10. März 2018, 18:00 Uhr

Replik auf offenen Brief

Dekan über Rewe-Lager: »Den falschen Platz gewählt«

Der offene Brief des Rewe-Betriebsrats zur Diskussion um das Logistikzentrum bei Berstadt hat erste Reaktionen hervorgerufen.
10. März 2018, 18:00 Uhr
Der Acker in Berstadt ist kein geeigneter Ort für ein Logistikzentrum, finden die Grünen und Dekan Volkhard Guth. Alternativen seien aber nie diskutiert worden. (Archivfoto)

Das evangelische Dekanat Wetterau und die Grünen verdeutlichen in ihren Stellungnahmen, dass sich die Kritik nicht gegen das Vorhaben an sich richte, sondern vor allem gegen die Vernichtung von Ackerland.

Wie Dekan Volkhard Guth mitteilt, habe das »Aktionsbündnis Bodenschutz« – getragen wird es u. a. von BUND, NABU, den beiden Kirchen und Regionalbauernverband – in Gesprächen mit der Rewe-Geschäftsleitung und dem Betriebsrat bereits deutlich gemacht, dass sich der Protest einzig auf den Standort auf dem Acker in Berstadt beziehe.

 

Guth: Nie gegen Arbeitsplätze ausgesprochen

 

»Die Kirche hat sich zu keinem Zeitpunkt gegen ein neues Logistikzentrum und damit gegen Arbeitsplätze ausgesprochen. Man hat schlicht und einfach den falschen Platz gewählt«, betont Guth. Die von der Kirche unterstützte Klage vor dem Verwaltungsgericht richte sich folglich auch nicht gegen Rewe, sondern gegen die Entscheidung der Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne). Die hatte – entgegen der Stellungsnahmen der Fachbüros – dafür plädiert, 30 Hektar Ackerland als Gewerbefläche umzuwidmen. CDU und SPD im Regionalverband waren dieser Empfehlung (ein Kompromiss, wie es vonseiten der Grünen heißt) gefolgt.

 

Grüne stellen Fragen

 

Guth äußerte in der Mitteilung seine Verwunderung darüber, dass es bisher keine veröffentlichten Bilder eines Modells des Logistikzentrums gebe. Dimension und Ausprägung des Projekts seien für die Bevölkerung kaum zu erfassen. Auch erneuerte er seine Kritik, es habe kein transparentes Standortauswahlverfahren unter Einbeziehung der Bodengüte gegeben. Vielmehr sei die Fläche in Wölfersheim »auf Zuruf eines einzelnen Bürgers« in den Blick genommen worden. Guth: »Manchem Verantwortlichen war gar nicht bekannt, dass es so etwas wie Bodengüte überhaupt gibt.«

Die Wölfersheimer Grünen stellen einige der im offenen Brief der Mitarbeiter in den Raum gestellten Behauptungen infrage. Die Gemeindevertreter Dr. Franz Grolig und Michael Rückl bezweifeln beispielsweise die Behauptung, Rewe sei beim regionalen Engagement Vorreiter. Dagegen spreche die »von Rewe mitgetragene Missachtung von Bevölkerung und Parlament in Wölfersheim« bei der Entscheidung für das Logistikzentrum. Schließlich hätten Bürgermeister Rouven Kötter und die SPD-Mehrheit das Projekt ohne umfassende Diskussion abgesegnet.

Auf der einen Seite nimmt Rewe dem Kartoffelbauer aus Echzell die Kartoffeln ab und vermarktet sie, auf der anderen Seite verteuert Rewe die Grundlage seiner Existenz. Sieht so fairer Umgang aus?

Dr. Franz Grolig und Michael Rückl

Hätte der Konzern tatsächlich Interesse an der Region und der Erzeugung regionaler Lebensmittel, müsse er alles vermeiden, um die wirtschaftliche Grundlage der Landwirtschaft in der Region weiter zu beeinträchtigen, so die These der Grünen. Die Gemeinde kaufe um Wölfersheim herum Ackerland an, um die Bauern von dem für Rewe vorgesehenen Land »weg zu kriegen«. Sie treibe dabei die Preise für Ackerland in die Höhe und trage so zur schleichenden Existenzvernichtung in der Landwirtschaft bei. »Auf der einen Seite nimmt Rewe dem Kartoffelbauer aus Echzell die Kartoffeln ab und vermarktet sie, auf der anderen Seite verteuert Rewe die Grundlage seiner Existenz. Sieht so fairer Umgang aus?«

Bis heute sei die Frage unbeantwortet, wie sich die genannten 550 Arbeits- und Ausbildungsplätze zusammensetzen und ob durch Automatisierung und Digitalisierung nicht Arbeitsplätze ersetzt werden.

Dr. Grolig und Rückl bemängeln zudem, dass nie öffentlich über geeignete Alternativstandorte gesprochen worden sei. Eine nicht näher genannte Gewerbefläche sei in die engere Auswahl gekommen, behaupten die Grünen. »Warum wird dieser Standort nicht genannt?«, fragt Dr. Grolig. »Dann könnte darüber geredet werden, ob dort auch bester Ackerboden vernichtet wird und wie fern der von den Heimatorten der Rewe-Mitarbeiter, die am Ende fast alle nach Berstadt pendeln müssten, entfernt ist.«

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