11. Juli 2018, 08:00 Uhr

Einsatz auf der Autobahn

Die Helden vom Standstreifen: In der Wetterau im Einsatz

Wer auf dem Weg in den Urlaub Pech hat, muss wegen einer Panne anhalten. Das Team des Ober-Mörler Abschleppdienstes Reller hat schon viel erlebt – auch Baby-Drama und Heiligabend-Rettung.
11. Juli 2018, 08:00 Uhr
Im Familienbetrieb Reller gibt es trotz harter Arbeit auch viel zu lachen. (Foto: hau)

Der Verkehr auf der A 5 zwischen Butzbach und Frankfurt läuft. Die Morgenpendler sind schon durch, und wir haben Sommerferien. »Da ist es ruhiger als sonst, vom Ferienbeginn oder der Rückreisewelle mal abgesehen.« Katja und Rüdiger Reller müssen es wissen. Seit 31 Jahren sind sie mit ihrem Abschleppdienst rund um die Uhr und sieben Tage die Woche bei Pannen und Unfällen im Einsatz. Für Hochbetrieb seien eher Rushhour, Baustellen oder das Wetter verantwortlich.

Wenn’s gut geht, hört man, wenn sich die Muttern lösen, bevor der Reifen wegrollt

Kevin Scheibel

Das möchte ich gerne genauer wissen – für unsere Feriengeschichte zu Pleiten, Pech und Pannen im Straßenverkehr. Mit einem fröhlichen »Möp, Möp« startet der Roller, auf dem mich Reller-Mitarbeiter Stephan Beuthner zum Firmensitz in der Hasselhecker Straße in Ober-Mörlen bringt – quasi ins Bermudadreieck zwischen B 3, A 5 und A 45. Gerade zücke ich den Kugelschreiber, da schrillt das Telefon: Auf der A 5 ist ein Wagen liegengeblieben. Er steht auf der Standspur bei Kilometer 468,1 Richtung Frankfurt. Zwei Personen brauchen Hilfe.

 

Wenn vor Ort nichts zu machen ist, geht es auf die Rampe. 	(Foto: hau)
Wenn vor Ort nichts zu machen ist, geht es auf die Rampe. (Foto: hau)

 

Kevin Scheibel startet den Abschleppwagen, ich klettere auf den Beifahrersitz, anschnallen, los geht’s. Souverän steuert der 30-jährige Ober-Mörler den riesigen Wagen. Die Pannenstelle ist vorbildlich mit einem Warndreieck abgesichert, die Insassen warten in Warnwesten hinter der Leitplanke. »Aus heiterem Himmel leuchtete die Warnung ›Bergantrieb prüfen‹, als auch schon der Motor ausging«, erzählt Wolfgang Schäfer. »Wir kommen aus Dortmund und wollen in die Schweiz«, berichtet seine Frau Alice.

 

Wenn Promis Pannen haben

 

Scheibel checkt den Motorraum, schließt dann das Fehler-Auslesegerät an die Elektronik an: Sieht nicht gut aus. Also ab auf den Abschlepper und zur nächsten Hersteller-Werkstatt in Dorheim. Dort weiß man schon Bescheid. Die Versicherung hat angerufen – Herstellermobilitätsgarantie.

Während das Paar aus Dortmund vom kaputten Motor und vom wirtschaftlichen Totalschaden erfährt und im Leihwagen heimfahren muss, sind wir längst zurück in Ober-Mörlen. Es bleibt erstaunlich ruhig.

»Ich helfe einfach gern«, sagt Scheibel und lächelt. Einmal habe er ein weinendes Baby befreien können, dessen verzweifelte Mutter sich versehentlich aus dem Wagen ausgesperrt habe. Anderen rettete er den Heiligabend mit einer Scheibenwischer-Reparatur im strömenden Regen.

 

Unter der Motorhaube wird genau nachgeschaut.	(Foto: hau)
Unter der Motorhaube wird genau nachgeschaut. (Foto: hau)

 

Mit einem tiefgelegten Anhänger sei auch fürs Abschleppen von Sportwagen vorgesorgt, erzählen die Rellers. Mit dem Kontrastprogramm fahren ihre Mitarbeiter Benni Renz und Andy Griesen gerade vor: Sie haben einen umgebauten Feuerwehrwagen Huckepack, der beim Truckrennen am Nürburgring liegengeblieben ist. In netter Kaffeerunde erfahre ich von einem abgeschleppten Andi Brehme, von Steffi Grafs Opel und von Tony Marshalls Band, die man nach einem Notfall-Zwischenstopp in der Hasselhecker Straße abends im Fernsehen live bei »Wetten dass…« wiedergesehen hat. Sogar einen Aufenthaltsraum für Gestrandete entdecke ich. Schade, dass ich den nächsten Einsatz verpasse: Eine Wagenüberführung nach Sylt. Die Heimfahrt mit dem Roller à la Reller ist aber auch cool – und schneller.

Info

Worauf man achten sollte – und was alles falsch gemacht wird

Das Reller-Team hat Pannengeschichten und Tipps auf Lager. »Die Abschlepp-Öse im Handschuhfach verwahren«, rät Kevin Scheibel. Warndreieck und Werkzeug dürfe man nicht unter Gepäck begraben, ebenso das Starthilfekabel. Zur Batterieschonung dürfe man nicht ausschließlich Kurzstrecken fahren. »Beim Reifenwechsel nach 50 Kilometern dringend ans Nachziehen der Muttern denken«, empfiehlt Scheibel. Fachbetriebe nutzten beim Reifenwechsel Spezialwerkzeug, dem Privatmann fehle oft die Kraft. Vielen Fahrzeugen fehle das Reserverad. »Wir können rund um die Uhr neue Reifen aufziehen.« Zur Herausforderung für Fahrer könnten Reifendruckkontrollsensoren werden. »Auf Reset gehen und Reifendruck drauf, dann läuft’s wieder.« Zur Palette der Bedienfehler zählen: falsch getankt, Öl oder Wasser nicht nachgefüllt. Wer zu nah am Bordstein parkt, riskiert, dass das Lenkradschloss klemmt. Parkt man auf einem zu hohen Bordstein, können Räder in der Luft hängen, und man kommt nicht weg. »Alles schon erlebt«, sagen die Profis. Manchmal sei die nicht getretene Kupplung dafür verantwortlich, dass ein Auto nicht anspringe. Mal würden bei der Automatik Vor und Zurück verwechselt, mal müsse das Automatikgetriebe notentriegelt werden. (hau)

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