02. März 2019, 06:00 Uhr

Stadtparlament

Arena-Neubau: Prüfung einstimmig beschlossen

Im Stadtparlament hat der EC Bad Nauheim viele treue Fans. Dem Wunsch des Profi-Eishockeyvereins, den Bau einer neuen Arena zu prüfen, wollen sich die Fraktionen denn auch nicht verschließen.
02. März 2019, 06:00 Uhr

Von Bernd Klühs , 1 Kommentar
Der öffentliche Eislauf im Colonel-Knight-Stadion stößt auf großes Interesse. Müssen sich Breitensportler und Eishockey-Profis langfristig mit diesem Standort abfinden oder können sie in einigen Jahren eine moderne Arena nutzen? Diese Frage wird geprüft. (Foto: Nici Merz)

Der EC Bad Nauheim hat Tausende von Anhängern in der Kurstadt. Deshalb kann es einem Politiker nicht schaden, wenn er Unterstützer der Eishockey-Profis ist und sich als solcher outet. So geschehen am Donnerstagabend in der Parlamentssitzung. Peter Heidt (FDP) bezeichnet sich als »großer Fan«, der das alte Stadion seit 46 Jahren kennt, Claudia Kutschker (Grüne) fiebert seit Jahrzehnten regelmäßig bei EC-Spielen mit, Erster Stadtrat Peter Krank (parteilos) ist früher selbst dem Puck hinterhergejagt.

Nicht nur Heidt und Kutschker, auch alle anderen Stadtverordneten hatten kein Problem, einem CDU-Antrag zu folgen, mit dem der Bau eines neuen Stadions geprüft werden soll (siehe weiteren Artikel). Wobei der Begriff Stadion nicht zutreffend ist, Verein und Politikern schwebt vielmehr eine Multifunktionsarena samt Trainingshalle vor.

Leuchtturm-Projekt?

Peter Heidt, der aus einer Familie von EC-Fans stammt, ist von der Idee begeistert. »Haben Sie den Mut für dieses Leuchtturm-Projekt«, appellierte er an seine Kollegen. Das alte Stadion sei nicht mehr sanierungsfähig, die Multifunktionshalle biete nicht nur beste Bedingungen für Eishockey und öffentlichen Eislauf, sondern locke auch attraktive Veranstaltungen nach Bad Nauheim. Das fördere den Tourismus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt. Den EC sieht er als Imageträger Nummer eins, der Bad Nauheim deutschlandweit bekannt mache.

Andere Redner begrüßten den Antrag zwar ebenfalls, sprachen aber von einer ergebnisoffenen Prüfung. »Als Fan wünsche ich den Neubau, als Stadtverordnete vertrete ich die Gesamtinteressen der Stadt«, sagte Grünen-Fraktionschefin Kutschker. Im Fokus müsse die Frage stehen, ob das Projekt zu stemmen sei. Wie die Grünen-Politikerin betonte, diene der Neubau nicht vorwiegend den EC-Profis. Nur drei Prozent der Hallenbelegungszeiten stünden bislang diesen Spielern zur Verfügung, der Rest komme Amateurvereinen und dem öffentlichen Eislauf zugute.

Was wird aus Gelände am Teich?

Nach den Worten des CDU-Fraktionsvorsitzenden Manfred Jordis folgt seine Partei mit dem Antrag einem Wunsch der EC-Verantwortlichen. Auch die Union glaubt, dass eine Sanierung des alten Stadions nur eine vorübergehende Lösung der Probleme des Vereins wäre. Jetzt müssten Zahlen und Fakten gesammelt, offene Fragen beantwortet werden. Eine davon: Was passiert mit dem bisherigen Stadion-Gelände? Antwort Jordis: »Wir wollen kein ›Wohnen am Teich‹, das kann nicht Sinn des Ganzen sein.« Daraus ergibt sich allerdings eine weitere Frage: Wie soll ein Neubau ohne Vermarktung des Areals am Teich bezahlt werden?

In Sachen Finanzierung verdeutlichten Markus Theis (UWG) und Bürgermeister Klaus Kreß die Rolle der Stadt. »Wir können das Projekt auf keinen Fall alleine realisieren«, betonte der Fraktionschef der Freien Wähler. Am Ende der Prüfung müsse den Neubau-Plänen möglicherweise eine Absage erteilt werden. Theis empfahl eine »ehrliche Herangehensweise«. Kritik übte er an der Magistratsspitze, die der Politik ein Gutachten vorenthalten habe, aus dem der Sanierungsbedarf fürs alte Stadion hervorgehe.

Investor soll Hauptlast tragen

Nach Ansicht von Kreß bildet die Stadt nur die dritte Säule, wenn es um die Kosten geht, die er auf mindestens 20 Millionen Euro schätzt. »Die Hauptlast muss ein Investor tragen«, sagte der Bürgermeister. Zudem sollten alle denkbaren Fördertöpfe herangezogen werden.

»Begeistert von der Euphorie«, die FDP-Mann Heidt verbreite, zeigte sich Erster Stadtrat Krank. Er empfahl allerdings, einen Schritt nach dem anderen zu gehen, alles auf den Tisch zu legen und zu prüfen – auch die Frage einer erneuten Instandsetzung des Altbaus. Ein Grundstück für eine neue Arena müsse gefunden, der Kostenrahmen abgesteckt werden.

Krank erinnerte an Investitionen von 60 bis 80 Millionen Euro, die in naher Zukunft gestemmt werden müssten, vor allem für die Therme und ihr Umfeld. »Ich will nicht sagen, dass das Arena-Projekt nicht geht. Geht nicht, gibt’s nicht«, meinte der Erste Stadtrat. Eine Entscheidung könne aber erst getroffen werden, wenn alle Informationen vorlägen. »Auch der EC bleibt auf dem Boden der Tatsachen.«

 

Info

50000 Euro für "Projektplanung"

Der CDU-Antrag, der von den Stadtverordneten einstimmig verabschiedet wurde, war in zwei Punkten nicht ganz eindeutig formuliert. Der Magistrat wurde mit der Suche nach geeigneten Standorten für ein »neues Eisstadion« beauftragt, obwohl allen Beteiligten eine Multifunktionsarena samt Trainingshalle vorschwebt. Zudem soll in Kooperation mit dem EC eine »Projektplanung« veranlasst werden, die sich die Stadt 50 000 Euro kosten lässt. Der Begriff »Projektplanung« ist etwas irreführend. Wie die Debatte zeigte, geht es nicht darum, bereits in die Planung einzusteigen, sondern erst mal Fragen nach Standort, Anforderungen an eine Arena und Kostenrahmen zu beantworten. Auf dieser Basis sowie nach einer Investorensuche und der Entscheidung, was mit dem alten Stadion-Gelände geschehen soll, kann der Beschluss für oder gegen den Arena-Neubau gefasst werden. (bk)

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