26. Dezember 2018, 18:00 Uhr

Zu groß?

Bauprojekt in Nieder-Wöllstadt sorgt für Unmut

Einige Anwohner der Ilbenstädter Straße und des Schmalwiesenwegs in Wöllstadt sind verärgert: In der Nachbarschaft soll ein Mehrfamilienhaus gebaut werden. Der Bauherr verteidigt sein Vorhaben.
26. Dezember 2018, 18:00 Uhr
Hier soll das Mehrfamilienhaus mit zwei Stockwerken sowie einem Staffelgeschoss gebaut werden. Vorher muss noch über den Bebauungsplan entschieden werden. Die Nachbarn versuchen schon im Vorfeld, das Bauvorhaben zu stoppen. (Foto: sda)

So etwas gehört einfach nicht hierher«, sagt Bernd Karb. Er steht an seinem Dachbodenfenster und deutet auf das Nachbargrundstück. Dort, im Wöllstädter Schmalwiesenweg, wo jetzt noch ein verlassenes Einfamilienhaus steht, möchte ein Investor aus Rosbach ein Mehrfamilienhaus bauen. Geplant ist ein zehn Meter hohes Gebäude – zwei Vollstockwerke sowie ein Staffelgeschoss mit Dachterrasse. In dem Haus sollen laut aktueller Planung zehn Wohneinheiten entstehen. Zudem ist eine Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen vorgesehen.

Zu groß für den kleinen Ortsteil? Die Anwohner finden, ja, Investor Yunus Ceyran, findet, nicht.

Der Investor sagt: Das Gebäude füge sich in die Umgebung ein; die benachbarte katholische Kirche etwa habe auch kein klassisches Satteldach.

Für viele Anwohner der Ilbenstädter Straße und des Schmalwiesenwegs ist jedoch der Bau des geplanten Mehrfamilienhauses in unmittelbarer Nachbarschaft unvorstellbar. Sie haben eine Interessengemeinschaft gegründet. Daher habe man sich an die Gemeinde Wöllstadt gewandt. Das Grundstück ist zwar im Privatbesitz (wie Investor Ceyran sagt, werde er bald Eigentümer sein, der Kauf sei in trockenen Tüchern), die Gemeinde ist jedoch dafür zuständig, den Bebauungsplan aufzustellen.

Das wollen die Anwohner verhindern. Denn durch den Bau, sagt Bernd Karb, würden vor allem die Häuser in der Ilbenstädter Straße mit den Nummer 9, 11 und 13 ihre gesamte Sicht zugestellt bekommen. »Unser Haus ist 8,50 Meter hoch. Wenn dieser Klotz dahingestellt wird, gucken wir nur noch gegen die Wand.«

 

Politische Entscheidung steht aus

 

Baurechtlich sei die Planung einwandfrei (»es bleibt immer wenige Millimeter unter der Ausreizung«), »aber es ist rücksichtslos«, sagt Heike Karb. »Bei einem solchen Bauvorhaben sollte man doch mal mit den Nachbarn sprechen.« Zumal, argumentieren die Eheleute: Durch den Wohnkomplex würden an die 30 Leute auf einmal in das Gebiet ziehen. »Das sind mehr Leute als die Betroffenen hier zusammen.«

Grundsätzlich sei nichts gegen einen Neubau nebenan einzuwenden – »drei Reihenhäuser, damit haben wir gerechnet, das wäre okay, wir haben ja selbst irgendwann einmal hier angebaut«. Doch das aktuelle Vorhaben sei überdimensioniert, »ein Fremdkörper«, der sich nicht in den Bestand einfüge.

Investor Ceyran wehrt sich gegen diese Kritik. Klar, über derartige Projekte könne man sich streiten, sagt er, aber das klassische Einfamilienhaus mit großem Gartengrundstück (das Grundstück sei ohnehin groß: rund 1200 Quadratmeter) sei heute nicht mehr gewünscht – »und nicht mehr bezahlbar«. Deswegen plane er ein Gebäude mit mehreren Wohnungen – »in dem Familien wohnen werden«.

Überhaupt sehe er keine Einschränkungen wegen des Hauses: »Es wird keine Lärmbelästigung geben, die Zufahrt ist von der Straße aus, und im hinteren Bereich sind nur Balkone«. Und, sagt er: »Von der Höhe her ist es zweigeschossig, so wie ringsherum auch gebaut ist.« Ob er als Kompromiss auf das Staffelgeschoss verzichten könne? Aus wirtschaftlichen Gründen nicht, sagt er: »Dann könnte ich das Projekt nicht realisieren.«

Dass er sich mit dem Vorhaben in Wöllstadt keine Freunde mache, habe er bereits erfahren: Bei ihm im Büro habe eine Frau angerufen und gedroht.

Eine Entscheidung, ob gebaut werden darf oder nicht, wird es wahrscheinlich im März geben, wie Bürgermeister Adrian Roskoni sagt. Dann soll der Bebauungsplan Schmalwiesenweg Thema in den politischen Gremien sein. Bis dahin seien auch Einwendungen aus der Phase der Offenlage des Plans ausgewertet. Zudem werde bis dahin eine Abwägung vom beauftragten Planungsbüro aus Bad Vilbel vorliegen.

Roskoni weiß um die Bedenken der Anwohner. Aber er sagt auch: »Es ist eine Grundsatzfrage: Wie viel Verdichtung will man haben und wie viel Flächenverbrauch im Außenbereich?«

Info

Der Zeitplan

Die Wöllstädter Gemeindevertretung hat in ihrer Sitzung Ende September beschlossen, dass der vorhabenbezogene Bebauungsplan »Schmalwiesenweg« aufgestellt wird. »Ziel ist es, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für ein größeres Wohngebäude zu schaffen«, heißt es dazu in der öffentlichen Bekanntmachung. In der Zeit vom 8. bis zum 12. November war der Plan öffentlich ausgelegt, Bürger hatten in dieser Zeit die Möglichkeit, Einwendungen gegen das Vorhaben einzureichen. Wie Bürgermeister Adrian Roskoni sagt, würden diese zurzeit noch ausgewertet. Der Bebauungsplan werde voraussichtlich im März in den politischen Gremien besprochen. (sda)

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