12. März 2018, 17:57 Uhr

Ockstädter Gerstensaft

Die besondere Schaumkrone: Bier aus Ockstadt

Die Deutschen trinken weniger Bier. Bei der Brauerei Kultland in Ockstadt fließt es aber in rauen Mengen. Im Mai soll es eine neue Sorte geben, und es gibt noch ein Ereignis, das für Vorfreude sorgt.
12. März 2018, 17:57 Uhr
Die drei Bierbrauer Norman Groh (l.), Reiner Weidmann (M.) und Lorenz Groh haben Spaß an neuen Rezepturen und machen vieles noch per Hand. (Foto: Lilienthal)

In der kleinen Kultland-Brauerei in Ockstadt herrscht ungetrübte Bierlaune. Ganz gegen den Trend – denn unter den deutschen Großbrauereien macht sich zunehmend Ernüchterung breit. Während die Branche seit Jahren unter stetig sinkenden Absatzzahlen und scharfem Preiswettbewerb leidet, hat sich der Bierverkauf des Ockstädter Familienbetriebs in zwei Jahren von 100 auf 250 Hektoliter mehr als verdoppelt.

2016 gründete Reiner Weidmann mit Schwiegersohn Norman Groh und dessen Bruder Lorenz die Brauerei mit einer anfänglichen Investitionssumme von rund 75 000 Euro. Geboren wurde die Idee »aus einer Laune« heraus, wie Weidmann erklärt. Auf dem Hof des Agraringenieurs wird seit Generationen Landwirtschaft betrieben, seit mehr als 30 Jahren Obst aus eigenem Anbau und dann auch Whisky aus eigener Gerste gebrannt. »Wo wir das Malz schon mal hatten, kamen wir auf die Idee, auch Bier zu brauen und erst einmal für den Eigenverbrauch verschiedene Rezepturen zu entwickeln.«

Wir rühren die Maische noch selbst, kontrollieren das Läutern mit eigenen Augen und schöpfen den Treber per Hand aus dem Läuterbottich

Reiner Weidmann

Zwei Sorten, die ganzjährig von der Kultland-Brauerei vertrieben werden, sind dabei herausgekommen: Das unfiltrierte und nicht pasteurisierte Helle, hergestellt mit Traditionshopfen aus der Hallertau mit einer blumigen, grasigen Note, und das obergärige India Pale Ale, dem besondere deutsche Hopfensorten seinen fruchtigen Duft und leicht süßlichen Geschmack verleihen. Beide Sorten werden nach deutschem Reinheitsgebot gebraut. Mit Braugerste aus eigenem Anbau, ausgesuchten Hefen und aromatischen Hopfensorten sowie dem Ockstädter Quellwasser kommt das Kultland-Bier in der Wetterau an. Verkauft wird in Fässern unterschiedlicher Größe direkt ab Brauerei. »Sobald die Temperaturen steigen, steigt auch die Nachfrage«, weiß Norman Groh. Und die Fußball-WM werde im Juni und Juli sicher noch einen weiteren Schub bringen.

 

 

 

Auch aus dem Zapfhahn in der Gastronomie

 

Obwohl es nicht leicht gewesen sei, dort einen Fuß in die Tür zu bekommen, würden mittlerweile auch neun regionale Gastronomiebetriebe Kultland-Bier zapfen. »In dem Friedberger Lokal ›Die Dunkel‹ gleich an zwei Zapfhähnen.«

Die Werbung hält sich in Grenzen. Facebook, Mundpropaganda und Flyer. Es geht um regionales Bier und Wachstum mit dem regionalen Bedarf. »Wir konkurrieren im Ausstoß und im Preis nicht mit den großen Brauereien. Wir brauen Bier für Menschen, die Wert auf gute Qualität und regionale Produkte legen, und bieten damit der Gastronomie vor Ort einen Mehrwert«, erklärt Weidmann.

 

 

Neu-Kreation mit 6,2 Prozent

 

Groh ergänzt: »Anders als anderes hochpreisiges und zurzeit angesagtes sogenanntes Craft Beer soll unseres allerdings nicht nur zum Verschenken gekauft, sondern langfristig gerne getrunken werden.« Es sei im wahrsten Sinne des Wortes ein handwerklich gebrautes Bier und kein computergesteuertes wie in den Großbrauereien. »Wir rühren die Maische noch selbst, kontrollieren das Läutern mit eigenen Augen und schöpfen den Treber per Hand aus dem Läuterbottich«, sagt Weidmann. »Uns macht das viel Spaß. Ganz besonders, wenn wir wieder etwas Neues aushecken.«

Wie jetzt einen Maibock, den die drei testweise angesetzt haben. Er soll nach vier- bis sechswöchiger Reifezeit erstmals am 1. Mai und dann an drei weiteren offenen Ausschanktagen im Hof der Familie angeboten werden. Sein Alkoholgehalt wird 6,2 Prozent und seine Stammwürze 16 Prozent betragen, verrät der gelernte Brenner Norman Groh. »Die Wetterauer dürfen sich auf ein fruchtiges Getränk freuen.«

Info

Helles und India Pale Ale

Das Kultland-Bier gibt es in der Ober-Wöllstädter Straße 3 in Ockstadt in Fässern zu kaufen. Angeboten werden Fünf-Liter-Partyfässer oder Keg-Fässer zu 20, 30 und 50 Liter. Bei Bedarf wird auch eine Zapfanlage verliehen. Das Helle wird mit untergäriger Hefe kalt vergoren. Es hat einen Alkoholgehalt von 5,3 Prozent und eine Stammwürze von 13 Prozent. Das obergärige India Pale Ale hat fünf Prozent Alkohol und eine Stammwürze von 12,5 Prozent. (all)

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