16. April 2018, 08:30 Uhr

Wettertal

Ein zweites Biber-Paradies in Bad Nauheim

Fällarbeiten am Bad Nauheimer Wetter-Abschnitt führen oft zu Protesten. Zwischen Rödgen und Wisselsheim werden seit einiger Zeit wieder Bäume zu Kleinholz verarbeitet, allerdings ohne Motorsäge.
16. April 2018, 08:30 Uhr
Dieser Baum am Wetter-Ufer wird mit kräftigen Nagezähnen bearbeitet. Zwischen Wisselsheim und Rödgen finden sich überall Biberspuren. (Fotos: Heinfried Meyer/pv)

Die Verbreitung der Biber im Bad Nauheimer Kurpark und an der Usa in Richtung Nieder-Mörlen ist seit Jahren ein Diskussionsthema (siehe weiteren Artikel). Am Flüsschen Wetter machen sich die großen Nager dagegen seit Jahren still und heimlich breit. »In Schwalheim sind die Tiere bereits seit etwa fünf Jahren aktiv«, weiß Hans-Martin Herrmann, Fachdienstleiter Grünflächenplanung im Rathaus. In dem weitgehend intakten Naturraum des Landschaftsschutzgebiets Auenverbund Wetterau zwischen Steinfurth und Schwalheim hätten Biber eine neue Heimat gefunden. Wie viele Tiere dieses Gebiet vertrage, müsse unter Mithilfe von Biber-Experten entschieden werden.

 

Keine besonders schützenswerten Bäume

Herrmann und seine Kollegen in der Stadtverwaltung sind für die Wetter allerdings gar nicht zuständig. Um die Renaturierung des Gewässers in den zurückliegenden Jahren und die Gehölzpflege kümmert sich der Wasserverband Nidda mit Sitz in Friedberg. Dort sind die an der Wetter beheimateten Nagetiere derzeit kein großes Thema, wie ein Mitarbeiter der Behörde wissen lässt.

Besonders wertvolle Bäume, die geschützt werden müssten, gebe es dort nicht. Im Teilstück zwischen Rödgen und Wisselsheim, wo der Biber derzeit viele Eschen, Erlen und Weiden fällt, verläuft auch kein Fußweg direkt am Fluss. Eine Gefährdung von Spaziergängern durch umfallende Bäume kann ausgeschlossen werden. An der Wetter gebe es regelmäßige Begehungen. In Sachen Biber sieht der Wasserverband bislang aber keinen Handlungsbedarf. Erst wenn Stämme in den Fluss fallen und für Hochwassergefahr sorgen, dürfte sich das ändern.

 

Naturnaher Zustand der Wetter

Darüber erfreut ist Heinfried Meyer aus Rödgen. »Die umfangreichen Aktivitäten der Tiere haben wir erst Anfang dieses Jahres bemerkt«, sagt er. Bei seinen Spaziergängen sind Meyer zwischen 20 und 40 Bäume aufgefallen, die vom Biber angenagt oder komplett gefällt worden sind. Das dickste Exemplar habe einen Stammdurchmesser zwischen 50 und 80 Zentimetern. Auch fast 20 Meter vom Ufer entfernt seien die Tiere tätig geworden.

Auf beiden Seiten des Flusses sind mehrere Biberburgen zu sehen.
Auf beiden Seiten des Flusses sind mehrere Biberburgen zu sehen.

»Der Teil der Wetter zwischen Wisselsheim und Rödgen befindet sich noch in einem sehr naturnahen Zustand«, berichtet der Rödgener, der hofft, dass es dabei bleibt. Er hat allerdings Zweifel, denn an manchen Stellen seien am Ufer Äste und Stämme aufgeschichtet, frische Traktor-Reifenspuren seien zu sehen. In den Ortslagen habe der Wasserverband in der Vergangenheit »radikal abgeholzt«. Meyer hat auf beiden Seiten der Wetter Biberburgen entdeckt – bewohnte und ungenutzte. Neben den Nagern tummelten sich dort auch Gänse, Enten und Kormorane. Bislang gingen die Tiere in diesem Wetter-Abschnitt ungestört ihrer Arbeit nach: »Dort können sich die Biber richtig austoben.«

 

Info

Kurpark-Biber seit 2007

Der erste Biber ist 2007 nach Bad Nauheim eingewandert. Damals glaubten die Naturschützer vom Erna-Ente-Treff ihren Augen nicht zu trauen, als sie eindeutige Nagespuren im Kurpark entdeckten. Die Existenz der Tiere im denkmalgeschützten Park und an der Usa ist seitdem ein Dauerthema. Gelingt es den Tieren doch immer wieder, trotz der Abwehrmaßnahmen der städtischen Gärtner große Bäume zu fällen. Eines von vielen Beispielen sind die alten Eichen auf der Teich-Insel, die den Bibern zum Opfer fielen. Inzwischen haben Mitarbeiter etliche Bäume mit stabilen Drahtmanschetten geschützt, die etwa 30 Zentimeter vom Stamm entfernt angebracht wurden. Diese Methode scheint Erfolg versprechend zu sein. An der Usa in Richtung Nieder-Mörlen geht es nach Auskunft von Fachdienstleiter Hans-Martin Herrmann vor allem darum, eine Rückstaugefahr durch umgefallene Bäume auszuschließen und die Sicherheit von Spaziergängern auf dem Uferweg zu gewährleisten. (bk)

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