24. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Schlechte Verbindung

Der lange Rodheimer Weg zur Schule nach Bad Nauheim

Es könnte so einfach sein: Rodheimer Kinder, die aufs Gymnasium wollen, gehen einfach über die Kreisgrenze auf die Philipp-Reis-Schule ins benachbarte Friedrichsdorf. Dürfen sie aber nicht.
24. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Einfach in den Bus springen, der dann direkt zur Schule fährt? Für Kinder aus Rodheim geht das nicht. Sie müssen mehrmals umsteigen. (Archivfoto: nic)

Die Rodheimer werden hier gegenüber den Rosbachern benachteiligt«, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ihre Tochter geht in die 5. Klasse eines Gymnasiums in Bad Nauheim. Sie sei begeistert von der Schule, nicht aber vom täglichen Weg dorthin. Denn der ist lang: Die Fünftklässlerin steht vor 6 Uhr morgens auf, damit sie um 6.51 Uhr die Regionalbahn nach Friedberg erreicht. Dort wartet sie eine Viertelstunde auf den Anschlusszug nach Bad Nauheim, steigt am Bahnhof in den Bus, der sie zur Haltestelle »Am Solgraben« fährt. Dort kommt sie um 7.31 Uhr an, eine halbe Stunde vor Schulbeginn. Möglich wäre auch eine Verbindung ab 7.21 Uhr von Rodheim, die Ankunftszeit um 7.54 Uhr ist aber zu knapp – zumal es regelmäßig zu Verspätungen kommt. »Der Zug in Rodheim ist oft überfüllt«, sagt die Mutter. Kleinere Kinder würden nicht selten am Bahnhof stehenbleiben, weil sie es nicht in den Zug schaffen. Die WZ hatte im Frühjahr (»Täglich grüßt das Bahnsteig-Chaos«) über die Probleme im morgendlichen Schülerverkehr berichtet.

Rosbacher brauchen nur 26 Minuten

Bei der Rückfahrt nach der fünften Stunde (12.20 Uhr) sei es noch schlimmer: Erst um 13.40 Uhr komme ihre Tochter nach zweimaligem Umsteigen mit Bus und Bahn in Rodheim an. Zum Vergleich: Kinder aus Rosbach steigen in einen Bus, der nach 26 Minuten im Rodheimer Nachbarort ankommt. Ohne Wartezeiten, ohne dass sie die schweren Ranzen durch die Gegend tragen müssen. Auch alle späteren Busverbindungen seien so getaktet, dass sie nur für Rosbacher Kinder interessant seien, so die Feststellung der Mutter.

Die Beschwerden sind nicht neu: »Das ist ein Zustand, der in den letzten 20 Jahren mal mehr, mal weniger stark beklagt wird«, weiß Ortsvorsteher Rainer Schaub. Seine Freien Wähler hatten vor einem Jahr einen Antrag gestellt, um die Verbindung nach Bad Nauheim zu verbessern. Der Vorschlag, den Bus der Linie FB-36 (Rosbach–Friedberg) bereits ab der Erich-Kästner-Schule in Rodheim starten zu lassen, lehnt die VGO wegen der unverhältnismäßig hohen Kosten ab. Sie verweist auf den Zugverkehr; einen Anspruch auf eine direkte Busverbindung gebe es nicht. Die nächstgelegene Schule liege nunmal in Friedberg, daher sei der Schülerverkehr darauf ausgerichtet. Es gebe eine ausreichende Verbindung; ohnehin sei ein Schulweg von maximal 90 Minuten pro Fahrtstrecke von der Wohnung zur Schule zumutbar, so eine Antwort der VGO an die Mutter.

Wird der 36er-Bus doch noch verlängert?

Sie schätzt, dass es gut 50 Rodheimer Kinder sind, die in Bad Nauheim zur Schule gehen. Es wären wohl noch mehr, gäbe es bessere Anbindung. »Das wäre auch für Rodheimer Senioren von Belang, die zu Arztterminen in die Kurstadt fahren möchten.« In der jüngsten Umfrage im Rahmen des Stadtentwicklungsplans sei das Thema Verkehrsanbindung stark kritisiert worden. »Optimal wäre ein zusätzlicher Bus. Ich vermute aber, dass die finanziellen Mittel hierfür nicht reichen«, sagt die Mutter. Sie legt ihre Hoffnungen darauf, dass der FWG-Antrag zum Bus FB-36 doch noch mal bei der VGO aufgegriffen wird. Der Zug sei hier noch nicht abgefahren, sagt Bürgermeister Thomas Alber. Genaue Zahlen zu Rodheimer Schülern in Bad Nauheim gibt es im Rathaus nicht, sie sollen aber nun ermittelt werden. Alber versprach, er werde sich in den nächsten Tagen mit VGO-Chef Armin Klein treffen und über die Möglichkeiten zur Verbesserung der Anbindung sprechen.

Übrigens: Von Rodheim zur Philipp-Reiss-Schule im direkt benachbarten Hochtaunuskreis sind es nur zwei Haltestellen. Kinder aus der Wetterau werden dort aber nur in Ausnahmefällen angenommen.

Warum nicht nach Friedberg?

Dem Einwand, ihre Tochter könne doch nach Friedberg auf die Schule gehen und hätte dann einen schnelleren Schulweg, entgegnet die Mutter: Unter den weiterführenden Friedberger Schulen gebe es nur ein »reines« Gymnasium (die Augustinerschule). »Die beiden kooperativen und integrativen Gesamtschulen in Friedberg scheiden für viele Eltern als Schulform aus.« Außerdem habe die Augustinerschule nach der Rückkehr zu G 9 einen Ansturm erlebt und viele Bewerber abgelehnt. »Mit Entscheidungsfreiheit in der Wahl der weiterführenden Schule hat das nichts mehr zu tun«, sagt sie.

 

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