16. April 2019, 05:00 Uhr

Hühnermobile

Das ist in den Bönstädter Hühnermobilen zu Ostern los

Am Wochenende ist Ostern, die Nachfrage nach Eiern ist deswegen sehr groß, sagt Lars Kröll. 2015 hat er die Hühnerhaltung und den Eierverkauf zum zweiten Standbein des Bönstädter Hofs gemacht.
16. April 2019, 05:00 Uhr

Dem Huhn ist’s egal. Ob Sonntag oder Mittwoch ist, Ostern oder Weihnachten. Es legt Eier – oder eben nicht. Meistens eins pro Tag, manchmal aber auch keins. Im Durchschnitt macht das 2300 Eier, die Lars Kröll jeden Tag aus den insgesamt sechs Hühnermobilen sammelt. Allerdings nur bei Vollbelegung: Dann kümmert sich der Bönstädter um 2800 Hühner (und ein paar Hähne) sowie um dem Verkauf der Eier.

Zurzeit sind die Ställe voll. Weil in wenigen Tagen Ostern ist und dazu nun mal Unmengen an bunten Eiern auf den Tisch kommen. Ja, sagt Lars Kröll, »vergangenes Jahr in der Osterzeit gab es eine Woche, da hätten wir die doppelte Menge Eier gebraucht«. Genauso schlimm sei es allerdings in der Weihnachtszeit – »weil die meisten Plätzchen backen«. Aber: Mit den Eiern ist es, wie es ist: Auf Vorrat produzieren geht genauso wenig, wie einmalig mehr zu produzieren.

 

Nach 14 Monaten neue Hühner

Ein bisschen Planung ist allerdings schon möglich: So sind zum Beispiel nicht alle Ställe immer voll belegt. Um Ostern herum aber schon. »Da können wir es uns auch nicht anders erlauben.«

Neue Hühner kommen etwa alle 14 Monate von einem Junghennenaufzüchter aus Marburg, berichtet Kröll. Denn danach sei die Legezeit vorbei, die Eierschalen werden dünn und brüchig. Aus den Hennen werden Suppenhühner.

Im November 2015 hat Kröll sein erstes Hühnermobil gekauft. Damals ein kleines, das Platz für 250 Hühner bietet. Das Praktische an dem Gefährt, wie der Bönstädter erzählt: Es lässt sich wie ein Anhänger am Auto befestigen und problemlos transportieren. So stehen zum Beispiel 250 seiner Hühner den Sommer über im Butzbacher Stadtteil Nieder-Weisel – direkt bei der Hütte eines Direktvermarkters, der die Eier neben vielen anderen Produkten verkauft.

 

Eier auf Vertrauensbasis

Wie der Bönstädter damals auf die Hühner gekommen ist? Im Grunde sei es Zufall gewesen. In einem landwirtschaftlichen Magazin habe er einen Artikel über Hühnermobile gelesen. Zu dieser Zeit sei er ohnehin auf der Suche nach einem zweiten Standbein gewesen. Das Gute an der Hühner-Idee: Wenn es nicht funktioniert hätte, hätte er es ohne Probleme wieder aufgeben können, da der Stall mobil ist.

Aber: »Es lief von Anfang an.« Zuerst nur mit Selbstbedienungsschrank vor der Haustür, den es noch immer gibt. Das Prinzip: Bezahlen auf Vertrauensbasis. Wer Eier nimmt, wirft das Geld in die im Schrank eingebaute Kasse. Und wer nur einen 20-Euro-Schein einstecken hat, kann vorbezahlen.

Heute stehen solche Schränke außerdem in Bruchenbrücken und in Assenheim. Doch bei den Schränken ist es nicht geblieben. Genauso wenig wie bei den 250 Hühnern. Nach dem ersten Mobil kam ein weiteres dazu, kurz darauf noch eins und bald ein weiteres – machte also vier Mal 250 Hühner. Doch schon bald investierte Kröll in zwei noch größere mobile Ställe, in denen jeweils 900 Hühner Platz haben.

 

Der Hahn beschützt die Hennen

Alle sechs Ställe stehen auf einer Wiese. Die Hühnermobile haben eine Öffnung, sodass die Hühner den ganzen Tag über draußen herumlaufen können – was sie auch tun. Zum Schutz sind übrigens in der gackernden Hühnerschar ein paar krähende Hähne verteilt. Die sind dazu da, um die Hennen zu beschützen. Wenn zum Beispiel ein Habicht über der Schar kreist, erklärt Kröll, geben die Hähne so laute Warngeräusche von sich, dass die Hennen in das überdachte Mobil flitzen, um sich in Sicherheit zu bringen.

Abends gehen die Klappen des Mobils automatisch zu, morgens um 10 wieder auf. Mittags kommt Lars Kröll und sammelt die Eier ein. Zu Hause auf dem Hof sortiert er sie (eine Maschine macht das automatisch nach Gewicht) und stempelt die Eier. »Es braucht drei Tage, bis ein Ei seinen vollen Geschmack entfaltet.«

Vom Hof fährt Kröll die Eier aus – zu Supermärkten in der Umgebung ebenso wie zu Direktvermarktern. Dort funktioniere der Verkauf übrigens besonders gut, vor allem, wenn ein Mobil daneben stehe. »Da ist der Weg vom Nest zum Kunden gerade einmal zehn Meter lang.«

Fotos: Nici Merz

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