19. Dezember 2018, 17:00 Uhr

Rockenberg

Dieser Rockenberger ist der Herr der Weihnachtsbäume

Weihnachtsbäume gibt es schon seit vielen Jahrhunderten. Früher wurden sie meist erst an Heiligabend geschmückt. Heute hängen Kugeln und Lametta immer früher an den Zweigen, sagt Albert Langsdorf.
19. Dezember 2018, 17:00 Uhr
Seit über 20 Jahren züchtet Alfred Langsdorf in Tannenbäume und Fichten in Rockenberg. (Foto: alh)

Die Lichterkette ist zu kurz, der Baum zu groß. Stamm und Äste werden abgesägt, Nadeln aufgesaugt und die Zweige mit Zuckerstangen, Ornamenten und Co. dekoriert. So oder so ähnlich geht es vor Weihnachten in vielen Wohnzimmern zu. Inzwischen steht der Baum bei vielen schon am zweiten Advent, weiß Albert Langsdorf. Er züchtet und verkauft seit über 20 Jahren gemeinsam mit seiner Frau Christiane Weihnachtsbäume in Rockenberg.

»Bis zum dritten Advent soll er stehen.« Diesen Satz hören die beiden oft. Doch auch die Traditionalisten gebe es noch, die den Baum, erst kurz vor dem 24. Dezember holen und ihn an Heiligabend schmücken. Dazu kämen die Kurzentschlossenen. Man habe schon viel erlebt. »Zur Not holen wir auch am 24. noch einen Baum vom Acker.«

 

Von einem bis sechs Metern ist alles drin

Besonders beliebt sei nach wie vor die Nordmanntanne. »80 Prozent der Kunden kaufen sie«, sagt Langsdorf. »Nur einige wenige Liebhaber wollen noch Blaufichten haben.« Deren Äste seien stabiler – besser für echte Kerzen am Baum – und ihr Duft intensiver. Dafür seien die Nadeln der Nordmanntanne weicher und würden nicht stechen. Auch andere Sorten, etwa aus Amerika, hatten die Langsdorfs schon mal im Angebot. »Die hatten aber keine Chance.«

Die kleinsten Exemplare sind rund einen Meter hoch, die größten bis zu sechs Meter. Die meisten Kunden würden sich für einen Baum mittlerer Größe entscheiden. Gefragt seien vermehrt schlanke Bäume. »Nicht jeder hat Platz für eine ausladende Tanne in der Wohnung.« Dazu formt und beschneidet Langsdorf die Bäume während des Wachsens.

Auf Trends zu reagieren sei im Weihnachtsbaumgewerbe aber nicht so einfach möglich. »Im Schnitt stehen die Bäume zehn Jahre auf dem Feld, bevor sie geschlagen werden.« Nach Rockenberg kommen sie als Vierjährige.

 

5000 Bäume gestorben

Worauf man allerdings reagieren müsse, sei die Trockenheit. In diesem Sommer hat Langsdorf rund 5000 junge Bäume verloren – trotz intensiver Bewässerung. Die älteren hätten die Witterung besser überstanden. »Wie sich die Weihnachtsbäume in den Wohnräumen verhalten werden, ob sie etwa schneller die Nadeln verlieren, können wir noch nicht sagen.« Schön seien sie trotzdem geworden.

Doch nicht immer passt der Baum zu den Vorstellungen. Einige – Langsdorf nennt sie Handwerker – beschneiden den Baum zu Hause selbst. »Dabei kann einiges schiefgehen. Ein Kunde hat seinen Baum so stark zersägt, dass er zurückkommen und einen neuen holen musste.«

Wer glaubt, Weihnachtsbaumverkäufer hätten nur im Winter zu tun, liegt falsch. Das ganze Jahr über müssten die Nadelbäume gepflegt, das Gras gemäht und neue Pflanzen gesetzt werden, sagt Langsdorf. Diese Arbeit schlage sich natürlich auch im Preis nieder, doch das wüssten die meisten Kunden zu schätzen. »Preisdiskussionen gibt es hier kaum.« Wie in anderen Bereichen auch, sei bei den Tannenbäumen »Frische und Regionalität« gefragt.

Und was sagen die Langsdorfs zu Weihnachtsbäumen aus Plastik? »Ein künstlicher Weihnachtsbaum ist mir einfach zu perfekt«. sagt Christiane Langsdorf. »Ich mag die natürliche Form unserer Bäume – und den Duft.« So sehen es auch die Wetterauer, die bei den Langsdorfs einkaufen. »Ein echter Weihnachtsbaum gehört einfach zur Tradition, das kenne ich noch aus meiner Kindheit«, sagt eine Kundin aus Butzbach. »Ein Plastikbaum kommt für mich nicht in Frage.«

Info

Eiszapfen aus Lametta

Wo kommt die Tradition des Christbaums eigentlich her? Im Jahr 1419 tauchten die ersten verzierten Weihnachtsbäume in der Geschichte auf: Nüsse und Früchte schmückten das Tannengrün. Am Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich wohl im Elsass der Brauch durch, sich an Weihnachten auch in die Wohnung einen Tannenbaum zu stellen. Geschmückt wurde der Baum damals in den klassischen Adventsfarben Rot und Grün. Rot symbolisiert das Blut Jesu Christi, Grün steht für Hoffnung, Leben und Treue. Die ersten Kerzen wurden viele Jahre später ergänzt, ebenso wie Christbaumkugeln. Die waren damals noch der gehobenen Gesellschaft vorbehalten. Lametta schmückte 1878 zunächst die Bäume in Franken. Es soll den Erzählungen nach glitzernde Eiszapfen darstellen. (anr/alh)

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