15. März 2019, 09:00 Uhr

Insektensterben

Bienenschutz: Bauer sucht Paten für Blühstreifen

Soll der Rückgang der Insekten aufgehalten werden, müssen alle etwas tun, sagt Landwirt Steffen Bernhard. Für die Aktion »Rettet die Bienen« werden Paten für Blühstreifen gesucht.
15. März 2019, 09:00 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Wir retten die Bienen (v. l.): Florian Dangel (Regionalbauerverband), Dr. Miriam Bienau (Hessischer Bauernverband), Imker Ernst Ruppel und die beiden Dorheimer Landwirte Steffen und Timm Bernhard mit Saagut für Blühstreifen. (Foto: Nici Merz)

Als die Presse neulich über das »Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen« in Bayern berichtete, machte sich der Dorheimer Landwirt Steffen Bernhard seine Gedanken. »Klar: Die Zahl der Bienen geht zurück«, sagt Bernhard. Was ihn an der Diskussion aber stört: Mal wieder sind die Bauern an allem schuld. Andererseits habe das Volksbegehren gezeigt, dass es großes Interesse an der Artenvielfalt gebe. Warum also nicht negative Schlagzeilen in positive umdrehen und selbst etwas für die Umwelt tun?

»Mit Unterschriften löst man keine Probleme«, sagt Bernhard. Wer das will, müsse selbst einen Beitrag leisten. »Dorheim rettet die Bienen« hat der Landwirt, der am Ortsrand von Dorheim Kartoffeln anbaut, seine Aktion überschrieben. Gesucht werden Paten für Bienenweiden. Flächen, auf denen sonst Kartoffeln, Rüben oder Raps wächst, sollen in Blühstreifen umgewandelt werden. Wer mitmacht, übernimmt für 50 Euro die Patenschaft über 100 Quadratmeter Bienenweide. Für ein Jahr wird die Fläche mit Blühmischungen für Bienen und Insekten eingesät; eine Verlängerung ist möglich. Mit den 50 Euro würden der Verlust ausgeglichen, Saatgut, Arbeitsleistung, Versicherung und Finanzamt bezahlt. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat; wenn gewünscht, wird ihr Name auf einem Schild erwähnt.

Wer Bienenweiden im Garten oder auf einer Wiese anlegen will, kann bei den Bernhards auch nur das Saatgut kaufen. »Wir unterstützen das gerne«, sagt Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes. Bernhard sei, was die Einbindung der Bevölkerung angehe, ein Pionier. »Wir müssen die Verbraucher mit ins Boot holen.« Die Landwirte seien beim Insektenschutz nicht untätig. Seit zwei Jahren gebe es die Aktion »Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen« von Bauern- und Imkerverband. »Die Wetterauer Bauern sind da stark involviert.«

Saatgut für 100 Hektar bestellt

Im ersten Jahr seien 250 Kilo Saatgut geordert worden, im zweiten 500 Kilo. Für dieses Jahr wurde mehr als eine Tonne vorbestellt. »Das reicht für 100 Hektar Blühstreifen.« Den »Schwarzen Peter« beim Insektensterben wollen sich die Landwirte nicht zuschieben lassen. Bernhard zitiert wissenschaftliche Untersuchungen, laut denen es ein flächendeckendes Ereignis sein müsse, dass Bienen und andere Insekten vertreibe. »Die meisten Fläche in der Natur werden gar nicht landwirtschaftlich genutzt.« Die Bernhards arbeiten nach dem Leitbild der Integrierten Landwirtschaft. Beim Einsatz chemischer Mittel gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Bernhard: »Die Landwirtschaft alleine kann es nicht sein.« Flächendeckend sei mittlerweile das Handy-Empfangsnetz. Führt Elektro-Smog zur Orientierungslosigkeit der Tiere?

Ein Grund mehr, dass sich Verbraucher am Bienenschutz beteiligen. Der Bauernverband hat eine eigene Blühmischung herstellen lassen. Auch hier gehen die Verbrauchszahlen nach oben, sagt Dr. Miriam Bienau: »2018 waren es acht Tonnen, für dieses Jahr sind 16 Tonnen vorbestellt.« Die Aktion biete sich geradezu an, die Bevölkerung einzubeziehen.

Natur ist aus den Fugen geraten

Früher hätten Imker die Landwirtschaft verteufelt, sagt Ernst Ruppel. Der Imker aus Dorheim hält nichts von solchen Konflikten. Durch Zusammenarbeit erreiche man mehr. Honigbienen seien dank der Imker nicht im Bestand gefährdet. »Aber was ist mit Wildbienen und anderen Insekten?« Die Natur sei aus dem Gleichgewicht geraten.

Das beobachten Landwirte seit langem. Ist es normal, dass sich bei der Rapsernte hinter der Zugmaschine 70 Störche auf Futtersuche einfinden? Dass Zuggänse auf einen Schlag fünf Hektar Raps abfressen? Die Ballance stimme nicht mehr, sagt Dangel.

Landwirte hören von Verbrauchern öfter, die Blühflächen sähen im Winter nicht besonders hübsch aus, seien unordentlich und verwildert. Steffen Bernhard kann da nur den Kopf schütteln: »Das sind die Wohnungen der Insekten, die sehen nicht immer pickobello aus.« Wer das wolle, solle sich einen Kies-Vorgarten anlegen. Nur dürfe man dann nicht erwarten, dass dort Bienen und andere Insekten heimisch werden.

 

Info

Bienenweiden-Patenschaften

Bienen finden auf Felder zu wenige Blüten zum Bestäuben, außerdem können ihnen Schädlingsbekämpfungsmittel schaden. Deshalb legen Landwirte Blühstreifen mit einer großen Vielfalt von Pflanzen an. Der Bauernverband hat für seine Mitglieder die Aktion »Hessens Landwirtschaft blüht für Bienen« ins Leben gerufen. Landwirt Steffen Bernhard aus Dorheim will auch die Bevölkerung ins Boot holen. Wer für 50 Euro eine Patenschaft für eine Bienenweide übernehmen oder Saatgut für den eigenen Acker kaufen will, kann sich melden unter info@kartoffel-bernhard.de oder unter Tel. 0175/2238409. (jw)

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