15. Februar 2019, 05:00 Uhr

Ausreichende Kindergartenplätze

Bauernheim: Container-Kita kommt auf den Bolzplatz

Die Bauernheimer dürfen sich freuen: Auch im kleinsten Friedberger Stadtteil soll es bald eine Kindertagesstätte geben. Der Haupt- und Finanzausschuss hat dies mehrheitlich begrüßt.
15. Februar 2019, 05:00 Uhr
Schnulleralarm in Bauernheim: Auch der kleinste Friedberger Stadtteil soll eine eigene Kindertagesstätte bekommen. Die wird zwar in Container-Bauweise erstellt, ist aber keinswegs als Provisorium gedacht. (Foto: dpa)

Wer Erzieher oder Erzieherin werden will, muss sich keine Sorgen machen. Jeder findet einen Job. Bewerber werden händeringend gesucht, sogar für Kitas, die noch gar nicht existieren. Friedberg plant und baut gleich mehrere Kindertagesstätten, eine davon soll in Bauernheim stehen. Was als Provisorium gedacht war, soll eine feste Einrichtung werden. Im Haupt- und Finanzausschuss gab es aber auch leise Kritik am Vorgehen des Bürgermeisters.

Die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses begann mit einem Lob für Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Er hatte gerade verkündet, dass die Stadt den Kauf der Alten Post in der Mainzer-Tor-Anlage 8 abgewickelt hat; hier entsteht das technische Rathaus. »Das hat der Bürgermeister gut und schnell organisiert«, lobte Florian Uebelacker von den Grünen, der einzigen Partei, die beim Kauf Einwände hatte.

Eile geboten

So schnell, wie die Stadt dieses Raumproblem angegangen ist, lässt sich das Kita-Programm nicht erledigen. Obwohl Eile geboten ist. Die Kommunen sind gesetzlich verpflichtet, ausreichend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen. In Friedberg fehlen noch über 100 Plätze. Für Erleichterung sorgt der Bau der Kita auf dem Housing-Gelände: Am 1. April erfolgt dort der erste Spatenstich für eine sechsgruppige Einrichtung.

Um die Schließung der (maroden) Kita Wintersteinstraße zu kompensieren, soll auf einem Acker am Ende der Taunusstraße eine sechsgruppige Kita gebaut werden. Die Kita »Tintenklecks« unterhalb der 24 Hallen soll erweitert werden. Und Bauernheim bekommt eine Kita. Der kleinste Friedberger Stadtteil und der einzige, in dem es bislang keine solche Einrichtung gab.

Stadträtin Ruth Mühlenbeck (SPD) hat als Kita-Leiterin in Dorheim 20 Jahre lang Kinder aus Bauernheim betreut. Man sei mit den Kindern einmal im Jahr über die Bauernheimer Höhe zum Spielplatz in der Vogelsbergstraße gewandert, erzählte sie: »Naturnaher geht es nicht, und der Ort ist unglaublich gastfreundlich.« Die Bewohner wünschten sich seit langem eine Kita. Mühlenbeck: »Früher gab es dort sogar eine Grundschule.« Ortsvorsteher Uli Hausner (SPD), Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, war der erste Schüler, der in Dorheim unterrichtet wurde. Das habe ihm zwar nichts geschadet, wie er auf einen entsprechenden Hinweis lachend einräumte. Aber eine Kita für Bauernheim, das bedeute »einen enormen Entwicklungsschub für den Ort«.

Erst Ortsbeirat, dann Magistrat

Das sahen alle Ausschussmitglieder so, obgleich Sven Weiberg (Linke) und Florian Uebelacker leichte Bedenken anmeldeten. Orte wie Bauernheim sollten bei der Ausweisung von Bauland auf Eigenentwicklung setzen. Soll heißen: Es müssen nicht unbedingt Neubürger angelockt werden, zumal es in Bauernheim keine Schienen-Anbindung gibt.

Kritik kam auch vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Klaus-Dieter Rack: Als Ortsvorsteher von Dorheim habe er zunächst gestutzt, als er von den Plänen erfuhr. »Welche Konsequenzen hat das für Dorheim?« Keine, wie sich herausstellte. Auch in Dorheim sollen laut Antkowiak weitere Kita-Plätze entstehen. Die SPD freue sich über die Kita und unterstütze die Pläne, betonte Rack.

Unterschwellig klang hier Kritik an der Vorgehensweise des Bürgermeisters an. Der hatte die Pläne, noch bevor sich Magistrat oder Stadtverordnete damit beschäftigen konnten, im Ortsbeirat Bauernheim öffentlich gemacht. In der Verwaltungsvorlage, vergangene Woche verschickt, wurde indes darum gebeten, die Sache vertraulich zu behandeln, solange der Magistrat darüber nicht beraten habe. Das marginale Durcheinander war aber kein großer Streitpunkt. Denn klar ist: Friedberg braucht die Kita-Plätze in Bauernheim.

Kosten: 1,7 Millionen Euro

Die Anlage war als Provisorium gedacht. Jetzt soll es eine dauerhafte Einrichtung werden, bestehend aus hochwertigen Fertigbauelementen, mit einer Fläche von 1800 Quadratmetern. Als Außenfläche wird der Spielplatz genutzt. Die Kosten werden auf rund 1,7 Millionen Euro geschätzt; die Stadt hofft auf einen Zuschuss vom Bund in Höhe von 640 000 Euro. Im Haushalt stehen für die Baumaßnahme 500 000 Euro zur Verfügung. Die restlichen 1,2 Millionen sollen dem Budget für eine Flüchtlingsunterkunft entnommen werden, die nicht gebaut wurde.

Die Container hätten sich bewährt, sagte Friedrich-Wilhelm Durchdewald (UWG). Als Beispiel nannte er das Gebäude des DRK-Kreisverbandes. »Man merkt gar nicht, dass das Container sind.«

 

Info

Mehr Jahrespraktikanten

Bevor Erzieherinnen und Erzieher eine Anstellung im Kindergarten annehmen, absolvieren sie ein einjähriges Anerkennungspraktikum. Die Stadt Friedberg stellt für ihre elf Kitas seit Jahren sechs Praktikanten ein. Diese Zahl soll auf elf (sobald die Kita in der Housing Area steht auf zwölf) Plätze aufgestockt werden. Damit reagiert die Stadt auf den Personalnotstand. »Der Mangel an Erzieherinnen und Erziehern gefährdet nicht nur die Qualität der Betreuung vor Ort, sondern auch die Einhaltung von Mindeststandards«, schreibt die Stadtverwaltung. Anerkennungspraktikanten werden zu 50 Prozent ihrer Arbeitszeit als Fachkräfte anerkannt. Ihre Arbeit wird vergütet. Bislang seien die meisten Azubis übernommen worden, sagte Cornelia Becker, Leiterin des Haupt- und Personalamts. Schon vor ihrer Prüfung werden sie mit einem Anschlussvertrag ausgestattet. Die Stadt will künftig noch mehr Azubis an sich binden, lockt Bewerber unter anderem mit einem Jobticket. Außerdem zahle man Tariflohn, woran sich nicht alle Kommunen halten. Andere Städte wie Bad Homburg zahlen mehr als den Tariflohn. Gegen Abwerbeversuche solcher Städte ist Friedberg machtlos. (jw)

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