27. Februar 2018, 11:00 Uhr

Behindertenhilfe Wetterau

Das ist die neue Chefin der Wetterauer Behindertenhilfe

Die Behindertenhilfe Wetterau hat ein neues Gesicht: Eva Reichert ist neue Chefin. Außerdem gibt es ein neues Tochterunternehmen, das noch mehr Beschäftigte mit Handicap in Lohn und Brot bringen will.
27. Februar 2018, 11:00 Uhr
Die neue Geschäftsführerin der Behindertenhilfe Wetterau, Eva Reichert, zeigt das Logo der Tochterfirma Sauber gGmbH, des ersten Inklusionsbetriebs in der Wetterau. (Foto: sax)

Lange Jahre hatte Reinhold Medebach die Geschicke der Behindertenhilfe Wetterau geleitet. Nun, seit er in Rente gegangen ist, trägt Eva Reichert die Verantwortung für 350 Angestellte und 380 Menschen mit Behinderungen. Die 51-Jährige kündigt strukturelle Veränderungen im Sozialunternehmen an. Dazu zählt ein neues Tochterunternehmen: Die Sauber gGmbH ist eine Reinigungsfirma mit einem 30- bis 50-prozentigen Anteil schwerbehinderter Arbeitnehmer und damit der erste Inklusionsbetrieb der Wetterau.

 

Anders mit Menschen mit Handicap umgehen

Es gebe einen Paradigmenwechsel in der Gesellschaft im Umgang mit behinderten Menschen, erläutert Reichert. Statt Integration gelte nun das Prinzip Inklusion. Menschen mit Behinderung sollen möglichst uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Für die Behindertenhilfe bedeutet das eine große Herausforderung. Die neue Geschäftsführerin begreift diese Veränderung jedoch weniger als zusätzliche Aufgabe, sondern als Selbstverständlichkeit.

 

Entwicklung fördern

Auch Menschen mit Behinderung hätten einen Anspruch auf Förderung und Entwicklungsmöglichkeiten. »Hier zählen Menschen, nicht Gebäude«, betont Reichert den Paradigmenwechsel. Nicht mehr Wohnheime und Werkstätten stünden im Mittelpunkt, sondern der einzelne Mensch, der nach seinen Bedürfnissen und Wünschen beraten, begleitet und gefördert werde. »Wir unterstützen die Menschen so, dass sie möglichst viel selbstständig erledigen und daran wachsen.«

 

Arbeitsplätze für 380 Menschen mit Handicap

Rund 380 Menschen mit Behinderung beschäftigt die Behindertenhilfe im Kreisgebiet. Sie arbeiten unter anderem in zwei Küchenbetrieben in Ockstadt und Merkenfritz, in der Elektrogeräteentsorgung in Stockheim sowie in Werkstätten in Ockstadt, Weckesheim und Merkenfritz. Daneben gibt es einzelne Arbeitsplätze in Industriebetrieben. Auch mit dem Betrieb von Dorfläden in Wölfersheim, Büdingen und Himbach versuchte die Behindertenhilfe, ihre Beschäftigten in die Gesellschaft zu inkludieren.

»Diese Aktivitäten haben sich nicht gerechnet«, nennt Reichert diese Läden als einen Grund für die gravierende wirtschaftliche Schieflage vor einigen Jahren. Zum einen hätten zu wenige Kunden die Läden genutzt. Zum anderen seien die Lohnkosten durch die intensive Betreuung, die die behinderten Menschen benötigten, für den Einzelhandel zu hoch gewesen. Dabei zeigten gerade solche Projekte, wie richtig das Ziel der Inklusion sei. Das Bewusstsein, produktiv und verantwortungsvoll zu arbeiten, führe zu einer Stärkung der Persönlichkeit. »Die Menschen haben ein ganz anderes Selbstbewusstsein bekommen«, hat Reichert beobachtet.

 

Betriebswirtschaftliche Zwänge

In der wirtschaftlichen Krise wurde die Betriebswirtin Reichert, die seit 2009 als Controllerin bei der Behindertenhilfe Wetterau arbeitete, zur Vize-Geschäftsführerin befördert. Gerade wenn sie über die Dorfläden spricht, wird der Konflikt zwischen dem Anspruch an die Förderung der Beschäftigten und betriebswirtschaftlichen Zwängen deutlich. Mit einer stärkeren Subventionierung hätte man die Läden weiter betreiben können, ist sie überzeugt.

 

Menschen betreuen

Dennoch lässt sie keinen Zweifel an den Zielen der Behindertenhilfe. »Unser Kerngeschäft ist die Betreuung von Menschen.« Dazu gehöre natürlich auch, für diese Menschen Arbeit zu organisieren, die sich an deren Fähigkeiten, aber auch den Entwicklungsmöglichkeiten orientiere. Dazu arbeite die Behindertenhilfe an einem Netzwerk von Industrie, Handel, Gewerbe und Kommunen. Selbstverständlich gebe es bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung Reibungsverluste. Reichert: »Es ist unsere Aufgabe, die so gering wie möglich zu halten.«

 

Eigener Reinigungsbetrieb

Mit der Sauber gGmbH möchte die Behindertenhilfe ab Herbst ihren Beschäftigten ein neues inklusives Arbeitsfeld bieten. Zunächst einmal zehn Menschen mit Behinderungen sollen die eigenen Gebäude reinigen. Wichtig ist Reichert ein kleiner Anfang, den man mit den dabei gesammelten Erfahrungen allmählich ausbauen könne. Es gebe auch Anfragen von privaten Haushalten, erklärt die Geschäftsführerin, dass sie für die sauber gGmbH einen sehr guten Markt sieht.

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