10. November 2017, 08:00 Uhr

Nach Rechtsstreit

»DeinBus« übernimmt Busverkehr in und um Friedberg

Zum Fahrplanwechsel am 10. Dezember übernimmt »DeinBus« die Buslinien im Wetterauer Westen. Für das Fernbus-Unternehmen ist Friedberg der Einstieg ins Nachverkehrsgeschäft.
10. November 2017, 08:00 Uhr
Die alte Flotte hat ausgedient, ab dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember übernimmt die »DeinBus Verkehrs GmbH« den Busverkehr in und um Friedberg. Gemeinsam mit VGO und den Kommunalpolitikern soll nun das Stadtbus-Angebot verbessert werden. (Foto: Nici Merz)

Im hart umkämpften Fernbus-Geschäft hat sich »DeinBus« behauptet. Jetzt wagt sich das Unternehmen in den Nahverkehr und übernimmt das »Linienbündel Friedberg«. Wie berichtet, muss die Bahntochter Busverkehr Hessen nach einer Klage von »DeinBus« den Auftrag zurückgeben. Wie Vertreter des Unternehmens am Donnerstag sagten, bedienen 13 eigene Busse (davon neun fabrikneue Fahrzeuge) sowie drei Busse des Subunternehmers Ohly & Weber aus Neu-Anspach die Strecken. Das Bündel umfasst die Buslinien FB-10 nach Rödgen, den Friedberger Stadtbus (FB-30 und -31) sowie die Linien 32 bis 36 nach Ockstadt, Ober-Mörlen und Rosbach. Aktuelle Zahlen gibt es nicht, laut einer Erhebung von 2010 werden hier täglich rund 5000 Fahrgäste befördert.

Vertrag läuft neun Jahre

Der Vertrag mit der VGO läuft über neun Jahre. Auf einem Bein könne man nicht stehen, begründete Geschäftsführer Alexander Kuhr die Entscheidung von »DeinBus«, in den Nahverkehr einzusteigen. Dafür hat sich das noch relativ junge Unternehmen mit Mitarbeitern verstärkt, die Erfahrungen im Nahverkehr haben. Kuhrs Kollege Walter Schützenhofer ist nach eigenen Angaben seit 1986 im Busgeschäft und bringt den größten Teil der insgesamt 57-jährigen Erfahrung im Nahverkehrsgeschäft mit.

Wünschen gute Fahrt (v. l.): Erster Stadtrat Dirk Antkowiak, Stefan Klöppel (ZOV-Verkehr), Alexander Kuhr und Walter Schüzenhofer (DeinBus), Armin Klein (VGO), Fahrdienstleiter Vasili Andreadis und Christian Janisch (DeinBus).	(Foto: Wagner)
Wünschen gute Fahrt (v. l.): Erster Stadtrat Dirk Antkowiak, Stefan Klöppel (ZOV-Verkehr),...

Für die Fahrgäste wird sich wenig ändern. Neben einem Fahrmeister und einem Mechatroniker für die Werkstatt im Friedberger Industriegebiet Süd wurden 18 Busfahrer eingestellt. Sie erhalten unbefristete Verträge, der ab Januar geltende Tariflohn werde bereits im Dezember gezahlt. 14 Fahrer kommen vom aktuellen Busbetreiber, sie kennen die Strecken. Kuhr: »Wir wollen eine möglichst geringe Fluktuation bei den Fahrern.« Nicht nur diese, auch die Fahrgäste sollen sich mit »ihrem« Bus identifizieren. Dafür will »DeinBus« verstärkt Werbung machen. Neun Iveco-Busse mit Absenk-Automatik für barrierefreien Zugang stehen derzeit noch beim Hersteller, sie werden in Friedberg ihre ersten Kilometer fahren.

Neue Busse mit »HN«-Kennzeichen

Alle Busse erhalten die von der VGO vorgegebene weiße Lackierung mit himbeerfarbenen Streifen. Ändern werden sich lediglich die Nummernschilder. Der Verwaltungssitz von »DeinBus« ist Erlenbach bei Heilbronn. Die Kennzeichen beginnen folglich mit »HN«, dann aber folgt »FB« und die vierstellige Nummer. »HN« sei besser als »OF«, urteile Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender schmunzelnd, der wie Erster Stadtrat Dirk Antkowiak, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und Vertreter der VGO zum Begrüßungssekt ins Projektbüro am Rande der Kaiserstraße gekommen war.

In den Geschäftszweig investiert »DeinBus« eine »hohe sechsstellige Summe«. Seit zwei Jahren beteilige man sich an Ausschreibungen. Schützenhofer: »Künftig wollen wir mindestens eine pro Jahr gewinnen.«

Info

Verkehrsplaner: Sehr gute Auslastung beim Stadtbus

Laut einer Erhebung des Verkehrsplanungsbüros IGDB ist die Auslastung des Friedberger Stadtbusses besser als von den Kommunalpolitikern befürchtet. An sechs Tagen im September wurden die Fahrgäste gezählt. Ergebnis: Montags bis freitags rund 1250, samstags 213 und sonntags 54 Fahrgäste. Laut Verkehrsplaner Max Klöppinger eine »sehr gute Auslastung«, Friedberg müsse sich im Vergleich mit anderen Städten nicht verstecken. Vorteilhaft sei der regelmäßige Takt (werktags alle 30 und am Wochenende alle 60 Minuten). »Hotspots« mit den meisten Ein- und Aussteigern sind der Bahnhof, die Kaiserstraße und die Straßheimer Straße (Jobcenter, Gewerbegebiet). Die Stadtverordneten bilden nun einen Runden Tisch, um gemeinsam mit ZOV und VGO sowie Linienbetreiber »DeinBus« die Stadtbuslinie zu optimieren. Dabei werden sie besonders den Sonntag im Auge behalten sowie jene Haltestellen, die nur sporadisch genutzt werden. (jw)

 

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