07. Juni 2017, 20:18 Uhr

Nachruf

Bad Nauheims Altbürgermeister Rohde verstorben

Als Bürgermeister hat Bernd Rohde die Stadt Bad Nauheim geprägt wie kaum einer seiner Vorgänger oder Nachfolger. Jetzt ist er im Alter von 79 Jahren verstorben.
07. Juni 2017, 20:18 Uhr
Wachablösung ohne Brimborium: 2005 wird der damalige Bürgermeister Bernd Rohde (links) am Ende seiner dritten Amtszeit von Stadtverordnetenvorsteher und Parteifreund Prof. Friedrich-Karl Feyerabend im Parlament mit freundschaftlichen Worten verabschiedet. (Foto: WZ-Archiv)

Weitblick, strategisches Denken und Entschlossenheit prägten die drei Amtszeiten von Bernd Rohde. Am Mittwoch ist der Alt-Bürgermeister nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben. Die Todesnachricht kam etwas überraschend, denn vor zwei Tagen war er noch in der Stadt gesehen worden.

1981 hatte sich die Bad Nauheimer CDU zu dem Wagnis entschlossen, das in der Kurstadt völlig unbekannte Parteimitglied Bernd Rohde für den Posten des Bürgermeisters zu nominieren. Der 44-Jährige war in Hamburg aufgewachsen, hatte dort Schule und Studium absolviert, um dann nach Jahren in der Privatwirtschaft ab 1976 als Beigeordneter der Stadt Hürth bei Köln tätig zu sein. Die Entscheidung der Bad Nauheimer Union erwies sich schnell als Glücksgriff für Partei und Stadt. Dem Juristen gelang es, sich in kürzester Zeit einen Namen zu machen und die Richtung einer modernen Stadtentwicklung vorzugeben.

In seinen ersten beiden Amtszeiten (1981 bis 1993) erwies sich Bernd Rohde vor allem als Experte für Baurecht sowie die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten. Die Entwicklung der Baugebiete Im Sichler und Am Goldstein (in seiner dritten Amtszeit, 1999 bis 2005) oder des Gewerbegebiets In den Langen Morgen sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Dabei scheute er nicht davor zurück, Hindernisse in oft turbulent verlaufenden Gesprächen in Wiesbadener Ministerien aus dem Weg zu räumen. So gelang es dem Christdemokraten auch, den Weiterbau der B 3 gegen alle Widerstände durchzusetzen.

Bernd Rohde auf seine Tätigkeit als Baufachmann zu reduzieren, wäre allerdings verfehlt. Es war die Entscheidung des CDU-Mannes, die Kurstadt erstmals mit einem Kulturetat auszustatten und ein entsprechendes Amt zu schaffen. Verdienste erwarb sich der Bürgermeister zudem in Sachen Städtepartnerschaft und bei der Aussöhnung mit überlebenden Holocaust-Opfern, die aus Bad Nauheim stammten. Mehrfach lud Bernd Rohde diese Verfolgten des Naziregimes ein. Ohne sein Engagement gäbe es heute vermutlich keine Kurstadt-Synagoge mehr.

1993 musste er sein geliebtes Amt vorübergehend aufgeben. In diesem Jahr wurde die Direktwahl des Bürgermeisters eingeführt. Zum ersten und einzigen Mal ließ Bernd Rohde sein politischer Instinkt wirklich im Stich. Nachdem er zunächst erklärt hatte, nicht mehr kandidieren zu wollen, revidierte er diese Entscheidung wenig später. Die CDU hatte zu diesem Zeitpunkt bereits den damaligen Ersten Stadtrat Dr. Werner Flach nominiert. Bernd Rohde trat als unabhängiger Bewerber an, scheiterte dabei allerdings am heftigen Gegenwind, der ihm aus seiner eigenen Partei ins Gesicht blies. Sogar ein Ausschlussverfahren wurde angestrebt, das aber letztlich im Sande verlief.

Gewählt wurde damals SPD-Kandidat Peter Keller, der nach schwerer Krankheit sechs Jahre später verstarb. Der Streit zwischen Bernd Rohde und der CDU war längst beigelegt, der Ex-Bürgermeister wurde erneut als Kandidat der Union aufgestellt und siegte klar. Schnell wurde ersichtlich, dass der Elan des gealterten Verwaltungsexperten keineswegs nachgelassen hatte. Passanten sahen wieder fast an jedem Tag das Licht in Rohdes Büro noch spät am Abend brennen. Er beendete die Endlosdiskussion über die Zukunft des Rathauses und setzte in kürzester Zeit den Neubau in der Parkstraße durch. Anderen Kommunen machte er vor, wie ehemalige Liegenschaften der US-Amerikaner zügig in kommunales Eigentum überführt werden können. Die schnelle Bebauung der Amerikanischen Siedlung ist nicht zuletzt das Verdienst von Bernd Rohde.

In seine letzte Wahlperiode fiel auch die Entscheidung, die Landesgartenschau 2010 an Bad Nauheim zu vergeben. Seine dritte Amtszeit kostete der Christdemokrat bis zum letzten Tag aus: Am 18. September 2005 wurde er 68 Jahre alt und musste aus Altersgründen den Chefsessel räumen. Erst einen Tag vorher erfolgte die Amtsübergabe. Davor hatte der Bürgermeister noch einmal entscheidende Weichen für Bad Nauheim gestellt: Der Kommunalisierungsvertrag für das Staatsbad wurde nach zähen Verhandlungen mit der Landesregierung unterzeichnet.

Kein Selbstdarsteller

Bernd Rohde war kein typischer Parteipolitiker, wusste in Parlamentsdebatten aber mit prägnanten und scharfzüngigen Beiträgen zu überzeugen. Selbstbeweihräucherung war ihm ein Gräuel. Typisch Rohde: Zum Ende seiner letzten Amtszeit lehnte er alle WZ-Anfragen für ein Interview oder ein Portrait ab. Ein Satz aus seiner kurzen Abschiedsrede vor den Stadtverordneten bleibt in Erinnerung: »Ich habe jeden Tag mit Freude im Rathaus gearbeitet.« Und mit Erfolg, muss hinzugefügt werden.

In den letzten Jahren seines Ruhestands litt Bernd Rohde unter einer schweren Krankheit. Liebevoll umsorgt wurde er von seiner vierten Ehefrau Sonja Rohde. Zu der großen Trauergemeinde gehören fünf Kinder und neun Enkel.

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