04. März 2018, 21:38 Uhr

Landratswahl

Endspurt: Weckler und Becker-Bösch sehen gute Chancen

Keine Überraschung bei der Landratswahl: Jan Weckler (CDU) und Stephanie Becker-Bösch (SPD) gehen in zwei Wochen in die Stichwahl. Beide rechnen sich gute Chancen aus.
04. März 2018, 21:38 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Etappensieg: CDU-Kandidat Jan Weckler wird von den eigenen Anhängern im Plenarsaal des Kreishauses gefeiert. (Foto: Nici Merz)

Die erste Runde der Landratswahl geht an die »GroKo«-Kandidaten: Jan Weckler (CDU) und Stephanie Becker-Bösch (SPD) ziehen in die Stichwahl ein, Thomas Zebunke (Grüne) und Daniel Libertus (FDP) scheiden nach dem ersten Wahlgang aus. Damit fällt erst am 18. März die Entscheidung, wer neuer Landrat oder auch neue Landrätin der Wetterau wird.

Mit 44,3 Prozent liegt Weckler klar vorne, Becker-Bösch folgt mit elf Punkten Rückstand und 33,3 Prozent. »Ich habe mein erstes Ziel erreicht, jetzt geht’s in den Endspurt«, sagte Weckler, als gegen 19.30 Uhr nur noch wenige Wahlbezirke fehlten. »Die CDU-Mitglieder sind hochmotiviert. Ich bin zuversichtlich, dass Jan Weckler das schafft«, sagte CDU-Kreisvorsitzende Lucia Puttrich.



Becker-Bösch macht sich ebenfalls noch »sehr gute Chancen« auf den Wahlsieg: »Der Abstand beträgt nur 7000 Stimmen. Auf die beiden ausgeschiedenen Kandidaten entfielen alleine 16 000 Stimmen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Wetterauer bereit sind für eine Frau an der Spitze des Kreises.«

 

Zweistelliges Ergebnis für Zebunke

 
Fotostrecke: Impressionen vom Wahlabend aus dem Kreishaus Friedberg

Auch die Unterlegenen gingen mit erhobenem Kopf aus dem Ring. Zebunke wurde von den Grünen mit Applaus und Blumen im Plenarsaal empfangen. »Wer die Blumen fängt, ist der nächste Kandidat«, scherzte er in die Runde. »Zweistellig war Pflicht. Das war das beste Ergebnis, dass die Grünen bislang bei einer Landratswahl erreicht haben. Wir haben die Themen gesetzt.« »Enttäuscht? Nein«, sagte auch Libertus und dankte seinem Team »für die gute Unterstützung«. Das Ergebnis sei der Kürze der Zeit geschuldet.

 

Erneut niedrige Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung lag bei mageren 31,7 Prozent. Mehr als vor vier Jahren bei der Wiederwahl von Joachim Arnold (SPD), als es einen Negativrekord von 28,8 Prozent gab. Die fünf Bürgermeisterwahlen – bei denen die SPD-Kandidaten allesamt triumphierten – trieben die Zahlen nach oben. Bei der Stichwahl in zwei Wochen ist dies nicht mehr der Fall. Viele Beobachter befürchten einen tieferen Wert. 31,7 Prozent heißt, dass fast 70 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuz verweigerten. Ein hoher Prozentsatz der Nichtwähler dürfte sich wie ein junger Mann aus Bad Nauheim fragen, »warum die Schule heute geöffnet ist«. »Landratswahl? Echt? Was macht denn so ein Landrat?«

Es war kalt und die Wege waren glatt. Reicht das als Erklärung für den geringen Zulauf? Wohl kaum. Die Kandidaten und vor allem ihre Wahlhelfer traten sich bei lausigen Minustemperaturen an den samstäglichen Wahlständen die Beine in den Bauch und verteilten Waffeln oder heißen Apfelwein (zumindest jene Parteien, die das organisatorisch auf die Reihe bekamen; das waren aber nicht alle). Die CDU konnte am Freitag vor der Wahl noch einmal die Massen in Friedberg begeistern: Für das Wahlvolk auf dem Elvis-Presley-Platz gab es Selfies mit dem Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sowie kostenlos Bratwürste und Apfelwein. »Die haben das richtig gemacht«, seufzte ein Grüner.

 

Kommentar

Abschaffen

Würde man behaupten, die Direktwahl des Landrats sei ein »teurer Spaß«, wäre das eine Beschönigung. Teuer, ja. Aber angesichts der geringen Wahlbeteiligung hört der Spaß auf. Um halb Zehn wurden in der Gemeinsamen Musterschule in der Friedberger Altstadt in einem Wahlbezirk sieben und im zweiten ganze 17 Wähler gezählt. Eine halbe Stunde später lag die Wahlbeteiligung bei 0,74 Prozent. Und es wurde im Laufe des Tages auch nicht wirklich besser. Pro Wahlbezirk benötigt die Stadt neun Wahlhelfer in zwei Schichten. Jeder Wahlhelfer erhält 50 Euro Aufwandsentschädigung. Das sind alleine für die beiden Wahlbezirke in der Musterschule 900 Euro Personalkosten. Den Wahlhelfern seien die 50 Euro gegönnt, sie werden um ihren freien Sonntag gebracht. Bei 269 Wahlbezirken ergibt das aber eine sechsstellige Summe – vom Arbeitsaufwand in den Rathäusern, wo händeringend nach Wahlhelfern gesucht wurde, weil die Grippe grassiert, ganz abgesehen. Die Landrats-Direktwahl ist eine Geldverbrennungsmaschine. Der Hessische Landtag sollte sie so schnell wie möglich wieder abschaffen. Aber vorher wird in drei Wochen bei der Stichwahl noch einmal richtig viel Geld verbrannt. (jw)

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