27. Februar 2019, 11:00 Uhr

Komplettes Haus entsorgt

Auf Bahn-Gelände: Mühsamer Kampf gegen Müllsünder

Illegal abgelagerter Müll wird zunehmend zu einem Problem, selbst wenn – wie bei der Entsorgung eines kompletten Hauses im letzten August in Friedberg – die Übeltäter gefasst werden.
27. Februar 2019, 11:00 Uhr

Ganzes Haus illegal entsorgt« titelte die WZ Ende August 2018. Auf dem alten Reifenlager in der Görbelheimer Hohl an den Bahngleisen und auf einem Gelände an den Tennisplätzen türmte sich Bauschutt. Die Ordnungspolizei stieß nach akribischer Recherche auf einen Hausabbruch in Rosbach, der Hausbesitzer war wie vor den Kopf geschlagen: Er zeigte Abliefer- und Wiegescheine als Nachweis für die rechtmäßige Entsorgung, doch die waren offenbar gefälscht. Die Kripo wurde eingeschaltet, als Verursacher wurde ein Abrissunternehmen aus Südhessen ausgemacht.

Auf das Abrissunternehmen »wartet nicht nur ein Bußgeldverfahren, sondern auch eine hohe Geldstrafe oder gar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren«, hatte es damals geheißen. Sechs Monate ist das her. Was ist seither geschehen? Wie Ordnungsamtsleiter Jürgen Schlerf sagt, nimmt die illegale Müllablagerung kein Ende. »Das hat sogar noch zugenommen.« In »Nacht- und Nebelaktionen« werden Möbel, Matratzen und Bauschutt in die Natur gekippt. Das ehemalige Reifenlager, ein Gelände der Deutschen Bahn, bereitet der Stadt immer wieder Sorgen. »Wir fordern die Bahn regelmäßig auf, das Gelände abzusperren. Aber wir bekommen keine Antwort.« Jetzt wende man sich an eine höhere Stelle bei der Bahn.

 

Strafverfolgung läuft schleppend

Auch die Strafverfolgung läuft schleppend. Das Abrissunternehmen aus Südhessen musste bislang keine Geldbuße oder Strafe zahlen. Wie ein Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt sagt, wird der Vorgang noch vom Dezernat für Abfallwirtschaft bearbeitet. Die beiden weit voneinander entfernt liegenden Örtlichkeiten seien mit Kripo und Ordnungsamt in Augenschein genommen worden. »Bislang konnte nicht beweissicher aufgeklärt werden, wer die Abfälle in Summe abgelagert hat.«

Ein Bußgeld werde nur dann vom RP verhängt, wenn es sich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. Für Straftaten ist die Kriminalpolizei zuständig. Im Raum steht eine Straftat wegen Verstoßes gegen die Paragrafen 326 oder 327 StGB (unerlaubter Umgang mit Abfällen bzw. unerlaubtes Betreiben von Entsorgungsanlagen). Wie die Polizei in Friedberg mitteilt, wartet man auf die Ermittlungsunterlagen des RP. »Vorher sind uns die Hände gebunden.« Gibt es die Firma überhaupt noch? Name und der letzte Firmensitz (Raunheim) sind der Redaktion bekannt. Ein Video auf einer Internetplattform, 2014 produziert, wirbt für eine »fach- und termingerechte Arbeitsweise zu fairen Preisen«. Zwei Kommentare dazu gibt es. Im ersten wird vor dem »sehr unseriösen Unternehmen« gewarnt, das keinen Versicherungsschutz habe. Im zweiten wird von einem Versicherungsfall berichtet, der nun für Ärger sorgt: »Also Finger weg von ...«.

Laut einem Auszug aus dem Handelsregister wird das Unternehmen, das nach einem Familiennamen aus dem Balkan benannt ist, von einer Frau geführt. Also Anruf in Raunheim, eine männliche Stimme meldet sich. »Nein, die Firma gibt es nicht mehr«, sagt der Mann, der keinen Namen nennt. Und von einer Anzeige wisse er nichts.

 

Info

Der Müll nimmt kein Ende

»Unglaublich, was sich die Leute erlauben«, schreibt eine Leserin und meldet eine illegale Müllablagerung in Ockstadt. Auf dem Kirschenberg wurde Elektroschrott im Wald abgeladen. Die Frau benachrichtigte das städtische Ordnungsamt, anderntags wurde der Müll abgeholt, auf Kosten der Allgemeinheit. Als dieser Zeitungsbericht fast fertig ist, trifft die nächste Müll-Mail ein: Hinter einem Altkleidercontainer auf dem »Platz der deutschen Einheit« (im Volksmund: »Kastanienplatz«) gegenüber des Arbeitsamtes lehnen Schranktüren und anderes Gerümpel. Ob – wie es oft geschieht – auch im Inneren des Containers Müll liegt? Der Leser kommentiert das Foto mit den Worten: »Wo sind wir denn?« Illegale Müllablagerungen sollten dem Rathaus gemeldet werden unter der Mail-Adresse ordnungsamt@friedberg-hessen.de. Auf der Internetseite der Stadt (www.friedberg-hessen.de) können Bürger unter dem Menüpunkt »Rathaus und Politik« die »Mängelanzeige« ausfüllen. (jw)

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