17. April 2018, 05:00 Uhr

Darknet

Die dunkle Seite des Netzes: Aufklärung in Friedberg

Immer wieder hört man vom Darknet, der dunklen Seite des Internets. Doch sind hier nur Kriminelle unterwegs? Cyber-Security-Experte Volker Kozok hat in Friedberg Licht ins Dunkel gebracht.
17. April 2018, 05:00 Uhr
Im Darknet sind überwiegend Kriminelle unterwegs, beispielsweise Terroristen, Pädophile oder Drogenhändler. Volker Kozok, Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums, hat in Friedberg über die Tiefen des Deep Web informiert. (Symbolfoto: dpa)

In Medienberichten liest man immer wieder vom Darknet, wenn es um Waffen- und Drogenhandel oder um das Ausheben pädophiler Netzwerke geht. Doch wer Zugang zum Darknet hat und was es genau ist, wissen die meisten Menschen vermutlich nicht. Bei der Friedberger @oneIT GmbH begrüßte deren Inhaber Thomas Novak kürzlich zahlreiche Zuhörer, die sich über die dunkle Seite des Netzes informieren wollten. Gemeinsam mit dem IT-Unternehmen hatte Malu Schäfer-Salecker vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft die Veranstaltung organisiert.

 

Messenger-Dienste bei Spielen nutzbar

Bevor Cyber-Security-Experte Volker Kozok, Technischer Referent im Verteidigungsministerium, über das Darknet informierte, sprach Joshua Kubelke über die aktuelle Szene der Gamer, Game-Programmierer und Youtube-Konsumenten. Das Computerspiel »Minecraft« sei inzwischen 144 Millionen Mal verkauft worden und stelle somit einen riesigen Wirtschaftsfaktor dar. So erreiche der Youtuber Gronkh mit seinen über 1200 Videos zu »Minecraft« Milliarden von Aufrufen und erziele über Werbe-Einnahmen, Produktplatzierungen und Merchandising monatliche Einnahmen von geschätzt über 30 000 Euro. Darüber und über den Verkauf von Spiel-Leveln und Premiumzugängen ließen sich unglaublich hohe Einnahmen generieren. Da »Minecraft« und andere Spiele über eigene Messenger-Dienste verfügten, ermöglichten diese eine nicht nachvollziehbare Kommunikation, die – ähnlich wie im Darknet – auch von Kriminellen genutzt würden, sagte Kubelke.

 

Schutz der Geheimdienstmitarbeiter

Wie groß das Darknet oder Deep Web sei, wisse man nicht, erläuterte Kozok. Es sei von der US-amerikanischen Regierung entwickelt worden, um ihre Geheimdienstmitarbeiter zu schützen. Genutzt werde es tatsächlich überwiegend von Terroristen, Pädophilen, Geldwäschern, Drogenhändlern und anderen Kriminellen. Da das Darknet frei sei von Zensur und Kontrolle, nutzten es auch Privatpersonen und verschiedene Organisationen, ebenso wie Militär und Behörden. Über den Tor-Browser, den man ganz legal herunterladen könne, gelange man in das Netzwerk, in dem es allerdings keine Suchfunktionen wie Google gebe. Erste spezialisierte Suchmaschinen seien entwickelt worden, wie etwa Grams, mit dessen Hilfe man das Darknet nach Drogen durchsuchen könne. »Hier können Sie einkaufen wie bei Amazon«, sagte Kozok. Bezahlt werde mit Bitcoins.

Kozok beschrieb den Markt im Darknet anhand der Seite »Silk Road«, deren Betreiber Ross Ulbricht in den USA zu lebenslanger Haft unter anderem wegen Drogenhandels und Geldwäsche verurteilt worden sei. Aufgeflogen sei Ulbricht durch viele Fehler, etwa indem er seine E-Mail-Adresse auch im Zusammenhang mit seinem Darknet-Unternehmen genutzt habe. »Inzwischen gab es bereits mehrere Nachfolgerseiten«, sagte Kozok. »Silk Road 2.0« sei durch die Nutzung von Captchas aufgeflogen, die IP-Adressen übermittelt hätten. Bei Captchas handelt es sich um einen Mechanismus, mit dem sichergestellt werden soll, dass bestimmte Aktivitäten von Personen und nicht von Computern ausgeführt werden.

Info

Drei Fragen an Sicherheitsexperte Volker Kozok

Gibt es aktuelle Trends in der Internetkriminalität?

Volker Kozok: Das geht eindeutig Richtung Ransomware. Ihr Computer wird von Kriminellen mit einem Virus infiziert und gesperrt, sodass Sie nicht mehr an Ihre Daten gelangen. Die Kriminellen verlangen dann Lösegeld. Betroffene Unternehmen mussten schon hohe Lösegeldsummen entrichten, bei Privatpersonen werden meist um die 1000 Euro verlangt. Der beste Schutz ist, regelmäßig Datensicherungen auf einer externen Festplatte zu machen, damit man nicht erpressbar ist.

Wie wurden Sie Experte für Cyberkriminalität?

Kozok: Als Technischer Referent im Verteidigungsministerium bin ich zuständig für Cybersicherheit, außerdem bin ich gelernter Hacker. Der Bereich Cyber Crime/Internetkriminalität wurde zu meinem Hobby. Inzwischen bin ich auf vielen Sicherheitskonferenzen, habe enge Verbindungen vor allem in die USA, aber auch zum Chaos-Computer-Club, nehme an deren Kongressen teil und bin in beiden Feldern ein anerkannter Experte.

Wie stehen Sie persönlich zum Thema Darknet?

Kozok: Als Soldat bin ich einerseits ein Verfechter eines starken Staates, andererseits ermöglicht Tor eine geschützte Kommunikation, und es ist das Recht jeden Bürgers, ohne Überwachung im Internet zu sein.      (isi/Foto: isi)

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