Bürgermeister Eike See (SPD) konnte einem am Sonntagnachmittag auf dem Römerhof fast leidtun. Denn ein Großteil seiner Antworten wurde mit hämischem Lachen beantwortet.

Gut 150 Bürger, der größte Teil aus Echzell, waren der Einladung der Bürgerinitiative (BI) »Bürger für Boden« auf das Landwirtschaftsgut Römerhof an der K 181, direkt gegenüber dem von Rewe ausgespähten Standort fürs neue Logistikzentrum, gefolgt. Nicht nur die ortsansässige Bevölkerung war gekommen; auch Mitglieder des Aktionsbündnisses von Landwirtschafts- und Umweltverbänden sowie Kirchenmitglieder aus der Wetterau nahmen an der Veranstaltung teil.

Emotionale Diskussion

Einziger Gast auf dem Podium war der Wölfersheimer Bürgermeister Eike See. Auch wenn die Moderatoren Christa Degkwitz (Grüne Echzell) und Wolfgang Dittrich (evangelische Kirche Friedberg) die Anwesenden zu einer möglichst fairen Diskussion aufriefen, so zeigten sich bald die Emotionen. Die kritischen Fragensteller bekamen Applaus, der Bürgermeister, der versuchte, alle Fragen zu beantworten, erntete hingegen Spott und Verachtung. »Sie opfern die Seele der Wetterau auf dem Altar des Kommerzes«, rief etwa eine Zuhörerin in die Runde.

See hatte zuvor versucht, zu erklären, warum der Bau des Zentrums nicht nur Landwirtschaftsfläche vernichten, sondern dafür neue Arbeitsplätze schaffen werde. »Das ist Wirtschaftsförderung im eigentlichen Sinne. Wir müssen als Gemeinde dafür sorgen, dass wir Einnahmen erzielen, anstatt den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen.« Kostenlose Kindergärten, gepflegte Straßen, eine funktionierende Infrastruktur kosteten Geld. Er wolle sich dies nicht über Grundsteuern oder Abgaben holen, sondern von Firmen.

Zudem werde der Ackerboden in einer Höhe von etwa 20 Zentimeter abgetragen und auf einer Fläche aufgebracht, deren Boden nicht dieselbe Qualität habe. Beispielsweise auf dem Areal, wo Bergbau betrieben wurde.

Bei den Fragen rund um das Genehmigungsverfahren innerhalb der Gemeindegremien geriet See mit Michael Rückl, Gemeindevertreter der Grünen im Wölfersheimer Gemeindeparlament, aneinander. Er meinte, dass das Projekt im Schnellverfahren und hinter verschlossenen Türen durchgeboxt und die Bürger zu spät informiert worden seien. »In acht Gemeindevertretersitzungen wurde ausführlich über das Projekt diskutiert. Nur eine war nicht öffentlich. Darüber hinaus haben 28 der 30 Gemeindevertreter für das Projekt gestimmt. Ist das nicht transparent genug?«, fragte See das Publikum.

Was den Verkehr angeht, verwies See auf die vorliegenden Gutachten: »Das Verkehrsaufkommen liegt voraussichtlich bei 3500 Fahrzeugen pro Tag. Das sind weniger als derzeit, wo die Lkw von Rewe zwischen Hungen und Rosbach hin- und herfahren.«

Wegen der derzeit stattfindenden Bodenanalyse für das Fundament seien die Arbeiten circa drei Monate im Rückstand. See rechnet allerdings noch in diesem Jahr mit der Erteilung des Baurechts. Die Widersprüche gegen das Umlegungsverfahren bereiten ihm kein Kopfzerbrechen. Die BI wiederum gebe die Hoffnung nicht auf, sagte Sprecherin Anette Breit, denn seitens des BUND sei noch eine Klage anhängig.

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