»24 Hallen«

Die 24 Hallen: Illegaler Park mit Ausblick und Gefahrenpotenzial

Betreten verboten: Trotzdem sind die 24 Hallen in Friedberg ein Geheimtipp für Spaziergänger. Die ausgediente Eisenbahnbrücke birgt indes Gefahrenpotenzial.
13. März 2018, 14:00 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Die 24 Hallen in Friedberg dienten bis 1982 als Eisenbahnbrücke. Das Bauwerk ist in Privatbesitz, das Betreten ist verboten. (Foto: pv)

Im New Yorker Stadtteil Manhattan wurde 2009 auf einer alten Bahntrasse der »High Line Park« angelegt. Wo früher Züge fuhren, spaziert man jetzt durch üppige Natur. So etwas gibt es auch bei uns in Friedberg. Der »24-Hallen-Park« ist aber kleiner, weitaus gefährlicher und eigentlich nicht zugänglich. Die Brücke gehört einem Privatmann, der mal wieder Pläne schmiedet, wie er das Grundstück doch noch nutzen kann.



Die 24 Hallen in Friedberg sind ein Geheimtipp für Spaziergänger. Das Gelände ist offen zugänglich. Über eine Lücke in den Büschen entlang der Hanauer Straße unterhalb des City-Parkhauses gelangt man auf einen schmalen Streifen Land entlang der Bahngleise. Nach etwa 200 Metern folgt linkerhand der Zugang zu dem Brückenbauwerk, wo, wie Fotos zeigen, ein kleines Naturparadies entstanden ist. Birkenbäumchen wehen im Wind, Schienen, Schwellen und Schottersteine liegen unter allerlei Gestrüpp verborgen, seltene Pflanzen wie die Königskerze wachsen hier. Eine Idylle mit Fernblick zur Burg, zum Taunus, zum Hoherodskopf.

 

»Betreten verboten!«

Der »High Line Park« in Manhattan, wo es Bänke, Wiesen und Sträucher gibt, ist rund 20 Meter breit und 4,7 Kilometer lang. Die 24 Hallen können da nicht mithalten. Das von 1847 bis 1850 errichtete und 1982 stillgelegte Brückenbauwerk kommt gerade einmal auf 275 Meter Länge. Im Gegensatz zum großen Bruder in New York ist das »Rosental-Viadukt«, wie die 24 Hallen offiziell heißen, auch Privatgelände. Das heißt: Betreten verboten! Und dies aus gutem Grund.

Was erst auf den zweiten Blick und bei Dämmerung wohl gar nicht auffällt: Über die gesamte Länge verteilt gibt es auf der Brücke acht quadratische Schächte. Wer sie übersieht und hineintappt, kann sich leicht die Knochen brechen. Auch eine Wendeltreppe, die in den südlichen Brückenpfeiler hinabführt, ist offen zugänglich. Die schwere Betonabdeckung wurde zur Seite geschoben. Für Kinder, die hier spielen, stellt dies eine hohe Gefahrenquelle dar.

 

Gefahr durch offene Schächte

Die 24 Hallen gehören dem Friedrichsdorfer Immobilienunternehmer Wolfgang Steffens. Er hat mehrere Anläufe unternommen, das denkmalgeschützte Bauwerk einer Nutzung zuzuführen. Hessens größte Solaranlage wollte er dort errichten. Betonfundamente und Holzgerüste wurden aufgebaut, doch Steffens musste seine Pläne aufgegeben. Nachdem Gesteinsbrocken vom Bahndamm in die darunter liegenden Gärten gerollt waren, verhängte der Wetteraukreis im November 2007 einen Baustopp.

Laut Steffens wurde das Gelände abgesperrt. Die Absperrbaken würden aber immer wieder entfernt, fänden sich dann irgendwo auf dem Gelände wieder. Auch Müll wird dort illegal abgeladen. »Wir haben Strafanzeige gestellt. Das ist nicht erfreulich.« Geht es nach Steffens, soll sich das ändern. »Wir planen den Bau von 20 Reihenhäusern mit 40 Wohnungen«, sagt der Unternehmer. Die sollen auf dem Grundstück zwischen dem City-Parkhaus und den 24 Hallen direkt neben den Bahngleisen entstehen. Er habe ein Lärmschutzgutachten in Auftrag gegeben, sagte Steffens der WZ. Die Sache ruhe aber, da zunächst die Planungen für den Lärmschutz der Bahn abgewartet werden müssten. Die DB will, wie berichtet, eine Lärmschutzwand bauen lassen. Die 24 Hallen würden davon ausgespart. »Wir bauen dann auf den 24 Hallen ebenfalls Lärmschutz.« Außerdem sollen die ursprünglichen Pläne wieder aufgenommen und das Brückenbauwerk als Standort für Solaranlagen genutzt werden. Die sollen die Wohnhäuser mit günstiger Energie versorgen.

 

Eigentümer will bauen

Der Bauantrag liege dem Bauamt vor, sagte Steffens. Im Rathaus weiß man davon nichts. »Neue Planungen sind uns nicht bekannt«, heißt es von dort. Das Kreisbauamt des Wetteraukreises wurde nach Auskunft eines Sprechers vor einem halben Jahr telefonisch informiert. »Ein Bauantrag liegt nicht vor.« Aus dem Kreishaus heißt es, aufgrund des Lärmschutzes sei es wohl »sehr schwer«, eine Baugenehmigung zu erhalten. Steffens sieht das anders. Auch anderswo werde direkt neben Bahngelände gebaut. Die Schallschutztechnik sei mittlerweile so gut, dass man selbst in Büros am Flughafen den Lärm der startenden Flugzeuge nicht höre.

Vor dem Betreten der 24 Hallen rät Steffens ab. »Das ist illegal. Außerdem nistet dort ein Turmfalkenpärchen.« Die Vögel sollten nicht gestört werden.

 

Infobox

24 Hallen

»Das 1982 stillgelegte Rosental-Viadukt ist eines der bedeutendsten Bauwerke der gesamten Main-Weser-Bahn«, heißt es in der Denkmaltopographie für den Wetteraukreis. Dass es seit Jahren zuwuchert, bereitet Denkmalschützern ebenso Sorgen wie die Tatsache, dass sich unterhalb des Bauwerks vor Jahren Gewerbebetriebe ansiedeln durften. Mit dem Bau zweier Mehrfamilienhäuser in der Usavorstadt wird auch der letzte freie Blick auf die 24 Hallen verbaut. Die Bundesbahn verkaufte die Brücke 1993 für 10 000 Mark an die Friedrichsdorfer Helios Energie GmbH. Die wollte dort »Hessens größte Solaranlage« errichten. Die Pläne scheiterten. Einen ungewöhnlichen Vorschlag machten 2001 Studenten der TU Darmstadt. Sie entwarfen Modelle, wie die 24 Hallen als Wohn- und Geschäftskomplex genutzt werden könnten. Lichtdurchflutete Glaspaläste mit Raum für Kunst und Kultur entstanden – allerdings auch hier nur auf dem Papier. (jw)

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