen großen Beitrag für die Erinnerungsarbeit in verschiedenen europäischen Ländern. Der Bürgermeister erwähnte unter anderem ihre Ehrung durch den ehemaligen französischen Präsidenten Hollande als »Ritter der Ehrenlegion 2014«. Nicht zuletzt engagiere sie sich seit 2005 mit der »Patton Stiftung: Sustainable Trust« für den kulturellen Austausch und den künstlerischen Dialog in Krisenregionen wie dem Balkan, Afrika oder dem Nahen Osten. »Umso mehr freuen wir uns, dass Sie mit Ihrer Unterschrift einen weiteren Glanzpunkt in das Goldene Buch der Stadt setzen.«

 

Buchenwald-Gefangene befreit

 

Nach dem feierlichen Akt dankte Patton dem Bürgermeister mit »Patton Champagner« und feiner Schokolade aus Frankreich. Die quirlige Frau brachte auch noch ein Friedenslied der österreichischen Rockband STS mit. Patton hatte als Kind und später mit ihrer Familie einige Jahre in Deutschland gelebt und hier wie ihr Vater, Generalmajor George Smith Patton IV., und wie der Großvater unter anderem eine tiefe Freundschaft mit der Familie Rommel gepflegt.

Helen Patton (Mitte). hat eine Originaltapete aus der Villa geschenkt bekommen, in der ihr Großvater einst gelebt hatte; links Brigitte Faatz und rechts Armin Häfner.	(Foto: pv)
Helen Patton (Mitte). hat eine Originaltapete aus der Villa geschenkt bekommen, in der ihr...

Nicht nur der Militärmantel ihres Großvaters, den Patton den Gästen als eines ihrer Erinnerungsstücke präsentierte, rief einige legendäre Entscheidungen des militärisch äußerst erfolgreichen, aber auch eigenwilligen und umstrittenen Generals ins Gedächtnis: Insbesondere die Rheinüberquerung gegen den Willen des alliierten Oberkommandos auf einer Pontonbrücke im März 1945, die dazu beigetragen hat, den Zweiten Weltkrieg in Europa zu verkürzen. Auch die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April 1945 mit der siegreichen 3. US-Armee ist in die Geschichte eingegangen. Patton befahl 1000 Weimarer Bürgern, sich das Lager anzusehen.

 

Bürgermeister Kreß darf sich über Mitbringsel freuen. (Foto: all)
Bürgermeister Kreß darf sich über Mitbringsel freuen. (Foto: all)



Nach Kriegsende verhinderte er die Hinrichtung einiger deutscher Soldaten an der tschechischen Grenze, darunter die des Großvaters von Helen Pattons Mann. Die Erinnerungen an ihren Großvater haben Helen Patton auch persönlich geprägt. Gern zitiert sie, was er für den größten Fehler des Militärs gehalten hat: »to think we are more powerful than God« (übersetzt: zu denken, dass wir mächtiger sind als Gott). Sich diesen Gedanken zu vergegenwärtigen, sei auch heute angesichts von Flucht und Migration, Kriegen und Umweltzerstörung das Gebot der Stunde.

General Patton war aber auch umstritten, und nach Bad Nauheim wurde er strafversetzt (ein Bericht über die »Amerikanischen Spuren« und damit auch zu diesem Themenkomplex folgt).

Info

Original-Tapete als Erinnerung

Helen Patton hat die Stadtführung, zu der die Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« eingeladen hatte, sehr genossen. Ihr Präsident a. D. Armin Häfner und Stadtarchivarin Brigitte Faatz zeigten ihr Stätten, an denen ihr Großvater, US-General George Smith Patton jr. III., gewirkt hatte. Darunter das Grand Hotel, in dem das amerikanische Hauptquartier untergebracht war. Besichtigt wurde auch der Sprudelhof mit dem Büro des amerikanischen Stadtkommandanten Colonel Knight im Verwaltungsgebäude. Ein Höhepunkt war die Besichtigung der Villa unter dem Johannisberg, in der Pattons Großvater während seiner letzten Lebensphase gewohnt hatte. Von der Gastfreundschaft der Eigentümer war Helen Patton geradezu überwältigt. Und diesen war es eine große Ehre, dem prominenten Gast als persönliches Geschenk ein Stück eingerahmte Original-Tapete mit Rosendekor aus dem 1913 erbauten Gebäude zu überreichen. (all)

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